Hockenheim

Pumpwerk Eberhard Reuß präsentiert beim Heimatfilmabend Super-8-Aufnahmen / Filmclub veranstaltete bereits in den 1970er Jahren Wettbewerbe

Stadteigener Superheld auf der Leinwand

Das Kulturhaus Pumpwerk bietet am Freitag, 8. Februar, um 20 Uhr (Einlass ab 19 Uhr), einen Heimatfilmabend der besonderen Art. Es gibt Fanta 4. Und es gab mal Super 8. Das Format für mehr oder minder ambitionierte Hobby-Filmer. Haptisch, analog auf buntem Zelluloid, entwickelt in einem Stuttgarter Großlabor und daheim von Hand geschnitten und geklebt. Hockenheim war einmal eine kleine Hochburg der Super-8-Szene. Der rührige Filmclub veranstaltete in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sogar jedes Jahr einen Filmwettbewerb.

Die richtige Bühne für ein schräges Team von Jungfilmern aus Hockenheim und Umgebung, um Jahr für Jahr an diesem Wettbewerb teilzunehmen. „Mit Filmen, die die Welt nicht braucht“, wie sie es selbst sagten. Unter dem Namen „Filmgruppe Reuß“ sind ebenso merkwürdige wie bemerkenswerte Werke entstanden, die beim Heimatfilmabend im Pumpwerk nach 40 Jahren wieder auf der Leinwand zu sehen sind. Darunter befinden sich „Klassiker“ wie „Ein Fall für Froschmann“ (1978), „Hockenheim, wie es keiner kennt“ (1980) und „Der Fluch des Pharaos“ (1983).

Die Moderation des Abends übernimmt Eberhard Reuß. Bekannt aus SWR-Radio- und Fernsehproduktionen, zeigt der Journalist und Autor an diesem Abend Werke aus seiner Filmemacherjugend, die er zusammen mit Hartmut Müller, Thomas Müller, Jörg Rösch, Andreas Roth und Wolfgang Schränkler seinerzeit gedreht hat. „Monty Python’s Flying Circus“ und Otto prägten den Humor der Nachwuchsfilmemacher. Dass dabei eine skurrile Mischung aus Klamauk und Komik in ihre Werke Eingang gefunden hatte, gepaart mit der leidenschaftlichen aber eben nicht immer ganz professionellen Herangehensweise der Jugend ergab das eine spannende Mischung mit großem Charmebonus.

Jahrtausende später glücklich

Als Beispiel wäre der Film „Der Fluch des Pharaos“ zu nennen. Darin wird in einem Museum eine Ausstellung über das alte Ägypten gezeigt. Ein Exponat ist die Jahrtausende alte Mumie eines Pharaos. Dessen Geist wird erweckt, und die Mumie entsteigt ihrem Sarkophag. Statt nun aber in einen abgeschmackten Horror-Schocker zu verfallen, geht der Hockenheimer Super-8-Klassiker andere Wege. Die Mumie fühlt sich in der Neuzeit irgendwann durchaus wohl und findet schließlich in Hockenheim ihr kleinbürgerliches Glück.

Bei „Ein Fall für Froschmann“ handelt es sich um einen waschechten Superheldenfilm. Ein Frosch ist immerhin mindestens ebenso mögliche Inspirationsquelle für die Heroen in Strumpfhose wie eine Spinne oder eine Ameise. Der Grund für die Wahl des animalischen Vorbilds ist simpel: Die Jungfilmer hatten damals schlicht kein Geld für ein Supermann-Kostüm, wollten aber unbedingt einen Superheldenfilm drehen. Den Froschmann verkörperte Hartmut Müller, damals leidenschaftlicher Windsurfer, und so wurde sein Neoprenanzug schnurstracks zum Superheldenoutfit umfunktioniert – Problem gelöst.

Die Klassiker werden um weitere Überraschungen ergänzt, die Super-8-Filmer Eberhard Reuß vom SWR eigens für diesen „Heimatfilmabend“ zusammengestellt hat. Durch seine Arbeit bei Rundfunk und Fernsehen hat Eberhard Reuß auch Zugang zu Archivschätzen des Süddeutschen und des Südwest-Rundfunks.

Thematisch noch immer aktuell

Die ältesten Fernsehaufnahmen in diesem Archiv stammen aus den Sechzigerjahren. Vom Hockenheimring konnte Reuß allerdings auch noch wesentlich ältere Filmschätze auftreiben. Nun soll hier die Überraschung nicht mit zu vielen Details verdorben werden, allerdings hat es bereits 1971 einen Weltrekordversuch auf dem Hockenheimring gegeben, bei dem Opel mit einem Elektroauto neue Maßstäbe setzen wollte. Ein Thema, das aktueller nicht sein könnte. Der Film „Keine Startbahn West“ beschäftigt sich mit der damals neuen ICE-Trasse. Ein Thema, das gerade heute nichts von seiner Aktualität verloren hat, wenn man an die geplante Neubaustrecke Frankfurt–Mannheim denkt.

Der Heimatfilmabend im Pumpwerk ist also ein guter Anlass, zum 1250-jährigen Jubiläumsfest Hockenheims die wilden 1970er und 80er Jahre durch die Gummilinse zu betrachten. Die Nummernrevue „Hockenheim, wie es keiner kennt“ dürfte dafür bestens geeignet sein – eine Momentaufnahme aus dem Jahre 1980. Damals wurde sogar eine „Miss Hockenheim“ gewählt. zg/sb

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