Hockenheim

Nachruf Ehrenbürger Adolf Stier im Alter von 93 Jahren gestorben / Motor der Städtepartnerschaft mit Commercy und Altstadtrat

Trauer um einen überzeugten Europäer

Archivartikel

„Du bist hervorragend in Schuss, wenn du so weitermachst, werden wir noch viele Geburtstage feiern können“, hatte der ehemalige Landtagspräsident Dr. Lothar Gaa im Oktober 2015 gesagt, als die Stadt Hockenheim zum 90. Geburtstag ihres Ehrenbürgers Adolf Stier in der Stadthalle mit über 200 Gästen ausrichtete. Lange schien Gaa Recht zu behalten, nahm der Mitbegründer der Städtepartnerschaft mit Commercy so rege wie eh und je am öffentlichen Leben seiner Wahlheimat teil. Doch am Donnerstag ist Adolf Stier im Alter von 93 Jahren verstorben.

„Wir trauern um unseren Ehrenbürger und Altstadtrat Adolf Stier. Er gehörte als Mitglied der CDU-Fraktion von 1959 bis 1994 dem Gemeinderat an und war von 1965 bis 1978 Fraktionsvorsitzender. In dieser Zeit hat er die rasante Entwicklung Hockenheims nach dem Zweiten Weltkrieg wie kaum ein anderer mitgestaltet und -verantwortet“, würdigt Oberbürgermeister Dieter Gummer die Verdienste des Verstorbenen. Das Wohl der Bürger sei Stier dabei stets Maßgabe seines Handelns gewesen.

„Er war bis zuletzt ein unermüdlicher Motor unserer Städtepartnerschaft mit Commercy und ein überzeugter Europäer. Wir verlieren mit Adolf Stier eine allseits geschätzte und geachtete Persönlichkeit, der wir Dank und Anerkennung schulden“, sagte Gummer nach der überraschenden Nachricht vom Tod des verdienten Hockenheimers.

Traurig stimmt, dass Adolf Stier das Festjahr seiner Heimatstadt nicht mehr miterleben darf und bei dessen Auftakt am kommenden Freitag schmerzlich vermisst werden wird, wenn der baden-württembergische Minister für Europa, Guido Wolf, einen Schwerpunkt seiner Festrede auf die Rolle der Rennstadt im Konzert Europas legt, die Stier so nachhaltig geprägt hat.

Vielfach ausgezeichnet

Für sein großartiges politisches und gesellschaftlichen Engagement wurde Stier reich dekoriert: Bundesverdienstkreuz, Ehrenmedaille der Stadt und des Gemeindetages und natürlich die Hockenheimer Ehrenbürgerwürde sind hohe Auszeichnungen für sein erfolgreiches ehrenamtliches Wirken.

Der gebürtige Heidelberger war 1951 nach Hockenheim gekommen. Seine politische Heimat sah er in der CDU und trat in die Junge Union ein, wurde 1954 deren Ortsvorsitzender und 1957 bis 1965 Kreisvorsitzender. Mit 39 Jahren wurde Stier 1959 erstmals in den Gemeinderat gewählt. Von 1965 bis 1978 führte er die CDU-Fraktion und von 1966 bis 1978 den Stadtverband der Union. 1971 wurde er in den Kreistag gewählt und 1978 kandidierte er für das Amt des Hockenheimer Bürgermeisters.

Untrennbar mit dem Namen Adolf Stier ist die Städtepartnerschaft mit dem französischen Commercy verbunden. Die ersten Kontakte der Jungen Union mündeten in eine offizielle Verbindung – auf Adolf Stiers unermüdliches Betreiben.

Der langjährige Vorsitzende des Freundeskreises Hockenheim-Commercy wurde dessen Ehrenvorsitzender, nachdem er den Stab an seinen Sohn Matthias weitergegeben hatte. Stier vertrat stets die Überzeugung, dass Aussöhnung und Freundschaft der einstigen Erbfeinde Frankreich und Deutschland das Fundament für ein friedliches Europa sei. Dafür arbeitete er mit großem Einsatz, von dem unter anderem das Völkerkreuz im Stiegwiesenpark zeugt.

Hohes Ansehen genoss Adolf Stier bei den französischen Freunden, die mit einer großen Delegation zum 90. Geburtstag reisten. Robert Maurer, Präsident des Cercle Commercy, erinnerte an seine Verdienste bei der Annäherung der beiden Länder. 2001 wurde ihm die Bronzemedaille der Societé d’Encouragement du bien (Gesellschaft zur Ermutigung zum Guten) verliehen.

Im städtischen Leben verwurzelt

Für Stier war sein christlicher Glaube „nicht nur Wegweiser, sondern auch Stabilisator“, wie es OB Dieter Gummer anlässlich des Empfangs zum 85. Geburtstag formuliert hatte. Doch auch im Vereinsleben hatte der Verstorbene feste Wurzeln, unterstützte über Jahrzehnte hinweg unter anderem die Stadtkapelle und die Liedertafel. Adolf Stier wird in vielen Bereichen eine große Lücke hinterlassen.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional