Hockenheim

Haus & Grund Vermieter zeigen sich in der Krise meist solidarisch / Zahlungsprobleme schlagen zeitverzögert nieder

Vielen Mietern droht ein gewaltiger Schuldenberg

Archivartikel

Eine schon im April durchgeführte repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag des Eigentümerverbands Haus & Grund Deutschland unter 1003 Mietern deutete an, dass die Mietausfälle infolge der Corona-Krise deutlich steigen werden. Danach haben 6,9 Prozent der Mieter angegeben, wegen der Krise ihre Miete nicht mehr zahlen zu können. Man könne aber davon ausgehen, dass die Ausfälle im weiteren Verlauf zunehmen würden. So konnten 17,6 Prozent der befragten Mieter noch nicht abschätzen, ob sie ihre Miete weiterhin vertragsgerecht zahlen können, so der Präsident des Bundesverbands, Kai Warnecke.

Auch der Ortsverband Region Schwetzingen-Hockenheim hat in einer Aktion bei den Mitgliedern nachgefragt. Das Fazit: Viele Vermieter verhielten sich ihren Mietern gegenüber solidarisch und boten individuelle Lösungen an – ganz ohne staatliche Unterstützung. In manchen Fällen stünden sich jedoch finanzschwache Mieter und durch die Krise geschwächte Vermieter gegenüber. 57 Prozent der privaten Vermieter hätten nur eine Mietwohnung. Wenn die Miete ausfalle, seien die Probleme groß, wenn sie selbst etwa als Gastronom oder Freiberufler von der Krise betroffen seien.

„Für diese Fälle fehlt bislang jegliche Unterstützung, um mit einem blauen Auge durch die Krise kommen zu können. Hier gibt es akuten Handlungsbedarf“, sagen die Vorsitzenden Rudolf Berger und Wolfgang Reineke. In der internen Umfrage erreichten den Verein Antworten aus dem gesamten Wirkungskreis. Auf die Frage, ob man die von der Regierung angeordneten Maßnahmen für angemessen halte, bejahten dies 34 Prozent, 66 Prozent lehnten sie ab.

Vermehrt Rat bei Vereinen gesucht

Coronabedingte Zahlungsprobleme stellten sich sofort nach Beginn der Krise bei 16 Prozent ein, davon kam es bei 35 Prozent zu Zahlungsausfällen, in 45 Prozent zu Anfragen auf Stundung. Knapp die Hälfte der befragten Vermieter rechnet mit solchen Schwierigkeiten noch im Lauf der kommenden Monate. Dass die Mietzahlungen nach Ablauf des Moratoriums nachgezahlt würden, davon gingen 57 Prozent aus. Knapp ein Drittel befürchtet, dass man aufgrund des Moratoriums selbst in Schwierigkeiten geraten werde. Wie Haus & Grund berichtet, suchen die privaten Kleinvermieter nun Rat bei den Haus & Grund-Vereinen.

Auch der Deutsche Mieterbund vermutet, dass sich die Zahlungsprobleme zeitverzögert bei den Mietern niederschlagen werden. Die Zahl der Menschen, die ihre Miete nicht oder unvollständig zahlen können, werde steigen, je länger sie von Kurzarbeit oder Einkommensausfall betroffen seien. Bei vielen Beschäftigten in Kurzarbeit würden die finanziellen Reserven bald aufgebraucht sein. Ihnen drohe ein Schuldenberg; besonders Geringverdiener und Familien werden Schwierigkeiten haben, Mietschulden abzustottern. Haus & Grund und der Deutsche Mieterbund fordern die Einrichtung eines staatlichen Hilfsfonds, um zu verhindern, dass Betroffene ihre Wohnung verlieren. zg

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