Ketsch

Abschneidä und Nobäbbä

Marco Brückl wäre gerne in eine Schule mit Lernbüro gegangen

Albert Einstein meinte, Weisheit sei nicht das Ergebnis der Schulbildung, sondern der lebenslange Versuch, sie zu erwerben. Der theoretische Physiker, der durch sein Hauptwerk, die Relativitätstheorie (1915), weltberühmt wurde, befand sich in ständigem Konflikt mit dem damaligen Schulsystem.

Nun bin ich zum Glück kein Physiker, dennoch stand ich diverse Male auf Kriegsfuß mit dem althergebrachten Verfahren des Frontalunterrichts. Wie mein Mathematik-Lehrer uns einst den Satz des Pythagoras näher brachte – oder besser: weit von uns entfernte – ist legendär. „Ihr müsst nur des do abschneidä und dann do nobäbbä.“ (für Nicht-Schwaben: „Hier abscheiden und da hinkleben“). Er sagte es, während er mit seinem Oberlehrer-Geo-Dreieck wild fuchtelnd an der Tafel Verrenkungen machte.

Mit Lernen mit Leidenschaft, die Einstein forderte, hatte das wenig zu tun. Dem Konzept der Gemeinschaftsschule, die mit Lernbüros ausgestattet ist, gibt ein anderes Verständnis die Basis als das bloße Befüllen der Festplatten in den Köpfen der Schüler. Vielmehr sollen individuelle Begabungen gefordert und gefördert werden. Schüler lernen miteinander und voneinander in gemischten Gruppen. Im Lernbüro herrscht eine andere Stimmung als im Klassenraum. Ich kann für mich, im Team, mit und ohne Hilfe, in meiner Geschwindigkeit vorwärts kommen. Eine solche Möglichkeit des Lernens hätte ich gerne gehabt – es kommt der Passion ein wenig näher. Und ich mag Einstein, der sagte: „Lernen ist Erfahrung, alles andere ist Information.“

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