Hockenheim

CDU-Gemeindeverband Diskussion mit Betroffenen über die Entwicklung der Karlsruher Straße / Zeitliche Begrenzung der Zufahrt

„Stadt muss eigenen Weg gehen“

Archivartikel

„Wenn wir nichts machen, dann bleibt alles, wie es ist“, mit diesem Fazit lässt sich die jüngste Veranstaltung des CDU-Stadtverbandes zusammenfassen, die sich ausschließlich um das Thema „Karlsruher Straße“ drehte, heißt es in einer Pressemitteilung der Partei.

Dass die Entwicklung der letzten Jahre aus Sicht der direkt Betroffenen – also der Geschäftsinhaber, der Anwohner und der Immobilienbesitzer – alles andere als zufriedenstellend verlief, wurde in der intensiv geführten Diskussion im Nebenzimmer des Stadthallenrestaurants „Rondeau“ überdeutlich. Alle Teilnehmer klagten über einen zu hohen Durchgangsverkehr, eine kerzengerade Straßenführung, die geradezu zum Rasen einlade, ein schlechtes Erscheinungsbild und Leerstände. Das jämmerliche Aussehen des Areals „Kanne“, dessen Zukunft aufgrund ungeklärter Eigentumsverhältnissen in den Sternen stehe, dürfte dabei sinnbildlich für die Entwicklung der Innenstadt während der letzten 20 Jahre stehen.

„Mit Ihnen sprechen“

„Wir wollen nicht über Sie, sondern mit Ihnen reden“, so CDU-Fraktionssprecher Markus Fuchs zu Beginn der Veranstaltung, zu der die CDU schriftlich die Anwohner und Gewerbetreibenden des vorderen Bereichs der Karlsruher Straße, also von der Fortunakreuzung bis zur Metzgerei Hauser, eingeladen hatte. Die Veranstaltung war von den Christdemokraten bereits seit Langem geplant, musste aber wegen der Corona-Pandemie immer wieder verschoben werden.

Die Frage, ob Hockenheim eine Fußgängerzone brauche, habe bereits vor etwa 20 Jahren zu kontroversen Diskussionen geführt. Auch die Diskussion an diesem Abend zeigte, dass die Meinungen dazu immer noch weit auseinandergehen. Zu vielfältig sei die Interessenslage von betroffenen Geschäften und von Arztpraxen, die auf Anliefer- und Kundenverkehr sowie auf Parkplätze angewiesen seien, von der Gastronomie, die sich mehr Außenbestuhlung wünscht, und von Anwohnern, die eine „Partymeile“ befürchten.

Dennoch zeichnete sich ab, dass eine zeitlich begrenzte Zufahrtsmöglichkeit auf Zustimmung stoßen könnte: Der vordere Teil der Karlsruher Straße bliebe für den Durchgangsverkehr beispielsweise werktags am Abend und am Sonntag gesperrt, so dass sich langsam aber sicher ein Aufenthaltscharakter entwickeln könnte, während die Geschäfte tagsüber immer noch erreichbar seien. Bautechnisch könnte diese Lösung mittels versenkbarer Poller an der Einfahrt von der Fortunakreuzung realisiert werden, was eine flexible Gestaltung ermögliche. Mithilfe einer Fernbedienung für Anwohner könnten diese weiterhin ihr Anwesen erreichen.

Den Betroffenen zufolge könnte die Straßenführung durch Blumeninseln und Aufpflasterungen so gestaltet werden, dass tatsächlich nur noch im Schritttempo gefahren werde. Anstelle von langen und teuren Baumaßnahmen hoffen die Betroffenen auf kleine und schnelle Lösungen.

Alte Zeiten kehren nicht wieder

Dass die Innenstadt sich nie wieder in den Zustand der 1980er und 1990er Jahre zurückentwickeln werde, als diese noch von einer Fülle an familiengeführten Einzelhandelsgeschäften geprägt war, wurde ebenfalls deutlich im Laufe der Diskussion: Zu groß sei der Konkurrenzkampf durch Geschäfte auf der „grünen Wiese“ und durch den Online-Handel. Doch alles Wehklagen nütze nichts. „Hockenheim muss seinen eigenen Weg gehen, um für eine attraktivere Innenstadt zu sorgen und die Menschen zu begeistern“, brachte es eine Teilnehmerin klar zum Ausdruck.

Mit dem HÖP-Gelände dürfte hierfür eine Initialzündung gegeben worden sein. Ein Veranstaltungsteilnehmer empfahl, sich anzuschauen, wie andere Städte versuchen, das Problem einer rückläufigen Innenstadt, das fast alle Kommunen betreffe, anzugehen.

Den CDU-Verantwortlichen wurden an diesem Abend drei Dinge sehr deutlich: Dass ein Veränderungswille vorhanden ist, dass es überfällig sei zu handeln und dass man etwas erreichen könne, wenn man mit den direkt Betroffenen spreche und diese mitnehme.

Vorsitzender Patrick Stypa bedankte sich zum Abschluss bei allen Anwesenden und Betroffenen für die zahlreichen Ideen sowie für den kontroversen, aber sachlich geführten Diskussionsabend. ska

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