Ketsch

St. Sebastian Krippenspiel in der katholischen Kirche / Sigrun Gaa-de Mür organisiert Gottesdienst / Botschaft, dass alle vom Wunder der Heiligen Nacht berührt werden

Auch Levi wird vom Kind erleuchtet

Archivartikel

Ketsch.„Schaut mich doch an, mich armen Schlucker! Ich bin seit einem Jahr arbeitslos. Ich bin froh, wenn ich am Tag wenigstens einmal richtig satt werde. Und dann soll ich noch Steuern für den Kaiser zahlen?“ – Ruben geht es zu jener Zeit wie vielen, die auf Erlass des Kaisers in ihre Heimatstadt reisen müssen, um sich dort in die Steuerlisten einzutragen. Ruben muss nach Betlehem. „Wisst ihr eigentlich, wie weit das ist? Da bin ich viele Tage lang unterwegs“, sagt er als eine der Hauptfiguren im Krippenspiel in der Kirche St. Sebastian.

Gemeindereferentin Sigrun Gaa-de Mür hatte mit großer Unterstützung den Kinder- und Familiengottesdienst vorbereitet. 20 Kinder, vom Hirten bis zu Maria und Josef, der 13-köpfige Chor und die Kinder, die für die Technik wie Scheinwerfer oder Geräuscheffekte zuständig waren, probten ab Mitte November regelmäßig, um für den Nachmittag vor Heiligabend die vielen Besucher in der katholischen Kirche mit ihrem Krippenspiel zu erfreuen. Die Kinder im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren vermittelten die Botschaft, dass alle vom Wunder der Heiligen Nacht berührt werden, das nicht einfach irgendwo geschieht, sondern mitten in ihrem Leben, und sie können dem göttlichen Kind das anvertrauen, wovon ihr Herz voll ist.

Ohne erkrankten Kutscher

Denn Ruben trifft auf seiner beschwerlichen Reise nach Betlehem auf Menschen, die sich wie er in die Steuerliste eintragen müssen, die aber ganz andere Dinge bewegen. Da ist zum Beispiel Hanna, die sich nicht sicher ist, ob sie sich auf dem richtigen Weg nach Betlehem befindet. Sie ist blind. „Auch ich muss nach Betlehem. Da kann ich dich gerne mitnehmen. Komm, hak‘ dich ein. Ich habe hier auch ein Licht, das uns leuchtet“, sagt Ruben und sie setzen den gemeinsamen Weg zusammen fort.

Und die beiden finden den vornehmen Levi am Wegesrand vor, den hat es Richtung Betlehem richtig böse erwischt: „Ach je, ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll. Mein Kutscher ist krank geworden, deshalb muss ich den Weg jetzt zu Fuß machen. Stellen Sie sich vor: zu Fuß!“ Geteiltes Leid ist halbes Leid – die drei begegnen Sarah und können sie unterstützen, ihr Kind zu tragen, das wie ihre Mutter schon furchtbar müde ist.

Die Schicksalsgemeinschaft bekommt in Betlehem sogar noch zwei Kammern mit vier Betten, als Levi mit seinem dicken Geldsäckel wedelt. Davon können Josef und die schwangere Maria, die von Nazareth kommend soeben auch in Betlehem eingetroffen sind, nur träumen. Josef macht es Maria in einem Stall, den ihnen ein Gastwirt immerhin noch überlassen konnte, so gemütlich, wie es eben geht. Und in diesem Stall wird in dieser Nacht Jesus, Gottes Sohn, geboren.

Helligkeit dringt aus dem Stall

Das verkünden die Engel den Hirten, darauf deutet das helle Licht aus dem Stall hin. Alle kommen rund um die Futterkrippe zusammen, wo das Neugeborene liegt. „Schaut mal, da liegt Gottes Sohn in einer Futterkrippe und er ist genauso arm wie wir“, sagt der Oberhirte. „Ich bin zwar ein reicher und feiner Mann – aber das ist auf einmal so unwichtig. Wie gut, dass ich hier bin. Und ich habe es tatsächlich geschafft – wirklich erstaunlich“, befindet Levi.

Beate und Oliver Brinkmann, die den Chor leiteten und für die musikalische Umrahmung des Gottesdienstes sorgten, stimmten das Schlusslied an: Mit „Vier Takte vor Weihnachten“ entließen die kleinen Schauspieler und der Chor die Gäste in der Kirche nach Hause zur privaten Weihnachtsfeier.

Friedenslicht verteilt

Wer wollte, konnte von den Pfadfindern das Friedenslicht von Bethlehem in Empfang nehmen. Das Friedenslicht ist eine Initiative des Österreichischen Rundfunks (ORF). Seit 1986 wird es in jedem Jahr in den Wochen vor Weihnachten von einem oberösterreichischen Kind in der Geburtsgrotte Jesu vom ORF entzündet. Das Friedenslicht wird mit dem Flugzeug von Betlehem nach Wien transportiert. Von dort brachten es Pfadfinder am dritten Advent nach Deutschland. Dort wird das Licht als Gemeinschaftsaktion des Bundes der Pfadfinder (BdP), des Bundes Moslemischer Pfadfinder Deutschlands (BMPPD), der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG), der Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG), des Verbands Christlicher Pfadfinder (VCP) sowie des Verbands Deutscher Altpfadfindergilden (VDAPG) verteilt. mab

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