Hockenheim

Freizeitangebot Warum die Aquadrom-Schließung wegen Corona die Hockenheimer nicht schockt

Warten aufs Bad hat Tradition

Archivartikel

In Hockenheim wartet man darauf, wieder schwimmen zu können. Wieder einmal. Wie vor hundert Jahren. Mehrmals kam etwas dazwischen: zuerst die Weltwirtschaftskrise, dann der Zweite Weltkrieg, dann finanzielle Engpässe. Zugegeben, das klingt jetzt schon etwas epochemachend, ist aber zutreffend. Denn schon im Stadthaushalt 1928/29 hatte der Gemeinderat eine Finanzierungsrate von 5000 Reichsmark für ein Freischwimmbad eingestellt. Die Weltwirtschaftskrise machte dann aber einen dicken Strich durch diese Hockenheimer Badpläne.

Im Jahre 1937 wurde die konkrete Planung erneut angegangen, ein Gelände stand zur Verfügung 40 000 Reichsmark waren im Stadthaushalt bereitgestellt. Doch kurz vor Baubeginn war der Zweite Weltkrieg ausgebrochen, das vorgesehene Baumaterial brauchte man für „kriegswichtige Zwecke“, wie es damals hieß. Und in der ersten Nachkriegszeit ging es schlicht ums Überleben, die Gelder waren knapp und wurden an vielen Stellen gebraucht. Beispielsweise wurde die Wanderherberge an der Ecke Parkstraße/Rathausstraße zum Städtischen Krankenhaus umgebaut, ebenso brauchte Hockenheim dringend eine Leichenhalle.

Im Bürgermeisterwahlkampf 1958 hatte der junge Hockenheimer Kandidat versprochen, dass es gemeinsam gelingen werde, ein Freibad zu bauen. Kurt Buchter gewann die Wahl.Und, um es vorwegzunehmen, knapp drei Jahre später, im Juni 1961 wurde das Schwimmbad eröffnet. Ein finanzieller Kraftakt, an dem „ganz Hockenheim“ mitarbeitete. So gründete man den Schwimmbadverein und die Gemeinderäte gingen von Haustür zu Haustür, um die Bevölkerung zur Mitgliedschaft zu bewegen, monatlicher Beitrag zwischen 50 Pfennigen und 25 Mark, ganz einfach abzurechnen mit der monatlichen Stromrechnung. Über 2500 Mitglieder hatte der Verein.

Tombola hilft bei Finanzierung

Ältere Zeitgenossen werden sich bestimmt auch noch an die große Schwimmbadtombola erinnern. Bürgermeister Kurt Buchter erzählte in späteren Jahren oft augenzwinkernd davon, wie er Unternehmen aller Branchen und Couleur überzeugen, besser sicherlich „überreden“ konnte, Sachspenden beizutragen. Erster Preis war immerhin ein nagelneues Automobil: ein BMW 600 mit knapp 20 PS. Allein die Tombola brachte etwa 40 000 Mark ein.

Hinzu kamen Benefizaktionen und Events verschiedener Art wie ein Fußballspiel des Gemeinderates gegen eine Auswahl des Regierungspräsidiums. Auch wenn manche Details der Schwimmbadrealisierung uns heute eher etwas abenteuerlich vorkommen mögen, am 3. Juni 1961 wurde das Bad offiziell eröffnet. Auf einer Tafel steht zu lesen, dass „das Bad vor allem durch freiwillige Spenden der Bevölkerung ermöglicht wurde“. Und „dass eine Stadt nur durch den Geist ihrer Bürger lebt. Die Zukunft liegt nur im Miteinander“.

Dieser 1961 „in Stein gehauene Gedanke“ bleibt weiter aktuell, ebenso wie das Bad sich stets entwickelt hat. Anfang der 70er Jahre erwärmte man als aktuelle Attraktion das Badewasser, Ende 1977 wurde das Aquadrom in Betrieb genommen und seither immer wieder zu einem rundum attraktiven Gesundheits- und Wellnessbad in jeder Hinsicht aktualisiert.

Nach solch hartnäckigen Bemühungen um Hockenheimer Badefreuden kann wohl auch die Corona-Zeit nur eine kurzzeitige lästige Randerscheinung sein – man wird wieder „baden gehen“.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional