Hockenheim

Volkshochschule Exkursion führt im Jubiläumsjahr zum Kloster Lorsch

Zu den Wurzeln der Stadt

Als Beitrag zum Jubiläumsjahr „1250 Jahre Hockenheim“ veranstaltete die Volkshochschule (VHS) eine Studienfahrt zum UNESCO-Welterbe Kloster Lorsch. Bei schönem Wetter startete man mit 29 Personen unter der Leitung von Monika Götzmann in Richtung Lorsch.

Der Tag in Lorsch begann unter fachkundiger Leitung mit einer Kombiführung durch Kloster und Zehntscheune. Wenige Jahre nach der Gründung der frühen Abtei Altenmünster im Jahr 764 wurde auf einer benachbarten eiszeitlichen Flugsanddüne eine neue Klosteranlage errichtet. Karl der Große, dem die Abtei übertragen worden war, erhob sie zu einem seiner wichtigsten Reichsklöster. Drei Bauten der ehemals großen Anlage sind bis heute verblieben: ein Fragment der Nazarius-Basilika, ein Abschnitt der Klostermauer und die Königshalle mit der weltberühmten Sandsteinfassade. Das Obergeschoss zeigt teilweise sehr gut erhaltene Wandmalereien aus verschiedenen Jahrhunderten.

Durch die Neugestaltung des Welterbes Kloster Lorsch im Jahr 2014 sind beide Klosterareale – die frühe und die spätere Klostergründung – erstmal landschaftsarchitektonisch miteinander verbunden.

Grabungsobjekte bestaunt

Weiter ging die Führung im Schaudepot Zehntscheune, ein imposantes Gebäude, welches in den 1590er-Jahren aus wiederverwendeten Steinen älterer Klostergebäude erbaut wurde. Hier konnten die Teilnehmer zum ersten Mal die Lorscher Grabungsobjekte, die zuvor an verschiedenen Orten aufbewahrt oder ausgestellt waren, dauerhaft an ihrem Fundort besichtigen. Diese Objekte dokumentieren eindrucksvolle Funde aus 200 Jahren Grabungsgeschichte.

Neben spätantiken Stücken aus dem zweiten und dritten Jahrhundert sowie karolingischen Säulen und Kapitellen aus der Blütezeit des Klosters, findet sich eine große Zahl bedeutender Kleinfunde, die aufschlussreiche Zusammenhänge des klösterlichen Lebens offenbaren.

Nach diesem sehr informativen und eindrucksvollen Vormittag hatte man nun Gelegenheit in einer der unmittelbar am Kloster gelegenen Gastronomien zu Mittag zu essen. Es war aber auch genügend Zeit für eigene Entdeckungen. So konnte man den Kräutergarten, den Pfingstrosengarten oder die liebenswerte Stadtmitte Lorschs erkunden.

Am Nachmittag stand eine zweite Führung auf dem Programm. Besichtigt wurde das Freilichtlabor Lauresham. Seit August 2012 entsteht vor den Toren Lorschs das „Experimentalarchäologische Freilichtlabor karolingischer Herkunft Lauresham“. Auf einer Fläche von 4,1 Hektar wird das komplexe, aber für das Verständnis der frühmittelalterlichen Gesellschaftsstruktur wichtige Thema Grundherrschaft erklärt. Dies erfolgt unter anderem am Beispiel eines typischen Zentralhofes aus dem 8. und 9. Jahrhunderts.

Freilichtlabor eingerichtet

Auf Grundlage aktueller Forschungsergebnisse der Siedlungsarchäologie wurde auf dem Gelände ein Gebäudeensemble errichtet. Wohn-, Wirtschafts-, Stall- und Speicherbauten konnten besichtigt werden. Hinzu kamen noch verschiedene landwirtschaftliche Nutzflächen – Wiesen, Äcker und Gärten – aber auch die Haltung von Nutztieren, deren Erscheinungsbild eine Annäherung an das der mittelalterlichen Artgenossen ermöglichen soll.

Gut gelaunt und froh, dass das Wetter gehalten hatte, aber auch mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck kehrte die Reisegruppe nach Hockenheim zurück. mg

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