Hockenheim

Schritt in ein neues Leben (Teil 2) DRK-Kreisverband hilft zwei jungen Leuten den Hofweg zu verlassen / Solide Basis für eine bessere Zukunft und mehr Normalität

Selcuk und Rhoda teilen sich Wohnung

Archivartikel

Selcuk (23) und Rhoda (21) sind zwei junge Menschen aus Hockenheim. Notgedrungen mussten sie sich mit dem Thema Obdachlosigkeit beschäftigen, denn sie verloren beide ihre Wohnung. Selcuk nächtigte wochenlang in einem Zelt, fand Unterschlupf in Gartenhütten oder Scheunen bis er letztendlich im Hofweg ein Obdach erhielt. Dort traf er Rhoda, die zusammen mit ihrer Mutter in einem zwölf Quadratmeter-Container untergekommen war.

Jetzt können sie ihr Glück kaum fassen. Gemeinsam bewohnen sie mittlerweile eine städtische Zwei-Zimmer-Wohnung in Hockenheim, sie haben eine Wohngemeinschaft gegründet. Das Amt für Bauen und Wohnen der Stadt hat diese Form der Unterbringung gemeinsam mit Simon Massoth, dem Wohnungslosenbetreuer vom DRK-Kreisverband Mannheim, neu ins Leben gerufen. So konnten in wenigen Tagen gleich zwei Bürger die Notunterkunft verlassen und sich neu aufstellen.

„Die neue Bleibe ist viel besser als der vorherige Container-Bau“, sagt Rhoda erleichtert, die gerade eine Ausbildung zur Verkäuferin absolviert und dazu viel Ruhe zum Lernen braucht. „Tatsächlich bietet diese Unterkunft den beiden erst einmal eine solide Basis für eine bessere Zukunft, mehr Ruhe und Normalität“, freut sich Massoth. „Das Zusammenleben funktioniert gut und sie unterstützen sich gegenseitig im Alltag. Die Stadt hat sich als innovativer „Chancengeber“ präsentiert und ihren Teil für eine gelingende soziale Arbeit beigetragen.“

Depression und Drogen

Erst waren es Depressionen, später nahm der heute 23-Jährige Drogen, um sich zu betäuben und seine Krankheit zu ertragen. Mit dem Wohnungsverlust ist dann alles noch schlimmer geworden und Selcuk stürzte immer weiter ab. „Dabei ist er ein kluger Kopf“, weiß Massoth, der Selcuk seit vielen Monaten eng betreut.

„Er kennt seine Probleme genau und er kennt alle Hilfesysteme, die es gibt.“ Aber leider würden die vielen guten Angebote oft nicht ineinandergreifen und es nütze nichts, wenn jemand am Ende clean ist, aber immer noch keine Wohnung hat. „Dann geht die Misere wieder von vorne los“, sagt Massoth. Doch mit der neuen Wohnung geht es jetzt aufwärts. Kürzlich absolvierte Selcuk erfolgreich eine Arbeitstherapie, ist clean und macht nun Praktika zur Berufsfindung. Er möchte im September eine Ausbildung beginnen.

Fünf Monate in Notunterkunft

Auch Rhoda liefert ein gutes Beispiel für starke Willenskraft: Die 21-Jährige zog trotz des fünfmonatigen Aufenthalts in der Notunterkunft ihre Ausbildung durch und plant im Anschluss den Handelsfachwirt zu machen, eine gehobene kaufmännische Ausbildung. „Man kann und darf von einem Wunder sprechen, das vor unseren Augen passiert ist“, sagt Simon Massoth, der sich viele weitere solcher Erfolge wünscht.

Rhoda und Selcuk haben mit der Unterstützung vom DRK-Kreisverband Mannheim durch ihre neue Wohnung die Chance bekommen, noch einmal neu anzufangen. Eine Chance, die auch anderen Menschen in der Notunterkunft gegeben werden könnte, wenn mehr Wohnraum für sie zur Verfügung stehen würde, findet der Kreisverband des Roten Kreuzes. drk

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