Ketsch

Alternativen notwendig

Benjamin Jungbluth über den geplanten Kiesabbau im Gewann Entenpfuhl

Beim geplanten Kies- und Sandabbau im Entenpfuhl gibt es berechtigte Einwände. Nicht nur, dass die Trinkwasserversorgung gefährdet werden könnte. Auch das Abholzen des Waldgebietes zwischen Ketsch und Talhaus wäre ein großer Eingriff in die Natur – mit Folgen für Tiere, aber auch Anwohner. Entsprechend viel Protest hat sich formiert: Zahlreiche Gemeindeverwaltungen und Politiker sehen die Pläne kritisch. Und aus der Bürgerschaft und von Umweltverbänden hallt der Vorwurf der skrupellosen Gewinnmaximierung eines Unternehmens auf Kosten der Natur.

Doch ebenso laut sind seit Jahren die öffentlichen Klagen über den Wohnungsmangel. Durch die hohe Migration und auslaufende Sozialbindungen bestehender Wohnungen kommt es vor allem bei günstigem Wohnraum in Ballungszentren zu einem Engpass – also auch bei uns in der Rhein-Neckar-Region. Zu wenige Häuser würden gebaut, die Politik müsse mehr tun, so die verbreitete Forderung. Gleichzeitig darbt unsere Infrastruktur, viele Sanierungen sind notwendig. Aber Häuser und Straßen errichtet man eben nicht mit Luft und Liebe, sondern mit Baustoffen: Kies und Sand sind die Grundlage dafür, ohne sie gibt es keinen Zement und keinen Beton. Baustoffrecycling allein kann den Bedarf nicht decken. Auch Holz bietet vor allem bei großen Gebäuden keine adäquate Alternative.

Ein Abbau von Sand und Kies in der Region wäre aus Umwelt- und Klimasicht tatsächlich die beste Lösung. Deshalb muss die Diskussion erweitert werden: Einfache Lösungen wie „Es darf kein Baum fallen!“ werden der Lage nicht gerecht – natürlich ebenso wenig wie ein unbekümmertes „Weiter so!“ oder ein ungezügelter Flächen- und Ressourcenverbrauch. Es ist letztlich Aufgabe der Politik und der Gesellschaft, die Entwicklungsperspektiven der Region abzuwägen und im Zweifelsfall konkrete Alternativen zu benennen.

Haben wir tatsächlich eine Baustoffknappheit, wie die Firma Krieger und der Industrieverband behaupten? Oder gibt es ausreichend Alternativen, wie die BI sagt? Und benötigen wir in der Region eine bessere Strategie für die Nutzung natürlicher Ressourcen – sowohl für Wasser als auch für Sand und Kies? Einfache Antworten wird es wohl nicht geben, dafür ist das Thema zu komplex. Aber ein abgestimmter Plan für die gesamte Region wäre ein erster Schritt.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional