Ketsch

Grüne Umweltminister spricht von Meteoriteneinschlag in Zeitlupe

Baumann: Natur mit Einkaufskorb bestimmen

Archivartikel

Ketsch.Wie steht es um unsere Natur? Wie kann die Artenvielfalt gefördert werden? Was kann die Gemeinde leisten und was kann der Einzelne dazu beitragen? Diese und weitere Fragen sollten im katholischen Pfarramt durch einen Vortrag von Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im baden-württembergischen Umweltministerium, mit anschließender Diskussion beantwortet werden.

„Erhalten, was uns erhält“, laute seine Kernaussage. Baumann war zuletzt Landesvorsitzender des Naturschutzbundes, jetzt freute er sich jedoch, vor allem in seiner Funktion als Mitglied des Kreisverbands Kurpfalz-Hardt von Bündnis 90/Die Grünen, auch etwas im Ort voranzubringen: „Bei uns in der Kurpfalz ist wunderbare Natur, die es zu erhalten gilt.“ Insgesamt sei Baden-Württemberg mit der besten Naturschutzstrategie reicher an Natur, als andere Bundesländer – doch auch hier befinde sich die Umwelt im Sturzflug.

So gab es Feldhamster vor wenigen Jahrzehnten zuhauf, erklärte Baumann, heute drohe ihre Art auszusterben. Langfristige Untersuchungen hätten festgestellt, dass aufgrund von Pestiziden auch der Insektenbestand um rund 80 Prozent schrumpft. Dies habe wiederum zur Folge, dass ein Rückgang von Feldvögeln zu verzeichnen sei. Äcker würden heute meist platt gemäht, dadurch könnten kaum Blumen oder Unkraut wachsen. Auch Wälder seien mit der Zeit kleiner geworden, durch die Viehhaltung hätten sie sich gelichtet und seien zu großen Wiesenflächen geworden. „Der Meteoriteneinschlag, der damals den gesamten Bestand an Dinosauriern ausgelöscht hat, geschieht gerade in Zeitlupe“, zog Baumann einen prägnanten Vergleich.

Lokale Produkte kaufen

Insgesamt sehe die Landschaft nach dem aus, was wir „vertrinken und verfressen“, sagte Baumann. Ergo: Bewusst einkaufen und bewusst ernähren. „Wir können die Natur mit unserem Einkaufskorb bestimmen“, so Baumann. Er besuche häufig lokale Milchbauern oder Metzger. Auch den eigenen Garten könne man artenreich gestalten, leider habe sich ein deutlicher Trend abgezeichnet, den Garten „wie eine Steinwüste“ zu halten.

Dieser Trend und der Anspruch der Gemeinde, Ketsch zu modernisieren, schaffe Eintönigkeit und Artenarmut, fanden auch die versammelten Zuhörer und forderten: mehr Blühflächen, Blumenarten und ein natürlicherer Wuchs von Hecken und Gräsern. Ein weiteres Problem des Artensterbens, das die Gemeinden angehen können, sei das Flächenwachstum, das nicht stoppen will: „Siedlungsränder müssen erhalten bleiben, denn das sind oft die artenreichsten Gebiete“, mahnte Baumann. Die Zuhörer zeigten sich besonders engagiert, selbst etwas für die Natur zu tun und beispielsweise seltene Arten den Umweltbehörden zu melden. Für diese Fälle empfahl Baumann die Landesumwelt-App „Meine Umwelt“, durch die ohne großen Aufwand Fotos des Artenfundes mit GPS-Erkennung weitergeleitet werden können.

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