Hockenheim

Hockenheimring Showdown um DTM-Krone / Audi-interner Dreikampf zwischen René Rast, Nico Müller und Robin Frijns / BMW-Piloten wollen Bilanz aufpolieren

Spannender Titelkampf ohne Publikum

Archivartikel

Wenn die spektakulären Class-1-Boliden der Deutschen Tourenwagen Masters an diesem Wochenende auf dem Hockenheimring zum letzten Mal von der Leine gelassen werden, ist packende Action garantiert. Und für drei Rennfahrer geht es bei den letzten beiden Auseinandersetzungen des Jahres um den DTM-Fahrertitel 2020. Dass sie alle drei aus dem Audi-Lager kommen, macht die Ausgangslage nicht weniger delikat.

Der Saisonverlauf der drei Protagonisten ist dabei völlig unterschiedlich. René Rast kam nach einem verhaltenen Saisonstart erst spät in die Gänge. Sechs Saisonsiege gehen auf das Konto des 33-jährigen Mindeners – davon alleine vier beim vorletzten Saisonmeeting im belgischen Zolder. Und prompt stürmte der Pilot des Audi Sport Team Rosberg mit 304 Punkten an die Tabellenspitze.

Stark gestartet, dann Pech gehabt

Bei Nico Müller ist es genau umgekehrt. Zu Saisonbeginn schien gegen den 28-jährigen Schweizer aus dem Audi Sport Team Abt Sportsline kein Kraut gewachsen. Mit drei Siegen in den ersten drei Läufen setzte sich der Vorjahres-Vizemeister direkt vom Rest der Meute ab. Seither hat Müller zwar zwei weitere Rennen gewonnen, aber auch mehrmals Pech gehabt, so dass er in der Tabelle nun 19 Punkte zurückliegt. Was nach mehr klingt, als es ist – dass ein Nuller in der DTM schnell passiert sein kann, weiß niemand besser als René Rast.

Die Titelchancen des Dritten im Bunde, Robin Frijns, ebenfalls aus dem Audi Sport Team Abt Sportsline, sind angesichts von 41 Zählern Rückstand auf Rast und 56 in Hockenheim noch zu erobernden Punkten eher mathematischer Natur. Frijns, der alle seine drei Saisonsiege zu Saisonmitte erobert hat, kann nur noch auf eine Weise DTM-Champion werden – mit vollem Angriff. Das macht ihn im Titeldreikampf zweifellos gefährlich.

Rast hat als einziger der drei Aspiranten den DTM-Titel bereits errungen – 2017 und 2019. Der dritte Meisterschaftsgewinn würde ihn in eine Riege mit DTM-Legende Klaus Ludwig stellen, der bislang mit drei Titeln hinter Rekordmeister Bernd Schneider (5) allein den zweiten Rang in der Bestenliste innehat. Zudem wäre Rast der erste Pilot seit Timo Scheider (ebenfalls Audi in der Saison 2009), dem es gelänge, einen DTM-Titel erfolgreich zu verteidigen.

Spitzenreiter ohne Druck

René Rast fühlt sich seiner Sache keineswegs sicher: „Ich habe natürlich die besten Chancen, weil ich 19 Punkte Vorsprung habe. Aber wie man zuletzt in Zolder gesehen hat, kann noch alles passieren. Zwei Ausfälle oder zwei schlechte Rennen für mich und zwei gute für Nico, dann wendet sich das Blatt wieder. Dennoch gehe ich die Sache eher entspannt an. Ich muss diesen dritten Titel nicht mit aller Gewalt einfahren.“

Nico Müller hat den Kampf um den Sieg noch nicht aufgegeben: „Ich glaube nach wie vor fest daran und weiß, dass wir das Zeug dazu haben, DTM-Meister 2020 zu werden. Beim Finale gibt’s für mich nur eins: Volle Attacke! Wir starten das erste Mal in dieser Saison in der Verfolgerrolle in ein Wochenende. Sonst waren wir immer die Gejagten. Klar würde ich lieber mit einem Vorsprung zum Finale reisen.“

Die übrigen zwölf DTM-Piloten haben beim Titelkampf nichts mehr zu verlieren, aber noch jede Menge zu gewinnen. Sie werden alles daran setzen, um sich mit einem guten Ergebnis in die Winterpause zu verabschieden – und sich dadurch auch für die neue Saison zu empfehlen, wenn die Karten in der DTM dank eines auf GT-Fahrzeugen basierenden technischen Reglements neu gemischt werden.

„Alles auf Angriff“ lautet daher die Devise nicht zuletzt für die BMW-Piloten, die erst zwei Saisonsiege durch Sheldon van der Linde und Lucas Auer auf dem Konto haben. „Die Rennstrecke ist ja geradezu prädestiniert für tolles Racing“, verspricht Routinier Timo Glock, der zwei seiner fünf DTM-Rennsiege auf dem Hockenheimring gefeiert hat.

In Anbetracht der von Bund und Ländern verfügten Restriktionen aufgrund der Corona-Pandemie findet das Saisonfinale ohne Zuschauer statt. SAT.1 und Internet-Streaming liefern die DTM-Entscheidung auf TV-Bildschirm und Smartphone. SAT.1 im deutschsprachigen Raum sowie TV-Sender in über 30 Ländern übertragen die beiden Rennen am Samstag und Sonntag (Start jeweils um 13.30 Uhr) live. zg

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