Ketsch

Bei Michelfelders Matthias Stieber spricht über die „Zeitwende – von der Kurpfalz zu Baden“

Als Heidelberg ein Dorf war

Archivartikel

Ketsch.Eine gemütliche Atmosphäre wie in einem Wohnzimmer herrschte im liebevoll eingerichteten Geschäft Buch und Manufakturwaren. Jeden dritten Donnerstag im Monat steht hier unter dem Motto „Heute Abend bei Michelfelders“ ein besonderes Schmankerl auf dem dem Programm.

„Wir sind schon Stammgäste und eigentlich immer mit dabei bei den Veranstaltungen. Es ist stets interessant, das Ambiente ist schön und wir freuen uns jedes Mal aufs Neue. Auch bei der Lesereise zur Leipziger Buchmesse sichern wir uns immer einen der begehrten Busplätze“, berichtete Gabi Gehres aus Ketsch, die mit ihrem Mann Hans-Dieter Gehres im Publikum saß.

Man spürte, dass Gabriele Hönig, Inhaberin und Initiatorin der Reihe „Heute abend bei Michelfelders“, für ihren Laden und solche kulturellen Events lebt: „Ich habe mir hier einen Traum erfüllt und freue mich über Stammgäste und auch neue Gesichter.“ Mit viel Sorgfalt und dem Thema Kurpfalz entsprechend hatte sie kleine kulinarische Leckereien wie zum Beispiel Käsetaler, einen „Gaisburger Marsch“ und Apfelwein mit Holunder vorbreitet, die verköstigt wurden.

Bekannter Schlossführer

Der Referent des Abends Matthias Stieber, der unter anderem seit über 20 Jahren Führungen in den bekannten Schlössern der Umgebung und die beliebten historischen Fackelwanderungen durch Heidelberg anführt, nahm die rund 30 Teilnehmer des Abends mit auf eine spannende, historische Reise beginnend ab dem frühen 18. Jahrhundert.

Mannheim mit 30 000 Einwohnern

Damals regierte Carl-Philipp von der Pfalz, dieser lebte zunächst auf dem Heidelberger Schloss, welches zu diesem Zeitpunkt fast komplett zerstört war. Da sich der Aufbau finanziell nicht lohnte und Mannheim im Jahre 1720 als Hauptstadt der Kurpfalz bestimmt wurde, ist ihm der Bau des Barockschlosses in Mannheim zu verdanken. „Kaum zu glauben, damals war Heidelberg ein Bauerndorf mit 1000 und Mannheim eine kulturelle Hauptstadt mit 30 000 Einwohnern“, wusste Matthias Stieber und überraschte das Publikum immer wieder mit geschichtlichen Details und natürlich auch mit charmanten Kommentaren.

So habe sich Carl-Philipps Nachfolger Carl-Theodor mit mäßigem Talent wohl auch als Dichter versucht. Auch die Herkunft der „Mannheimer Stunden“, welche die meteorologischen Tageszeitentemperaturen um 7, 14 und 21 dokumentieren und teils noch heute angewendet werden, fanden ebenso ihren Ursprung in der Zeit von Carl-Theodor. 1803 wurde die Kurpfalz aufgelöst und der hiesige Teil fiel Kur-Baden, später dem Großherzogtum Baden zu. Der geschichtliche Exkurs an diesem Abend endete im Jahre 1871 mit der Gründung des Deutschen Kaiserreiches.

„Mich hat das Thema sehr interessiert und der Referent gab einen großen und doch kurzweiligen Überblick. Ich kann diese Veranstaltungen nur weiterempfehlen“, sagte Harald Rudel, ein Geschichtslehrer, der zum ersten Mal zu Gast „bei Michelfelders“ war. Herzlich und persönlich verabschiedete sich Gabriele Hönig bei ihren Gästen, und viele sind sicher wieder dabei, wenn im Juni die nächste Veranstaltung der Reihe auf dem Programm steht. csc

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