Ketsch

Wassersportverein Fünf Mitglieder besuchen einen Wildwasser-Sicherheitslehrgang / Kräftezehrende Vorbereitung auf Rettungseinsätze bei Menschen in Not

Auch geringe Strömung ist gefährlich

Ketsch.Im Wasser lauern schnell Gefahren – insbesondere dann, wenn es heftig in Bewegung gerät. Um Menschen, die in solchen Situationen Hilfe brauchen, professionell zu retten, wurde in den 1970er Jahren von Feuerwehrleuten das Konzept „Whitewater Rescue Technician“, einen Wildwasser-Sicherheitslehrgang, entwickelt. Es war ihre Antwort auf verschiedene Einsätze im Strömungsgewässer und bei Hochwasserkatastrophen, bei denen teilweise die Opfer nur noch tot geborgen werden konnten. Damit möglichst viele Menschen lernen, wie sie sich sicher im Wildwasser bewegen, wurden diese Kurse auch für interessierte Kanuten freigegeben.

Und so wurden auch vom Wassersportclub (WSC) Ketsch fünf Mitglieder bei einem mehrtägigen Lehrgang in Österreich in dieser Technik ausgebildet. Die Wildwassersportler wurden darin geschult, Leben zu retten, sie erfuhren, wie sie Wassersportler aus misslichen Lagen befreien und sicher zum Ufer bringen können. „Da in diesem Sommer wahrscheinlich viele der bewachten Seen und Schwimmbäder geschlossen bleiben, wird das erlernte Wissen auch den vielen Wildbadenden zugutekommen, die dann die Rheinarme für ihre Badeabenteuer besuchen“, zeigt sich die WSC-Spitze überzeugt. Die Ausbildung von Luis Salamon, Alexander Ader, Till Aichele, Frederik Kotterba und Jonathan Green startete mit einer Theorieeinheit über Gefahren im Wasser, Hydrologie, Strömungen, Kommunikation am Bach und einer abgespeckten Einheit über Erste Hilfe. Letzteres konnte kurz gehalten werden, da die Teilnehmer fast alle auch im Roten Kreuz ehrenamtlich engagiert sind.

Dann ging es in den Wildalpen auf eine Slalomstrecke, die durch den Regen einen angenehmen Pegel hatte und dennoch wenig besucht war. Der praktische Teil begann harmlos mit verschiedenen Schwimmtechniken, Schwimmen durch Wellen und Walzen. „Als dann alle richtig nass waren, begann der eigentliche Spaß: Verteilt über beide Ufer übten wir die Kommunikation mittels Handzeichen und das Retten aus fließendem Wasser mit einem Wurfsack“, erinnert sich Green.

Helfer kämpfen gegen die Zeit

Nachdem alle das Retten mit dem Wurfsack geübt hatten, besprachen sie theoretisch, wie man als Gruppe durch einen Fluss waten kann. Mittels der Pyramidenform durchquerten die Teilnehmer den Fluss und kamen am anderen Ufer an.

Im Anschluss wurde zudem das Überqueren eines Baumhindernisses geübt. „So bemerkten wir, wie schnell solche Bäume für Schwimmer auch schon bei vermeintlich geringer Strömung gefährlich sein können.“ Unter realistischen Bedingungen ging es dann um die Selbstrettung und Fremdrettung aus einer Wehranlage. „Hierbei lehrte uns das Wasser äußerst eindrücklich, wer der Stärkere ist“, meint Green.

Ein vorbereitetes Szenario forderte alle frisch erlernten Fähigkeiten. Ein verklemmtes Boot galt es zu bergen und sicher ans Ufer zu bringen. Nachdem es endlich erreicht war, konnte es mittels verlängertem Wurfsack und Flaschenzug aus seiner Verklemmung gelöst und Richtung Ufer gezogen werden – ein sehr spannender und überaus kräftezehrender Akt.

In einer Theorieeinheit zum Thema „Vermisstensuche am Wasser“ lernten die Teilnehmer, wie sie am Bach nach vermissten Paddlern suchen können und auf was es bei einer effizienten Suche ankommt. „Es zeigte uns auch, wie schnell sich das Suchgebiet mit fortschreitender Zeit vergrößert und wie essenziell das koordinierte Vorgehen dabei ist“, hieß es seitens der Teilnehmer. Bei allen Übungen spielten die Retter gegen die Zeit.

Im Anschluss bauten sie aus Kajaks und Paddel ein improvisiertes Floß, mit dem verschiedene Punkte auf dem Fluss über Pendelverfahren erreicht werden konnten. ras/zg

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