Hockenheim

Buchvorstellung Hockenheimer Autor Rolf Thum legt mit „Der Gaukler aus der anderen Welt“ seinen ersten historischen Roman vor

Zeitreisender im Pakt mit Teufel?

In der Zeit reisen, das ist ein Traum vieler Menschen. Der Hockenheimer Autor Rolf Thum hat das Abenteuer wahr gemacht und seinen Protagonisten ins Hendesham (Handschuhsheim bei Heidelberg) des 11. Jahrhunderts geschickt. Unfreiwillig mit seinem „vehiculum“, neudeutsch Auto. Was ihm dabei widerfahren ist, hat er in seinem historischen Roman „Der Gaukler aus der anderen Welt“ festgehalten.

Ein Gaukler ist er fürwahr nicht, der Hochschuldozent Rudolf Andres, der nach einem Arbeitstag in sein Auto steigt und von einem heftigen Gewitter überrascht wird, dessen Blitzeinschlag ihn in die Vergangenheit befördert. Dort trifft er auf „die anderen“, wie er sie im Laufe seiner Aufzeichnungen immer nennen wird, denen er ob seiner Digitalkamera, seiner Lesebrille, seines Fernglases und natürlich vor allem seines Autos mehr wie ein Gaukler vorkommt denn ein normaler Mensch.

764 Tage in der Vergangenheit

Im Zentrum des 387 Seiten starken Romans steht die Zeit, die er in der anderen Welt verbringt – immerhin ganze 764 Tage: Von der ersten Annäherung, als man ihm mit einem Kruzifix vor der Brust gegenübertritt, worauf unser Zeitreisender das Wort „Friede“ in allen ihm zur Verfügung stehenden Sprachen stammelt, über Verständigungsprobleme, die an babylonische Sprachverwirrung erinnern, dem allmählichen Einleben und Kennenlernen der damaligen Lebensbedingungen bis hin zu einer politischen Mission, die ihn zum Kaiser führt und einer Pilgerreise – um sein Image als ordentlicher Christenmensch zu stärken – nach Santiago de Compostella.

Rolf Thum ergreift dabei nicht Partei, schlägt sich weder auf die eine noch die andere Seite, sondern entfaltet die Welt des 11. Jahrhunderts fernab von jeglicher heute weit verbreiteter Mittelaltermarktromantik in Form von Tagebucheintragungen, deren Möglichkeit zur Reflexion er nutzt.

Szenen der Beschreibung, der hygienischen Verhältnisse, der Blüten, die der Aberglauben treibt, einer für uns heutzutage unvorstellbar brutalen Rechtssprechung oder Gesundheit, die für die Menschen buchstäblich am seidenen Faden hing, wechseln sich ab mit temporeichen Handlungssequenzen und entwickeln kaleidoskopisch ein Bild der damaligen Zeit.

Gefährliche Errungenschaften

Das hat seine Komik, seinen Witz, wenn es ob der „Bildnisse“ in der Digitalkamera des Zeitreisenden heißt: „Ihr seid ein wahrhaft mächtiger Gaukler. Vielleicht seid ihr auch gar ein Zauberer“, aber auch seine Tragik, wenn er hinter vorgehaltener Hand bezichtigt wird, mit dem Teufel im Bunde zu sein, weil er sich gegen ein umgreifendes Fieber mit einem Antibiotikum (das er seiner Mutter in Handschuhsheim bringen wollte, kurz bevor er ins 11. Jahrhundert katapultiert wurde) hilft.

Vor allem aber ist der Roman informationsreich und spannend zu lesen, denn Rolf Thum, Autor bereits mehrerer Bücher, Initiator der Gruppe „Lesezeit“ und Gründer des Hockenheimer Larimar-Verlags, hat eine sorgsame, umfangreiche Recherche betrieben (und für den wissensdurstigen Leser eine Zeittafel sowie ein Glossar angehängt). Er lässt seinen Helden so manches Abenteuer bestehen.

Ob er ihn wieder zurück ins 21. Jahrhundert reisen lässt, sei an dieser Stelle nicht verraten.

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