Hockenheim

Bündnis 90/Die Grünen Neujahrsempfang im Stadthallenrestaurant Rondeau / Landwirtschaft und Klimawandel thematisiert

Tragfähige Lösungen im Dialog suchen

Archivartikel

Zu seinem traditionellen Neujahresempfang hatte der Stadtverband der Grünen in die Gaststätte Rondeau eingeladen. „Das war ein gelungener Auftakt ins neue Jahr der Grünen“ sagte Adolf Härdle, Fraktionsvorsitzender, am Ende des Abends. Das Thema der Veranstaltung sei so aktuell wie nie zuvor gewesen: Landwirtschaft und Klimaschutz – wie geht das zusammen? Mit fast 80 Teilnehmern, Vertretern aus Bundes- und Landtag ebenso wie der Verwaltungsspitze und dem Jugendgemeinderat, wurde ein aktuelles und ernstes Thema betrachtet. Landwirte aus der Region und interessierte Bürger waren gekommen, um sich zu informieren und auszutauschen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Fraktionsvorsitzender Adolf Härdle und Fraktionsmitglied Elke Dörflinger eröffneten den offiziellen Teil des Abends. „Die grünen Kreuze, die am Wegesrand und auf den landwirtschaftlichen Ackerflächen stehen, haben uns aufmerksam werden lassen und dazu bewogen, die Landwirte in Hockenheim als Gesprächspartner auf unseren Neujahresempfang zu holen“, so Dörflinger.

Im Anschluss wurde Reinhold Gottfried für seine 40-jährige Mitgliedschaft geehrt. Als erstem Grünen in Hockenheim überreichte ihm Härdle nachträglich den Mitgliedsausweis Nr. 1. „Die Entscheidung den Ortsverband der Grünen in Hockenheim zu gründen, ist im Wohnzimmer bei einer Diskussion gefallen“, erinnerte sich Gottfried.

„Ein zuverlässiger Partner“

In seinen Grußworten bedankte sich Oberbürgermeister Markus Zeitler für die Einladung. „Die Grünen sind ein zuverlässiger Partner auf der kommunalen Ebene, mit dem man professionell streiten und zu guten Ergebnissen für die Stadt kommen kann“, erklärte er. Bürgermeister Jakob-Lichtenberg nutzte die Gelegenheit, um auf 125 Jahre Stadtrechte und die Veranstaltungen in diesem Rahmen hinzuweisen.

„Im Bund geht es darum, die verschiedenen Positionen auszuloten und einen Interessensausgleich zwischen den Erzeugern und den Verbrauchern zu finden. Hierfür ist der Dialog zwischen allen Beteiligten zu suchen“, griff Dr. Danyal Bayaz das Thema auf. Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im Umweltministerium, betonte wie wichtig es sei, in einem permanentem Kontakt mit den Bauern zu stehen. „Für die Einbußen, die Landwirte haben, benötigen sie einen gewissen Ausgleich“. In der Diskussion mit den Bauern machte er deutlich, „dass ein sorgsamer Umgang mit unserer Umwelt und deren Reinhaltung eines der wichtigsten Ziele einer verantwortungsbewussten Umweltpolitik ist“.

Nach diesen Grußworten stellten die Stadträte Larissa Rotter und Christian Keller das vergangene Jahr der Grünen vor. „Die traditionelle Tour d‘Horan gehört genauso dazu wie die Kommunalwahl im Mai“, so Keller. Der Zuwachs der Grünen im Gemeinderat auf nun fünf Sitze sei als ein Erfolg und Zuspruch der Bevölkerung zur Grünen Politik in Hockenheim zu verstehen. „Diesen Erfolg wollen wir im Jahr 2020 weiter ausbauen und uns den Fragen und aktuellen Themen stellen“, ergänzte Rotter.

Damit war die Bühne für die eingeladenen Landwirte Andre Rinklef, Jochen Kief und Carolin Hoffmann frei. Andre Rinklef, der Agrarwissenschaften studiert hat, zeigte in einer professionellen Präsentation den Zwiespalt zwischen Bioprodukten und konventionellen Produkten auf. „Zwar sprechen sich über 70 Prozent der Bevölkerung für Bioprodukte aus, die Marktanteile liegen jedoch bei nur knapp fünf Prozent“. Der Familienbetrieb versuche Schaden an den Pflanzen durch Fruchtfolge, ackerbauliche Maßnahmen und Nützlinge einzudämmen. Dadurch sei es möglich, mit einem geringeren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu arbeiten, um die Ernte und Qualität der Produkte zu sichern.

Landwirtschaftsmeister Jochen Kief zog am Ende seines Vortrages das Fazit, „dass auch die Landwirtschaft immer bereit für Veränderungen ist, die Diskussion hierzu sollte ehrlich und offen geführt werden und auf Fakten beruhen, nicht auf Feindbildern oder Emotionen“. Er machte deutlich, dass Landwirte keine Subventionen bräuchten, sondern die Sicherheit von fairen Preisen für faire Produkte. Der elterliche Betrieb habe im Jahr 2013 in besonders artgerechte Tierhaltung investiert. Die neuen Verordnungen würden die Landwirtschaft vor große Herausforderungen stellen.

Die Menschen profitieren

Agraringenieurin Carolin Hoffmann vom Wersauer Hof in Reilingen, betonte ergänzend, „dass der Begriff der Rücksichtnahme fast ein Synonym für ökologische Landwirtschaft ist. Die Menschen sind diejenigen, denen die Landwirtschaft am meisten dient. Sie sind der Dreh- und Angelpunkt eines jeden Bio-Betriebes“. Als Beispiel für die Rücksichtnahme führte sie die Art und Weise an, wie man seine Wiesen mähe. „Über eine geänderte Vorgehensweise bei der Mahd lassen sich auch Wildverluste reduzieren“.

Durch die Impulsvorträge war für viel Gesprächsstoff gesorgt. „Wir verstehen den Abend als einen Einstieg in einen Dialog, der uns zu mehr gegenseitigem Verständnis führt und die aktuelle Polarisierung des Themas auflöst, zugunsten eines respektvollen Miteinanders. Mit der Gleichung Landwirte sind Bienentöter oder Naturschützer sind Existenzvernichter ist am Ende kein lösungsorientierter Dialog zu führen“, so die Meinung der Grünen.

„Das landesweite Thema bewegt die Menschen vor Ort und ist auch ein kommunales Thema“, stellte Oliver Grein für die Fraktion der Grünen fest. „Letztlich sind wir für unsere Heimatstadt und für ihre Bürger tätig. Wir bemühen uns, weiter eine kritische Stimme zu sein und vorausschauend und umsetzungsorientiert, dem entgegengebrachten Vertrauen gerecht zu werden“. ed

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