Hockenheim

Nachruf Ehrenbürger Arthur Weibel mit 94 Jahren gestorben / 44 Jahre für die SPD im Gemeinderat

Stadtentwicklung mitgeprägt

Archivartikel

Die Stadt trauert um ihren Ehrenbürger: Arthur Weibel, der die Entwicklung Hockenheims nach dem Zweiten Weltkrieg wie kaum ein anderer mitgestaltet und -verantwortet hat, ist kurz vor Vollendung seines 95. Lebensjahrs gestorben. Für die SPD hatte Weibel 44 Jahre lang im Gemeinderat gewirkt, 35 Jahre lang, von 1959 bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden im Jahre 1994, war er seiner Fraktion ein kompetenter und vorausschauender Vorsitzender. Doch sein Engagement ging weit über die Kommunalpolitik hinaus.

Der ehemalige Betriebsratsvorsitzende der Firma Vögele setzte sich mit Fachwissen, politischem Gespür, Mutterwitz, dem Gefühl für das Machbare, Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen über vier Jahrzehnte lang für die Belange der Stadt und im Kreistag des alten Landkreises Mannheim (15 Jahre lang) ein. 16 Jahre lang war er Bürgermeister-Stellvertreter, 35 Jahre lang Mitglied im Verwaltungsrat der Sparkasse Hockenheim, 19 Jahre im Wasserzweckverband „Südkreis“ Mannheim und im gemeinsamen Ausschuss des Verwaltungsgemeinschaft HoRAN.

Im Alter von 25 Jahren zog Weibel 1951 als jüngstes Mitglied in den Gemeinderat ein. Weibel war eine der dominierenden Persönlichkeiten im Gremium: Gefühl für das Machbare, Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen auch über Parteigrenzen hinweg waren die Markenzeichen.

Ehrenvorsitzender beim DRK

Neben seiner umfassenden kommunalpolitischen Tätigkeit engagierte sich Arthur Weibel besonders beim Deutschen Roten Kreuz 25 Jahre lang, von 1952 bis 1977, führte er den Ortsverein als Vorsitzender. Der DRK-Ehrenvorsitzende gehörte der Organisation nahezu sieben Jahrzehnte an. Auch anderen Vereinen, wie dem FV 08, hielt er über so lange Zeit hinweg die Treue. Die Fußballer ehrten Arthur Weibel im Juli 2019 für 65 Jahre Zugehörigkeit, die Sozialdemokraten hatten ihm bereits 2016 für seine 70 Jahre währende Unterstützung gedankt.

Für sein breites ehrenamtliches Engagement wurde Arthur Weibel mit zahlreichen Ehrungen bedacht. Neben der Ehrenbürgerwürde (1994) erhielt er unter anderem 1978 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, ein Jahr später folgte die Ehrenmedaille des Gemeindetages. Die Ehrenmedaille der Stadt in Gold wurde ihm im Dezember 1984 verliehen.

Über 20 Jahre war Weibel ehrenamtlicher Richter beim Arbeits- und Landesarbeitsgericht Mannheim, beim Verwaltungsgericht Karlsruhe sowie beim Sozialgericht Mannheim.

Trotz aller Verpflichtungen, trotz des Dauerstresses, wenn eine Sitzung die nächste jagte, und seiner Verantwortung blieb Arthur Weibel immer eines besonders: Mensch. Der vielseitig Engagierte war stets ein witziger, geselliger und umgänglicher Zeitgenosse mit einem offenen Ohr für die Belange der Bürger. Gesunder Menschenverstand und praktische Entscheidungen waren weitere Kennzeichen seiner erfolgreichen Tätigkeit. Wenn es die Zeit zuließ, hielt sich Arthur Weibel so oft wie möglich in der frischen Luft auf, früher gerne auch auf dem Fahrrad oder bei Wanderungen. Im fortgeschrittenen Alter war das nicht mehr möglich.

Schlagfertig bis ins hohe Alter

Was Arthur Weibel, als Persönlichkeit eine Ausnahmeerscheinung, lange Zeit erhalten blieb, war seine schon legendäre Schlagfertigkeit. Selbst noch mit 90 Jahren nahm er regen Anteil am Geschehen, nicht nur in der Rennstadt, deren Entwicklung er maßgeblich mitgeprägt hatte.

Die Wertschätzung, die dem gelernten Maschinenschlosser von den Hockenheimern entgegenbracht wurde, zeigte sich auch bei den Empfängen, die die Stadt für ihren Ehrenbürger ausrichtete. Der damalige Oberbürgermeister Dieter Gummer bezeichnete Arthur Weibel 2005 als Vorbild und Menschen, der seine Kraft für andere eingesetzt habe und von einer sozialen Einstellung geprägt sei. SPD-Vorsitzende Ingrid Trümbach-Zofka attestierte dem „Grandseigneur der Partei“, auch die kleinen Sorgen der Menschen beachtet zu haben.

Arthur Weibel wird am Donnerstag, 3. September, um 15.15 Uhr auf dem Friedhof in Hockenheim beerdigt. mm/hs

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