Hockenheim

Stiegwiesenpark Nest an der Fußgängerbrücke entdeckt / Friedliche Gattung keine Bedrohung für Menschen / Lebenszyklus der Tiere ist bald beendet

Wespen fühlen sich in der Rennstadt wohl

Archivartikel

Ob beim Grillen mit Freunden oder am Sonntagnachmittag bei einem leckeren Stück Kuchen mit der Familie: Bekanntschaft mit Wespen hat wahrscheinlich jeder einmal gemacht. Die schwarz-gelb gestreiften Insekten ähneln auf den ersten Blick vielleicht eine Biene, unterscheiden sich von dieser Art jedoch in einem markanten Detail.

Bienen fliegen von Blüte zu Blüte, sammeln Nektar und verteilen dabei den Pollen der Pflanze. So sorgen sie dafür, dass auch die nächste Generation der blühenden Gewächse seine Lebenschance hat. Wespen tun das nicht und haben vielleicht auch deswegen – vielleicht aber auch wegen der angenommenen größeren Aggressivität – einen weitaus schlechteren Ruf, als ihre Honig produzierenden Vettern.

Spaziergängern und Radfahrern, die auf Höhe des Stiegwiesenparks in den letzten Wochen die Bundesstraße queren wollten, ist vielleicht ein seltsam aussehender Ball unter dem Brückengeländer aufgefallen. Die um das Gebilde schwirrenden Insekten sind recht leicht als eben die Störenfriede beim Grillen oder Kuchenessen zu identifizieren – allerdings handelt es sich bei den Tieren um eine harmlose und nicht aggressive Art, wie der Hockenheimer Diplom-Biologe Uwe Heidenreich im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt.

Heidenreich betont: „Wenn man sich ein wenig Zeit nimmt, die Tiere einen eine Weile beobachtet und ihn beim Flug zusieht, so wird einem auffallen, dass sie dabei ihre Beine locker herabhängen lassen. Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass es sich bei dem an der Brücke lebenden Wespen um eine harmlose Variante hält.“

Königin baut die Behausung

Aber wie ist das Nest eigentlich dorthin gekommen? Uwe Heidenreich erklärt, dass dieses Wespennest, das etwa die Größe eines Basketballs hat, ursprünglich das architektonische Produkt einer einzigen Wespe, nämlich der Königin des Volkes, ist. „Die Wespe sucht sich eine geeignete Stelle für den Nestbau und legt ihre Eier dort ab. Die daraus schlüpfenden Arbeiterinnen beginnen sofort damit, ihre Königin beim Nestbau zu unterstützen und dieses zu vergrößern.

Die Oberfläche des Nestes erinnert nicht ohne Grund an Papier: Das bevorzugte Baumaterial der Wespen ist in der Tat Holz. Mit ihren messerscharfen Zangen lösen sie das Holz ab und kauen quasi darauf herum. Mit den Sekreten aus dem Wespenspeichel vermischt, wird die klebrige Masse zum Grundstoff des Nestes. Die Wespen setzen es an einer Oberfläche, in diesem Fall am Beton der Brücke, ab und beginnen von vorne.

Kein Honig sondern Larven

Die ausgeklügelte Wabenstruktur, die dabei entsteht, ähnelt der eines Bienennestes. Mit dem feinen Unterschied, das in den Waben der Wespen kein Honig heranreift, sondern lediglich die Larven der künftigen Arbeiter, die den Weiterbau des Nestes unterstützen sollen. Um diese neue Generation für den Wespenstaat heranreifen lassen zu können, müssen die Wespen sie mit einer nährstoffreichen Kost versorgen. Das erklärt auch, warum die Tiere ein besonderes Augenmerk darauf legen, uns beim Grillen oder beim Kaffeeklatsch zu stören. Das tun sie natürlich nicht, weil sie unverschämter Zeitgenossen sind, sondern weil die Speisen, die wir Menschen zu diesen Anlässen kredenzen, eben auch für die Wespe ein nährstoffreiches Nahrungsmittel sind.

Bei den Tieren im Stiegwiesenpark handelt es sich um Exemplare der Gattung „Dolichovespula media“, wie Biologe Heidenreich erläutert. Die „Mittlere Wespe“ ist in der Regel friedlich, verteidigt aber ihr Nest, sollte sie gestört werden. Dieses läuft nach unten spitz zu und beherbergt die Larven der Arbeiterinnen. Sie werden herangezogen und gleich zur Vergrößerung des Nestes miteingespannt, erklärt Uwe Heidenreich.

Von Mitte April bis Mitte September sind die Tiere anzutreffen. Das Nest am Stiegwiesenpark befindet sich also bereits in seinen letzten Tagen: Den Winter werden die Tiere nicht überleben, wie der Biologe erklärt. Auch allgemein geht es der Mittleren Wespe nicht so gut. Ihr Bestand ist in Deutschland rückläufig, sie zählen zu den bedrohten Arten.

Info: Weitere Bilder finden Sie unter www.schwetzinger-zeitung.de

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