Hockenheim

Partnerschaftsjubiläum Altoberbürgermeister Gustav Schrank erinnert sich an erste Kontakte mit Hohenstein-Ernstthal / Schnelle Zusage bald nach dem Mauerfall

Zwischen den Rennstädten stimmt die Chemie sofort

Archivartikel

Für Gustav Schrank, der am 3. Oktober 1990 als Bürgermeister Hockenheims die Partnerschaftsurkunde mit Hohenstein-Ernstthal unterzeichnete, waren die Tage des Mauerfalls im November 1989 ergreifend gewesen. „Mit einer solch positiven Entwicklung hatte noch unmittelbar zuvor kaum jemand gerechnet“, schreibt Schrank in seinen Memoiren „Meines Lebens Kreise – Erinnerungen“, aus dem er uns aus Anlass des 30. Jahrestags der Partnerschaft freundlicherweise Auszüge zur Verfügung stellt.

In den 1980er Jahren hatte Gustav Schrank zweimal für einige Tage die DDR besucht, ermöglicht durch private Kontakte und von der Staatssicherheit überwacht. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre bemühte sich das Stadtoberhaupt erstmals um eine freundschaftliche Verbindung mit einer Stadt in der DDR. Doch der Bürgermeister der thüringischen Stadt Schleiz, die durch ihr Dreiecksrennen bekannt war, reagierte nicht.

Im zweiten Anlauf zum Erfolg

Wenige Wochen nach dem Mauerfall war der erneute Versuch, mit einer Rennstadt der DDR in Kontakt zu kommen, erfolgreicher. Dabei war Peter Busch behilflich, der aus Hohenstein-Ernstthal stammte und schon seit 1985 in Hockenheim wohnte (siehe oben). Im Dezember 1989 teilte Busch Schrank mit, dass er über die Weihnachtszeit seine Mutter in der alten Heimat besuchen würde, die mit dem dortigen Bürgermeister bekannt sei. Schrank bat ihn, seine Mutter mal „vorfühlen“ zu lassen.

Zwischen den Jahren kam die Antwort, dass Hohenstein-Ernstthal einer Verbindung positiv gegenüberstehe. Darauf schrieb Schrank am 2. Januar 1990 an seinen Kollegen Gerhard Geipel nach Hohenstein-Ernstthal. Der bestätigte das Interesse an einer Kontaktaufnahme und verband dies mit einer persönlichen Einladung nach Hohenstein-Ernstthal. Am 10. und 11. Februar 1990 reiste Gustav Schrank mit Georg Seiler von der Hockenheim-Ring GmbH nach Sachsen.

Die Gastgeber führten die badischen Besucher herum und erläuterten viel Wissenswertes über die Geschichte und die Besonderheiten der damals 17 000 Einwohner zählenden Rennstadt. Es waren volkseigene Betriebe der Textilbranche sowie des Anlagen- und Ingenieurbaus mit einigen tausend Arbeitsplätzen angesiedelt. Nach der Wiedervereinigung sei kaum einer übriggelieben, blickt Schrank zurück.

Sport- und Kulturvereine fehlten

Durch die zentrale Steuerung des DDR-Staats existierten weder auf sportlichem noch kulturellem Gebiet Vereine. Ein Aushängeschild war der Sachsenring. Dessen lange Tradition war im Jahre 1927 mit dem ersten Motorradrennen begründet worden. Schrank erinnert sich: „Der Kurs war rund acht Kilometer lang und führte über öffentliche Stra-ßen, teilweise sogar durch Wohngebiete der Stadt und über die Autobahn Eisenach-Dresden. Bei Rennen musste deshalb die Autobahn gesperrt werden. Dies war alles andere als ein idealer Zustand.“

Bei der Stadtbesichtigung sei ihm sofort der enorme Instandhaltungs-rückstand der meisten Häuser aufgefallen, blickt der Alt(ober)bürgermeister zurück. Auch der Zustand der Straßen und das Stromnetz habe keinen guten Eindruck vermittelt. Bei seinen Gesprächspartnern verspürte Schrank durch die sich anbahnende Umbruchphase eine gewisse Verunsicherung: „Keiner wusste so recht, was auf ihn zukommen würde.“ Im April folgte der Gegenbesuch einer Delegation aus Hohenstein-Ernstthal, zu dem Schrank eingeladen hatte. Der am 6. Mai bei den DDR-Kommunalwahlen neu gewählte Bürgermeister Dirk Trinks (CDU) entpuppte sich als ein quirliges, engagiertes Stadtoberhaupt, das einiges anpackte und realisierte.

Die endgültigen Weichen für die Partnerschaft wurden bei einem Besuch Hohenstein-Ernstthals durch den Hockenheimer Gemeinderat im September 1990 gestellt. Am 3. Oktober 1990 machten Schrank und Trinks dem Beinamen Rennstadt alle Ehre: Nachdem sie vormittags im Ratssaal von Hohenstein-Ernstthal ihre Unterschriften unter die Urkunden gesetzt hatten, fuhren sie gemeinsam samt ihren Ehefrauen die knapp 500 Kilometer nach Hockenheim, um am Abend bei einer festlichen Sondersitzung des Gemeinderats mit Gästen im Bürgersaal die Verbindung zu besiegeln. mm

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