Hockenheim

Anfragen Bebauungsplanverfahren „Sondergebiet Hockenheimring I“ wird nicht mehr weiterverfolgt / Rahmenbedingungen haben sich durch Emodrom geändert

Schlussstrich unter Baupläne sichert Wald-Erhalt

Archivartikel

Ohne großes Aufheben hat der Gemeinderat die bisher getätigten Schritte im Zusammenhang mit dem Bebauungsplan-Verfahren „Sondergebiet Hockenheimring I“ aufgehoben. Einzig von Gemeinderat Adolf Härdle (Grüne) war ein Aufseufzen zu hören – immerhin wurden gut 2,7 Hektar Wald vor der Abholzung bewahrt.

Mit dem Sondergebiet verfolgte der Rat vor gut fünf Jahren das Ziel einer strategischen Neuausrichtung des Hockenheimrings. Geschaffen werden sollte ein „technologieoffenes Kompetenz- und Informationszentrum zur Bündelung und Unterstützung der wirtschaftlichen und politischen Ziele moderner und nachhaltiger Mobilitätskonzepte“. Gestalt annehmen sollten dieses auf dem Gelände zwischen den Tribünen und der Autobahn A 6.

Diese Pläne waren bis zur frühzeitigen Beteiligung der der Öffentlichkeit gediehen, als das Thema Ausgleich für die zu fällende Waldfläche aufs Tapet kam. Mit den Forst-, Naturschutz- und Landwirtschaftsbehörden wurde kein Konsens gefunden, so dass das Verfahren ruhte.

Gleichzeitig passte die Emodrom GmbH ihre Projektideen den sich ändernden Rahmenbedingungen an – das Gelände war obsolet geworden und damit auch das geplante „Sondergebiet“. Zumal sich Projekte wie das Porsche Experience Center auch auf andere Rechtsquellen gestützt umsetzen ließen.

Dieser Entwicklung folgend, verabschiedete sich der Rat einstimmig von den Plänen für das Sondergebiet. Nicht ohne mahnende Worte von Härdle, der sich nicht nur über die Nichtinanspruchnahme des Walds freute, sondern dem Gremium vorrechnete, dass in der Stadt in den vergangenen 60 Jahren im Schnitt jährlich zehn Hektar Boden asphaltiert wurde. Die Ausgleichsfläche für diese 600 Hektar Siedlungsfläche seien stets zulasten der Landwirtschaft gegangen – „so geht es nicht weiter“, betonte Härdle und stellte fest, dass es mit seiner Fraktion keinen weiteren Flächenverbrauch geben werde.

Formsache am Ratstisch war die Beauftragung des Architekturbüros Vögele aus Reilingen mit den Architektenleistungen für die Sanierung der Schule am Kraichbach. Wie Christian Engel vom Fachbereich Bauen und Wohnen betonte, hatte das Büro das beste Angebot abgegeben. Ausschlaggebend für die Beauftragung war jedoch die Gewährleistung einer regelmäßigen Betreuung der Arbeiten vor Ort.

Infoveranstaltung zum Ring kommt

Oberbürgermeister Marcus Zeitler nutzte den Punkt Mitteilungen der Verwaltung, um nochmals auf den Hockenheimring beziehungsweise dessen Weiterentwicklung zu sprechen zu kommen. Ursprünglich war eine Bürgerinformationsveranstaltung geplant gewesen, die jedoch der Corona-Pandemie zum Opfer fiel. „Am liebsten würde ich morgen eine Bürgerversammlung einberufen“, betonte der OB, für den die Gesundheit der Bürger Vorrang hat.

Eigentlich, so Zeitler, sei alles schon in trockenen Tüchern gewesen, der Terminplan habe gestanden: Die Bürgerinformationsveranstaltung war terminiert, zwei Wochen später sollte die entscheidende Ratssitzung stattfinden. Dann kam Corona.

Die Pandemie habe nicht nur durch den Zeitplan einen dickten Strick gemacht – öffentliche Veranstaltungen waren untersagt – sondern auch die Rahmenbedingungen verändert: Dem Hockenheimring fehlen immense Einnahmen. In das Sitzungsvakuum sei eine Diskussion der Fraktionen über das rechte Maß an Bürgerbeteiligung getragen worden. Plötzlich schien die Frist zwischen Informationsveranstaltung und Ratsentscheid für eine Bürgerbeteiligung zu kurz.

Reaktionszeitraum wird verlängert

Zeitler trug nun eine in Gesprächen als Kompromiss ermittelte Lösung vor: Die Frist zwischen Bürgerinformationsveranstaltung und Ratssitzung wird auf vier Wochen ausgedehnt. So haben die Bürger nicht nur die Gelegenheit, sich bei der Sitzung zu Wort zu melden, sondern können auch im Nachgang ihre Meinung schriftlich oder mittels digitaler Technik äußern.

Diese Anregungen werden, wie alle anderen, von der Verwaltung aufgegriffen und dem Gemeinderat bei seiner entscheidenden Sitzung vorgelegt. aw

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