Hockenheim

Naturphänomen Raupe der Gespinstmotte „verpackt“ zu ihrem Schutz Sträucher

Spinnerei „verziert“ Büsche und Bäume

Jedes Jahr verwandeln sich einige frisch ergrünte Büsche in wahre Gespenstersträucher. Die eingepackten Sträucher fallen Ende April/Anfang Mai mehr oder weniger ins Auge. Es handelt sich meist um die Pfaffenhütchen. Sie sehen aus, als seien sie von dem Verpackungskünstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude verwandelt worden.

Verantwortlich für diese Gebilde sind weder Künstler noch Gespenster, sondern die Gespinstmotte. Vor allem an Wildgehölzen wie Pfaffenhütchen, Schlehe, Weißdorn Traubenkirsche und Obstarten findet man die Raupennester und Gespinste. Jeweils eine eigene Art ist dann auf den verschiedenen Baumarten zu finden.

Keinesfalls sollte man diese prachtvolle Verpackung und die sich daraus abseilenden Raupen mit Pestiziden zu bekämpfen versuchen, denn die Tiere schaden den Pfaffenhütchen und auch uns nicht. Das Pfaffenhütchen treibt nach ein paar Wochen wieder voll und ganz aus und schnell hat man die weißen Gespinste vergessen, wie uns Uwe Heidenreich, Mitglied des Vorstandes vom Nabu Hockenheim und BUND Hockenheimer Rheinebene, mitteilt.

Ganze Gruppen seilen sich ab

Auch nach einem heftigen Regenguss findet man die sich entwickelnden Raupen noch darin. Sobald die Zeit der Verpuppung im Juni/Juli näher rückt, kann man jedes Jahr beobachten, wie sich einzelne oder auch ganze Gruppen dieser Raupen regelrecht abseilen oder an Ästen und Stammfuß herunterklettern und am Boden unterhalb des Netzes verschwinden. Dies ist dann der Fall, wenn der Busch total abgefressen vor uns steht. Nun kann der Busch frisch wieder austreiben, bringt Uwe Heidenreich zum Ausdruck.

Die Raupen verpuppen sich, wandeln sich in die kleinen Schmetterlinge und diese legen dann nach der Flugzeit im Juni/Juli wieder Eier am Stamm und den Ästen ab. Daraus schlüpfen erneut die Larven beziehungsweise Raupen und überwintern als Junglarven an dem entsprechenden Gehölz. Und im nächsten Jahr zur gleichen Zeit wird man wieder das gleiche Spiel beobachten können.

Nur eines schädigt diese Schmetterlinge, auch wenn sie, wie in allen biologischen Systemen der Fall, ihre natürlichen „Feinde“ wie Vögel, Schlupfwespen, Raubwanzen oder Parasiten haben: Ihr größter Feind sind die kalten, frostigen Winter, diese führen zum Absterben der Raupen.

Wärme dagegen scheinen sie zu mögen. Je weiter man in kühlere Landesteile kommt, umso seltener werden diese eingesponnenen Büsche. Wie der Nabu Niedersachsen mitteilt, wird vom Pflanzenschutzdienst Bonn das massenhafte Auftreten der Gespinstmotten auch mit dem Klimawandel in Zusammenhang gebracht. htz

Info: Weitere Bilder finden Sie unter www.schwetzinger-zeitung.de

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