Hockenheim

Stadtbibliothek Workshop mit dem „Museum im Koffer“

Schreiben wie die Mönche

„Das ist gar nicht so leicht“, erklärt die neunjährige Priska und taucht eine weiße Feder in das Trinkhorn mit Tinten auf dem hölzernen Schreibpult vor ihr. Konzentriert schreibt sie einen Buchstaben nach dem anderen auf das Pergament –ganz so, wie die Mönche es vor rund 1200 Jahren im Mittelalter gemacht haben. „Ich schreibe das erste Mal mit einer Feder und es macht mir total Spaß“, verrät Priska im Gespräch mit unserer Zeitung.

Passend zum 1250. Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung Hockenheims lud die Stadtbibliothek das „Museum im Koffer“ aus Nürnberg mit seiner historischen Schreibwerkstatt ein. Kinder ab neun Jahren konnten eine kleine Zeitreise ins Mittelalter erleben und eine Buchseite nach Herzenslust beschreiben und gestalten. Das mobile Museum hat Projekte über Römer, Kelten, Indianer oder eben das Mittelalter für junge Besucher parat. Schreib-, Papier- und Druckwerkstatt sollen den Kindern das Leben im Mittelalter näherbringen.

„Zuerst besprechen wir mit den Kindern in der Einführung, wie früher Buchseiten hergestellt wurden“, meint Museumspädagogin Elisabeth Baumthaler, die zusammen mit ihrem Kollegen Walter Karl die Schreibwerkstatt beaufsichtigt und den Kindern beim Schreiben und Verzieren hilft. „Danach dürfen sie zunächst auf einem Schmierpapier die alte Schrift, nämlich die karolingische Minuskel üben“, erklärt sie. Wer genug geübt hat, bekommt ein dickes Blatt Pergamentpapier und darf einen Text abschreiben oder sich selbst etwas ausdenken.

Farbe aus getrockneten Läusen

„Früher wurde auch immer auf die Buchseiten gemalt“, erzählt Baumthaler. „Das liegt daran, dass nur sechs von 100 Menschen lesen und schreiben konnten. Die Bilder waren für diejenigen bestimmt, die den Text nicht lesen konnten.“ Ehrensache, dass die Kinder ihre Buchseiten mit verschiedenen Farben und Blattgold verzieren dürfen. Zum Illuminieren mischen sie die Farben aus Rohstoffen wie getrockneten Läusen, Pflanzen oder Mineralien selbst an.

„Ich finde das Schreiben mit dem Federkiel schon schwierig“, sagt die zwölfjährige Olga im Gespräch. „Ich habe zwar schon einmal mit Tusche gezeichnet, aber trotzdem muss ich sehr aufpassen, sonst landet ein dicker Tropfen Tinte auf meinem Pergament. Es macht mir viel Spaß.“

Demnächst geht es an die Papierherstellung: „Jeder, der selbst einmal Papier schöpfen möchte, ist herzlich willkommen“, sagt Bibliotheksleiter Dieter Reif.

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