Ketsch

Kinder- und Jugendkulturarbeit Arbeitsgemeinschaft stellt Bericht der Bundesregierung vor / Teilhabe soll ohne Ansehen der Herkunft möglich sein

„Das Recht auf Jugend gilt für alle“

Ketsch/Brühl.Die Bundesregierung legt dem Bundestag und dem Bundesrat in jeder Legislaturperiode einen Bericht über die Lage junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe vor. Der 15. Kinder- und Jugendbericht war Thema eines Vortrags im Jugendhaus der Mobilen Jugendarbeit Ketsch/Brühl.

Moritz Limprecht begrüßte in der Postillion-Einrichtung rund 30 Jugendsozialarbeiter. Eingeladen hatte die Arbeitsgemeinschaft Kinder-Jugendkulturarbeit (AG KJK), die sich vier- bis fünfmal im Jahr zum fachlichen Austausch trifft. Die Arbeitsgemeinschaft, in der alle Sozialarbeiter Mitglied werden können, hat die Funktion der Netzwerkarbeit im Rhein-Neckar-Kreis. Referent war Volker Reif vom Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) in Stuttgart, der als Kompetenz- und Dienstleistungszentrum für die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs zuständig ist. Der KVJS-Projektleiter fasste die wesentlichen Ergebnisse des gut 500 Seiten starken Kinder- und Jugendberichts zusammen. Erstmals wurde explizit eine Altersgruppe in das Zentrum der Berichterstattung auf Bundesebene gestellt.

Neben der Bestandsaufnahme enthält der Bericht auch Vorschläge zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe. Das Alterssegment der 15- bis 25-Jährigen sei elementar für die Tradierung von Gesellschaft, führte Reif aus. „Die Jugend“ sei in den letzten Jahrzehnten immer weniger als eine eigenständige Lebensphase wahrgenommen worden: „Die Grenzen verschwimmen nach hinten.“

Soziale Ungleichheit

Die Situation vieler Jugendlicher und junger Erwachsener sei nach wie vor von sozialen Ungleichheiten gekennzeichnet. Noch immer entscheide familiäre und regionale Herkunft, sozialer Status, ethnische und nationale Zugehörigkeit über die Verteilung der sozialen Teilhabechancen, kurz „die Ermöglichung von Jugend“. Reif verwies auf die integrationsbedingte Vielfalt: „Hier bedarf es neuer Öffnungs- und Zugangsstrategien, damit jungen Menschen unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit, Migrationsgeschichte und ihrem Aufenthaltsstatus Jugend gleichermaßen ermöglicht wird.“ Der Bericht bewertet auch das Bildungssystem: „Die Ganztagsschule wird im Sekundarbereich ihren bildungspolitischen Ansprüchen, Themen und Anliegen der Jugendlichen nicht gerecht.“ Ganztagsschulen müssten deshalb im Sinne gelebter Mitbestimmung verstanden und gestaltet werden, „damit werden sie durch Teilhabe und Verantwortungsübernahme auch zu Orten politischer Bildung“.

Die Jugendarbeit und ihre Spannungsfelder bilden ein eigenes Kapitel in den Ausführungen der Berichtskommission. Jugendlichen und jungen Erwachsenen in prekären Lebenskonstellationen sei „ein persönliches Recht auf Jugend zu gewähren“. Eine weitere Kernaussage lautet: Das „Übergangssystem“ von der Schule zum Beruf stelle für Jugendliche „keine transparente, jugendgerechte Struktur“ dar. Bei der Unterstützung für geflüchtete junge Menschen zeige sich eine „komplizierte Gemengelage von asylrechtlichen, ausländerrechtlichen und jugendhilferechtlichen Regelungen“, bemängelt der Bericht. Junge Geflüchtete seien in wichtigen Fragen der sozialen, schulischen und beruflichen Qualifizierung sowie der Arbeitsmarktintegration auf sich allein gestellt.

„Jugendarbeit ist mehr als Jugendarbeit“, erklärte Reif. In einer „jugendgerechten Kommune“ zeige sich die Qualität der Jugendarbeit, wie sie die Jugendlichen vor Ort kennt, mit Jugendlichen über ihre Interessen verhandelt wird und ob es eine lokale Sozialpolitik mit den Jugendlichen und nicht über Jugendliche gibt. Die Stellungnahme der Bundesregierung zum Bericht drückt aus, dass die Kinder- und Jugendhilfe „auf einer fundierten empirischen Grundlage in einem sorgfältig strukturierten Prozess zu einem inklusiven, effizienten und dauerhaft tragfähigen und belastbaren Hilfesystem weiterentwickelt werden soll“.

Der Bundesrat fordert die Bundesregierung auf, die im Sozialgesetzbuch beschriebenen Leistungen so auszugestalten und finanziell abzusichern, „dass diese im Kanon aller Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe nicht hinter der Bedeutung und Regelungsqualität zum Beispiel der Bereiche frühkindliche Bildung und Erziehung sowie erzieherische Hilfen zurückbleiben“.

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