Ketsch

Rheininsel Rotte seit zehn Jahren unter der Ägide der Gemeinde / Klaus Hartensuer und Hubert Schäfer sind der Gehegemanager und der -kümmerer

Der mit dem Wildschwein „Hänsel“ tanzt

Ketsch.Frischlinge gebe es in vier bis sechs Wochen im Wildschweingehege auf der Rheininsel, schätzt Hubert Schäfer. Und keiner kann das besser vorhersagen als der bald 85-Jährige. Er kümmert sich um die rund 40 Wildschweine. Die Rotte sucht er täglich auf, füttert sie und schaut, dass keines der Tiere auffällig ist, was auf eine Krankheit schließen lasse.

Dass es das Gehege heute noch gibt, ist nicht selbstverständlich. Es stand ziemlich genau vor zehn Jahren auf der Kippe. „Die Forstverwaltung, das Land, wollte kein Geld mehr dafür ausgeben“, erklärt Bürgermeister Jürgen Kappenstein im Gespräch mit unserer Zeitung, er habe sich dann aufgemacht, nach einer Lösung zu suchen, denn klar sei gewesen, dass das Gehege dringend erhalten werden solle. Als liebgewonnenes Ausflugsziel, hoch im Kurs bei Kindern und Familien, sei es – wie auch heute – kaum mehr wegzudenken gewesen. „Wir brauchten jemanden, der Verantwortung übernimmt.“ Es musste jemanden geben, der sich um die Wildschweine kümmert und sie versorgt. Gleichfalls mussten die Kosten übernommen werden.

Mit Klaus Hartensuer und Hubert Schäfer waren die richtigen Leute gefunden. Und der Bürgermeister machte sich im Gemeinderat dafür stark, dass die Gemeinde die Kosten von rund 4000 Euro im Jahr trägt.

„Ich kam 1980 nach Ketsch und kam dann mit Bürgermeister Kappenstein überein, dass ich als Pensionär das Gehege übernehme, wenn sich jemand findet, der die tägliche Arbeit macht“, erzählt Klaus Hartensuer. Der Schifferstadter, der bis 2010 Forstrevierleiter war und die Gegebenheiten vor Ort freilich bestens kannte, erhielt in Hubert Schäfer den richtigen Nebenmann, um „als jagender Pensionär Gehegemanager“ zu werden.

Und Hubert Schäfer, der die Voraussetzungen, ein Wildschweinkümmerer zu sein, als Jäger erfüllt, kann als Ketscher den täglichen Kontrollgang und die Fütterung übernehmen. „Er ist das Herz“, sagt Klaus Hartensuer, der 75-Jährige lobt Hubert Schäfer in den höchsten Tönen – die Zusammenarbeit laufe ganz wunderbar. Unterstützt werden die beiden auch vom Bauhof der Gemeinde, auch das war Hartensuer von Anfang an, ab 2010, sehr wichtig.

Keine Sturmschäden

Hubert Schäfer wiederum berichtet, als er die Wildschweine gerade füttert, dass er mit Hartensuer durchschnittlich einmal pro Woche telefoniere. Gerade jetzt habe der einstige Forstrevierleiter auf der anderen Seite des Rheins wissen wollen, ob der Sturm eventuell für Schäden am Gehege gesorgt habe. Beispielsweise durch herabfallende Äste, die gegebenenfalls den Zaun beschädigten. Das sei aber nicht der Fall. Apropos Zaun: Eine Richtlinie der Europäischen Union schrieb gleich bei der Übernahme des Geheges durch die Gemeinde vor, dass solche Areale nicht zuletzt wegen der Tiergesundheit einen doppelten Zaun benötigen. Seitdem sind es also zwei Zäune, die das rund zwei Hektar große Wildschwein-Zuhause einfassen.

Dort zeigt Hubert Schäfer auf den Keiler der Rotte, dessen Privileg es ist, als einziges Tier einen Namen erhalten zu haben: „Hänsel“. Das Wildschwein hat eine besondere Geschichte, sei vor drei Jahren nach Ketsch gekommen, nachdem es als Frischling seine Mutter bei einem Wildunfall verloren habe. Im Odenwald sei „Hänsel“ per Hand aufgezogen worden. Und im Gehege auf der Rheininsel habe es ein Jahr gedauert, ehe der Keiler die Stellung einnehmen konnte, die er heute habe: mit der großen Bache gemeinsam die Chefs der Rotte.

Schäfer, dessen Onkel noch vor dem Zweiten Weltkrieg als Förster auf der Rheininsel tätig war, erzählt, dass die Wildschweine Rüben und Mais als Saft- und Kraftfutter erhalten, auch Klee als Eiweißbringer im Sommer, der gegenüber des Geheges gedeihe.

Bei ihm drückt die Sorge um die afrikanische Schweinepest aufs Gemüt. Hoffentlich breche sie nicht in Deutschland aus. Es sei wichtig, die Schilder am Gehege zu beachten. „Füttern verboten“ stehe da aus gutem Grund, „seine“ Tiere sollten nicht krank werden.

Das kongeniale Ketscher Wildschweinduo ist indes fest miteinander verbunden. Er werde aufhören, wenn Hubert Schäfer aufhöre, sagt Klaus Hartensuer – bleibt zu hoffen, dass der sympathische Kümmerer Schäfer noch lange zum Wildschweingehege kommt.

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