Ketsch

St. Sebastian Katholiken feiern Fronleichnam unter freiem Himmel / Pfarrgemeinde, Kantorei, Pfadfinder, Frauengemeinschaft und Kolpingsfamilie packen mit an

Damit die Welt sich ein wenig ändert

Archivartikel

Ketsch.Unter blauem Himmel feierten gestern zahlreiche Katholiken im Pfarrgarten das Fronleichnamsfest, das an das letzte Abendmahl Jesu erinnert. „Ich bin über die Resonanz des Gottesdienstes im Freien sehr, sehr glücklich“, sagte die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Marianne Faulhaber und strahlte mit der Sonne um die Wette.

Mit viel Enthusiasmus engagiert sie sich stets sowohl in der Pfarrgemeinde als auch in der Kolpingsfamilie und natürlich auch in der Organisation dieses Hochfestes. „Es ist schon Tradition, dass in Ketsch jedes zweite Jahr das Fronleichnamsfest mit gemeinsamem Beten und Singen unter freiem Himmel stattfindet“, sagte sie. Das macht auch Sinn, denn mit dem Hochfest verbindet sich der Gedanke, Gott aus der Kirche in die prächtige Natur hinauszutragen.

Dass so viele Leute gekommen sind, ist natürlich der guten Organisation zu verdanken, jedoch auch der Tatsache, dass es den „Leuten wichtig ist, draußen zu feiern“, betonte Faulhaber. Ihr lag viel daran, die fleißigen Helfer zu erwähnen, die für einen reibungslosen Ablauf vor und nach dem Gottesdienst sorgten, um ihnen auf diese Weise für den ehrenamtlichen Einsatz zu danken, „das heute gar nicht mehr selbstverständlich ist“. Großes Verdienst hatten dabei die Gruppierungen der katholischen Pfarrgemeinde. Neben dem Auf- und Abbau sorgten Mitglieder des Pfarrgemeinderates für Getränke, die Kantorei betreute das Salatbüfett, die Kolpingsfamilie den Grill- und die Ministranten den Eisstand, die Pfadfinder buken Waffeln und die Frauengemeinschaft sorgte mit ihren Kuchenspenden für ein reichhaltiges Büfett.

„Wir sind zusammengekommen“, sagte Pfarrer Erwin Bertsch zu Beginn des Gottesdienstes, „die bleibende Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie, in den Zeichen von Brot und Wein, zu feiern.“ Eigentlich sei dies nichts Besonderes, meinte er, „denn wir feiern es zumindest jeden Sonntag. Mit diesem Hochfest jedoch betonen wir ganz besonders, dass Gott selbst sich uns in die Hände gibt, so dass wir ihn hinaustragen in unsere Welt und das Brot des Lebens zum Leben für alle Menschen wird.“ Keiner, so Pfarrer Bertsch, darf aus der Kirche so herauskommen, wie er hineingegangen ist. „Wenn wir Jesu in uns aufnehmen, reicht es nicht, in seinem Sinn zu denken und zu reden, sondern auch zu handeln. Damit die Welt sich ein wenig ändert, tritt ein in die Kirche, um Gott zu lieben, tritt aus, um die Menschen zu lieben.“

Tolle Musik von „Konfrontation“

Einen ganz besonderen Charakter erhielt der Gottesdienst durch den festlichen Einzug eines halben Dutzend Ministranten, die Pfarrer Erwin Bertsch und Diakon Heiko Wunderlich begleiteten. Die Kirchenband „Konfrontation“ gab dem Gottesdienst mit ihren musikalischen Beiträgen die nötige Feierlichkeit. Mit viel Inbrunst sangen die beiden Solistinnen Claudia Wagner und Simone Starke das Eingangslied „So wie die Nacht flieht vor dem Morgen“, gefolgt von „Gloria, Ehre sei Gott“, danach Lieder zum Credo und der Gabenzubereitung oder zum Schluss „Unser Leben sei ein Fest an diesem Morgen“. Begleitet wurden sie am Keyboard von Daniel Schäfer, an der Querflöte von Beate Brinkmann und am Schlagzeug von Carsten Wagner.

Zwischen den Liedern und Gebeten fand auch eine Lesung aus dem Buch „Exodus“ statt, die Marianne Faulhaber vornahm. Sie passte zum Feiertag, denn es geht darin um Menschen, die mit Gott im Bund sind: Gott hat sein Volk aus Ägypten herausgeführt und es zu einem freien Volk gemacht. Dass es ihnen damit ernst ist, besiegeln sie mit Blut.

In seiner Predigt stellte Pfarrer Erwin Bertsch Kafkas Erzählung „Der Hungerkünstler“ in den Mittelpunkt. Sie bot ihm Gelegenheit, auf das einzugehen, was ihm als Gegenstand des Festes wichtig war: an eine Speise zu erinnern, die Erfüllung schenkt. Der „Hungerkünstler“ hungert nicht, weil er nichts zu essen hat, erklärte Bertsch, sondern weil er im Überangebot an künstlichen Lebensmitteln in der Konsumgesellschaft nicht die Speisen findet, die ihm schmecken. Damit wollte er Menschen ermutigen, immer neu nach dem „Brot des Lebens“ zu verlangen, das der Herr selbst ist.

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