Hockenheim

Katholische Frauengemeinschaft Meditativer Pilgerweg führt durch verschiedene Stationen im Stadtgebiet / Geschichte und Natur bewusst erlebt

„Wir leben in einer Welt der täglichen Wunder“

Archivartikel

Die Freude war den zahlreichen Teilnehmerinnen der Katholischen Frauengemeinschaft (KFD) und den beiden begleitenden Männern regelrecht ins Gesicht geschrieben. Gemeinsam machte man sich auf, um an verschiedenen Stationen Erfahrungen zu Natur und Schöpfung zu sammeln. „Wenn Sie hier einmal in die Runde blicken, werden 550 Jahre Stadtgeschichte lebendig“, klärte Alfred Rupp, am Treffpunkt Zehntscheunenplatz auf und verwies auf den alten Kirchturm, den ehemaligen Freihof auf dem Gelände der Silbernen Kanne und auf die Zehntscheune, die früher in der Zähringerstraße zu finden war.

Einen ersten Impuls zum Thema Wasser als ebenso faszinierendes wie überlebensnotwendiges Element hatte Nicole Fuhr von der Frauengemeinschaft auf dem HÖP- Gelände vorbereitet.

Kaffee aus Honduras verkostet

Nun teilte sich die Gruppe und besuchte im Wechsel das Hockenheimer Wahrzeichen, den Wasserturm und den Arche Weltladen. „Unser Handeln und Einkaufsverhalten beeinflusst das Leben vieler Menschen, die in den Produktionsländern unter der Armutsgrenze leben“, erläuterte Mirjam Wolf vom Verein Ökumenischer Arbeitskreis Dritte Welt am Arche Weltladen und lud zu einer Kaffeeverkostung ein. Eine der angebotenen Kaffeesorten stammte aus Honduras. Tatsächlich sind nur Frauen mit deren Anbau, mit der Ernte und der Verpackung vor Ort beschäftigt. So gelingt ihnen einerseits die Gründung einer unabhängigen Existenz, andererseits wird die Wertschöpfung im Land gelassen. Überrascht zeigten sich die Pilger über die große und schöne Auswahl fair gehandelter Waren. Ein Besuch lohnt auf alle Fälle.

Der Jugendstil-Wasserturm ist heute noch Zeugnis für ein technisches Denkmal dieser Epoche. Erbaut zwischen 1907 und 1910 ist er als „Riesenspargel“ auch über die Stadtgrenzen bekannt. Öffentliche und private Brunnen sorgten früher für das benötigte Wasser. Auch das Kraichbachwasser wurde von den ersten Siedlern als Trinkwasser entnommen. 1899 beschloss der Gemeinderat eine öffentliche Wasserversorgung zu bauen. „Der Kostenvoranschlag für die komplette Wasserversorgungsanlage lag bei 220 000 Mark“, teilte Alfred Rupp mit. Inkludiert waren in diesem Preis der Bau von fünf Brunnen im Hockenheimer Wald, das Pumpwerk, der Wasserturm und ein zwölf Kilometer langes Ortsnetz.

Der Pilgerweg setzte sich Richtung Stiegwiesenpark fort. Unter Beachtung des nötigen Sicherheitsabstandes konnte an der Seebühne gemeinsam gesungen werden. Dazu erhielten alle vorbereitete Liederhefte.

Nächste Station war die Statue des Brückenheiligen Johannes Nepomuk am Kraichbach. Der Legende nach wurde er im 14. Jahrhundert in Prag gefoltert und von der Karlsbrücke gestürzt, weil er sich weigerte, das Beichtgeheimnis zu brechen.

Bewahrung der Schöpfung

„Liebe und Sorge für die Schöpfung“ titelte der Abschlussgottesdienst, den die Pilger gemeinsam mit Dekan Grabetz und den Gemeindemitgliedern als Vorabendmesse feierte. In einem Dialog gingen Margarete Hopf und Jutta Kleinert auf die Bewahrung der Schöpfung ein: „Ist jedem Einzelnen bewusst, dass er in einer Welt der tagtäglichen kleinen und großen Wunder lebt? Vieles wird allzu schnell als selbstverständlich gesehen. Es ist wichtig, sich Gedanken zu machen und in der eigenen kleinen Welt schrittweise Verantwortung zu übernehmen,“ stellten sie fest.

Die Handarbeitsfrauen der Frauengemeinschaft freuten sich über die Gelegenheit, selbst Hergestelltes anbieten zu können. Nicht wenige Gottesdienstbesucher machten sich mit warmen Socken und einem Fläschchen Eierlikör auf den Nachhauseweg. zg/jk

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