Hockenheim

Historie Die steinerne Statue auf der Kraichbachbrücke hat einiges miterlebt / Revolutionskrieger und Aufständische zogen bereits an ihr vorbei

Schon Schiller ging am heiligen Nepomuk vorüber

Archivartikel

Vielleicht würde er sich gerne einmal die Augen reiben, um genau zu sehen, was da in all den Jahren so vor und unter ihm geschah. Aber er kann es nicht, denn er ist schließlich aus Stein. Um wen es sich handelt? Nun ja, ihn kennt jeder in Hockenheim – es ist der heilige Nepomuk auf der Kraichbachbrücke in der Karlsruher Straße. So viel Umtrieb wie durch die ganzen HÖP-Maßnahmen hat der steinerne Brückenheilige wohl schon lange nicht mehr erlebt. Obwohl er bestimmt so manches zu erzählen hätte – wenn er reden könnte . . .

Der Hockenheimer Nepomuk stand schon auf beiden Seiten des Bachlaufes, erlebte den Kraichbach in seinem Lauf bachabwärts und bachaufwärts. Seit 1755 hat er diesen Platz inne auf einer schon sehr früh vielbefahrenen Brücke. Heimatbuchautor Ernst Brauch schreibt von „Geleitzügen der zur Frankfurter Messe fahrenden und von dort heimkehrenden Schweizer Kaufherren“.

Aber auch Heere der Revolutionskriege zogen am Nepomuk vorbei und brachten für die Bevölkerung Hockenheims nichts Gutes. Im Juni 1849 sollen es die badischen Aufständischen gewesen sein, die die Schlacht bei Waghäusel verloren hatten und nun in wilder Flucht vor den Preußen über die Hockenheimer Brücke zurück in Richtung Neckar eilten.

Pferdewechsel in der Nähe

Betrachten wir auch die positiven Seiten: Am 23. September 1782 ist Friedrich Schiller auf dem Weg zur Freiheit nach Mannheim ebenfalls über die Hockenheimer Kraichbachbrücke gegangen. Und wenn der gute Nepomuk hätte hören können, hätte er sich über die (sicherlich) fröhlich geschmetterten Lieder der Postillione freuen können, die ganz in der Nähe des Brückenheiligen nach dem Pferdewechsel in der alten „Kanne“ ihre Fahrt fortsetzen konnten.

Seien wir einfach davon überzeugt, dass Nepomuk stets seine schützende Hand über das Dörfchen Hockenheim hielt. Er gilt ja als der Schutzheilige der Schiffer und der Flößer und auch der Müller, was in Hockenheim passend war, da am Bachlauf einige Mühlen standen. Was Heilige anbetrifft, so können wir in Hockenheim auch an den heiligen Georg denken, dem die katholische Kirche gewidmet ist und dem heiligen Christophorus, nach dem das katholische Pfarrzentrum benannt worden ist. Der heilige Georg gilt unter anderem als der Schutzheilige für Reiter und Soldaten, für die Feuerwehr und die Bauern, für Pfadfinder und Wanderer.

Ein breites „Spektrum an Verantwortung als Heiliger“ trägt Christophorus. Er „kümmert sich“ um Pilger, um Reisende, um Fahrleute und Chauffeure und wie in Heiligenlexika nachzulesen ist, auch um Kraftfahrer.

Also führen wir den Gedanken weiter: Christophorus ist der Patron der Rennfahrer, womit das für Hockenheim wieder ideal passt. Übrigens ist sein Gedenktag der 26. Juli, das war ja auch die Zeit, in der die Formel 1 hier üblicherweise ihre Runden drehte.

Cosmas und Damian, die beiden Schutzheiligen der Apotheker sind in der aktuellen Corona-Zeit sicherlich auch oft gefragt und mancher innige Hilferuf wird an den Schutzheiligen der Händler gehen, den heiligen Ambrosius von Mailand. Interessanterweise ist auch an die Journalisten der Zeitungen gedacht: Der vor 450 Jahren geborene Franz von Sales gilt als der Schutzheilige der Redakteure, Journalisten und Schriftsteller, wohl nicht zuletzt deshalb, weil angeblich seine Predigten nicht angehört werden durften und man deshalb die damals neue Möglichkeiten von Flugblättern genutzt haben soll.

Isidor als Beschützer des Internets

Bei einer Kongregation im Vatikan werden Vorschläge geprüft, wer offiziell als Schutzheiliger für wen oder was benannt werden darf. Spanische Gläubige haben zum Beispiel den heiligen Isidor, einen Bischof aus Sevilla, als Schutzheiligen für das Internet vorgeschlagen – die Entscheidung aus Rom steht allerdings noch aus.

Manche Heiligen können einem aufgrund ihrer „Zuständigkeiten“ aber auch fast schon ein wenig leidtun. Der heilige Judas Thaddäus und die heilige Rita von Cascia, eine bereits 1447 verstorbene italienische Nonne und Mystikerin, werden im Gebet angerufen bei „aussichtslosen Anliegen“. Wie soll man das verstehen? Sie sind ja schließlich auch nur Heilige . . .

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