Hockenheim

Infrastruktur Hockenheim erhält 250 000 Euro für System zur Erfassung von Rissen und Schlaglöchern / Digitale Lösungen durch Förderprogramm verbessern

Straßenschäden mit der App erkennen

Archivartikel

„Eine tolle Sache für die Stadt, aber auch für das Start-up-Unternehmen Vialytics“, freut sich Oberbürgermeister Marcus Zeitler über ein Schreiben aus dem Haus von Innenminister Thomas Strobl, das der Rennstadt eine Förderung von rund 250 000 Euro für ihr automatisiertes System zur Erfassung von Straßenschäden zusichert.

„Die Automobilbranche steht vor großen technologischen Umbrüchen. Wir wollen unsere Spitzenposition auf dem Weltmarkt halten und Baden-Württemberg vom Autoland zum Mobilitätsland Nummer eins weiterentwickeln. Dazu bedarf es innovativer, digitaler Lösungen – die auch zur Marktreife gebracht werden. Hier setzten wir mit unserem Programm „InKoMo 4.0“ an: Mit engen Partnerschaften zwischen Kommunen und Mobilitätswirtschaft fördern wir die Entwicklung und Erprobung von neuen digitalen Mobilitätsdiensten“, schildert Strobl in dem Schreiben und gratuliert zu der Förderung, über die sich neben Hockenheim vier weitere Kommunen mit ihren Projekten freuen dürfen. Insgesamt fördert das Land fünf herausragende digitale Mobilitätslösungen mit insgesamt rund 1,7 Millionen Euro.

Fahrzeuge erhalten Smartphones

Die Stadt möchte zusammen mit weiteren 19 Kommunen und der Stuttgarter Vialytics ein automatisiertes System zur Erfassung von Straßenschäden einrichten. Dazu werden Smartphones mit der App in kommunalen Nutzfahrzeugen installiert. Das System ist bereits auf dem Markt und wird von Kommunen auch genutzt.

Was sich in der Theorie vielleicht kompliziert anhört, kann OB Zeitler ruckzuck in anschauliche Bilder umsetzen. Fahrzeuge, die ohnehin täglich auf den Straßen unterwegs sind, „in unserem Fall die des Bauhofs“, werden mit Smartphones ausgestattet, deren Software Vialytics beisteuert. Wenn sich das Fahrzeug in Bewegung setzt, wird das Smartphone eingeschaltet und durch die Frontscheibe, hinter der es platziert ist, machte es alle vier Meter ein Bild.

Mittels Algorithmen werden die Bilder in der App in Daten umgerechnet und grob gesagt, so Zeitler, sei das System dann in der Lage zu bestimmen, wann aus einem Riss in der Fahrbahndecke ein Schlagloch wird. Anhand dieser Daten wird ein Katalog erstellt, wann die Straße zu reparieren, sanieren oder komplett neu zu gestalten ist, zeigt der Oberbürgermeister die Vorzüge des Systems auf.

Denn mit der dabei gewonnenen Prioritätenliste ließen sich nicht nur Diskussionen darüber vermeiden, warum gerade in dieser Straße Arbeiten anstehen, zum anderen könnten die Arbeiten mit weiteren anstehenden Aufgaben, Arbeiten am Wasser-, Kanal oder Gasnetz beispielsweise, abgestimmt werden, so dass Sperrungen und Öffnungen der Fahrbahn besser koordiniert werden können. Was letztlich Geld spart, den Haushalt entlastet.

Die Frage, wie ein Start-up-Unternehmen auf die Rennstadt zukommt, kann Zeitler leicht beantworten, er hatte die Kontakte zu dem jungen Unternehmen noch aus seiner Zeit als Rathauschef in Schönau. Nicht zuletzt aufgrund solcher Projekte wurde die Gemeinde 2018 als „digitale Zukunftskommune“ ausgezeichnet.

Die Unterstützung, die die Firma von der Kommune Schönau erfuhr, blieb in Erinnerung und als die Unternehmer nun aufgefordert wurden, sich am Programm „InKoMo 4.0“ zu beteiligten, klingelte bei Zeitler das Telefon. Für die Teilnahme brauche die Stadt einen starken Partner, vernahm er, verbunden mit der Frage, ob er als frisch gewählter Oberbürgermeister von Hockenheim dafür zur Verfügung stünde.

Zeitler zögerte nicht lange, stimmte sich mit der Leitung des Bauamts ab und gleich an seinem ersten Arbeitstag ging die Bewerbung ans Innenministerium. Mit überzeugendem Erfolg. In Schönau, erinnert sich Zeitler, war die Auszeichnung mit rund 34 000 Euro verbunden, nun sind es gleich 250 000 Euro – ein toller Erfolg.

Das Programm hat laut Zeitler noch einen zweiten Aspekt, und bei dem kommen die anderen 19 Kommunen ins Spiel – den der Gemeinsamkeit. Gerade in kleineren Kommunen seien es oft nur ein paar hundert Meter Straße, die zu sanieren seien. Eine Größenordnung, bei der viele Firmen abwinken würden – der Aufwand lohnt sich kaum. Oder er muss von den Kommunen teuer erkauft werden. Im Verbund hingegen, „dann schreiben wir nicht 100 Meter, sondern einen Kilometer aus“, sehe die Sache anders aus. Die Firmen können mit ihrer Kolonne auf einen Rutsch durch die benachbarten Kommunen, für sie ein geringerer Aufwand, für die Gemeinden eine Kostenersparnis.

Nun gelte es, so der Oberbürgermeister, die Fahrzeuge mit den Geräten auszustatten und mit dem Datensammeln zu beginnen. In rund drei Jahren soll die Datenbank stehen, sie für den Alltagseinsatz tauglich sein. „Für mich persönlich ist es ein erster digitaler Schritt in die Zukunft“, sieht Zeitler noch viele Möglichkeiten, wie die Stadt smarter gestaltet werden kann und wie sich mit neuen Technologien Geld sparen lässt.

„Seit langem engagieren sich die Landkreise als ÖPNV-Aufgabenträger gemeinsam mit Städten und Gemeinden in den verschiedensten Projekten, um solche Angebote sprichwörtlich ins Rollen zu bringen. Deshalb ist es ein wichtiges Signal, dass heute fünf innovative Projekte mit hohen Fördersummen ausgezeichnet wurden“, betonte Professor Dr. Alexis von Komorowski, Hauptgeschäftsführer des Landkreistages Baden-Württemberg, die Auszeichnung. aw

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