Ketsch

Rheinhalle 15. Auflage des offenen Jugend-Grand-Prix-Schachturniers „Schneeflocke“ ein voller Erfolg / Club mit Platzproblemen aufgrund des Zuwachses

„Der Verein wächst in den Himmel“

Ketsch.Höchste Konzentration lag in der Luft. Lorin Kilthau kniff kurz die Augen zusammen, legte die Stirn in Falten und griff dann beherzt zum Läufer, um den nächsten Zug zu machen. Doch Lorin ist kein Profi-Schachspieler, sondern ein Zehnjähriger aus Mannheim-Wallstadt, der mit 148 Kindern und Jugendlichen in der Rheinhalle eines gemeinsam hatte: die Liebe zum Schachspiel.

Doch die Zeiten, als das nur etwas für Nerds war, scheinen zumindest in der Enderlegmeinde endgültig vorbei zu sein. Hier ist es „cool“, wie viele der jugendlichen Teilnehmer bestätigten, auch wenn Mama oder Papa mal mit mehr, mal mit etwas weniger Abstand, aber immer voller Stolz neben den Sprösslingen standen und mitfieberten, so wie auch Lorins Mutter Anja: „Er spielt schon seit er fünf Jahre alt ist, gelernt hat er es auf einer langweiligen Autofahrt nach Griechenland vom großen Bruder. Seitdem lässt es ihn nicht mehr los.“

Schon zum 15. Mal fand das offene Jugend-Grand-Prix-Turnier „Schneeflocke“ statt, das vom Schachclub 1922 veranstaltet wird. Pressewart Werner Ries teilte mit: „Wir hatten immer eine starke Jugendabteilung, aber sind in letzter Zeit noch stärker gewachsen. Auch dadurch, dass es nicht viele Turniere für Jugendliche gibt und deshalb Teilnehmer von außerhalb kommen, genügte der Platz der Gaststätte hier nicht mehr aus, sodass wir vor ein paar Jahren hoch in die Halle wechseln mussten.“

Fünf Altersgruppen

Werner Ries erläuterte im Gespräch mit unserer Zeitung weiter: „Gespielt wird in fünf Altersgruppen, von U8 bis U16/18. Prämiert werden jeweils die drei besten Spieler mit einem Pokal und einer Urkunde, aber kleine Geschenke bekommen alle.“ Auf die Frage, warum das Turnier ausgerechnet „Schneeflocke“ genannt wurde, erklärte Ries mit einem Lächeln und einem amüsierten Blick nach draußen: „Na ja, wegen der Witterungsverhältnissen halt, die man im Februar hat beziehungsweise früher einmal hatte.“

Seit halb zehn saßen die Schachfans hochkonzentriert an unzähligen Tischen und spielten bis rund 16.30 Uhr, manche sogar noch danach ohne Wertung. Erst bei der Siegerehrung der Besten wurde aufgehört. So war die Spannung groß bei Kindern wie Eltern, als Vorstandsmitglied Werner Ries die Bühne betrat: „Es war ein sehr gutes und sehr friedliches Turnier. Ihr ward alle hervorragend, darum gibt es auch für alle Sachpreise.“

Anschließend rief er die verschiedenen Altersgruppen nacheinander zur Überreichung der Pokale auf die Bühne, die dafür nicht nur mit einer der begehrten Trophäen, sondern auch mit ausreichend Applaus und einer Urkunde belohnt wurden. Bei den U 8 konnte Vishak Chokalingam vom SC Brombach den ersten Platz einheimsen, während dieser bei der U10-Gruppe von Enias Schirmer vom SC 1947 Brombach belegt wurde. Bei den U12 war Spyrid Papaioannou vom SC Viernheim der Erfolgreichste, bei den U14 Wadim Heß vom SC Schifferstadt. In der „Königsklasse“ der zusammengefassten U16/U18-Gruppe gewann Florian Karl vom SK Langen mit sechs Punkten.

Alle „so cool drauf“

Auch die erst 15 Jahre alte Jana Basovskiy vom SK Mannheim war unter den Gewinnern und gab sich trotz des dritten Platz mit 5,5 Punkten in der U16/U18 Gruppe bescheiden: „Es macht einfach Spaß, Schach zu spielen, vor allem das Taktieren.“ Besonders gefiele ihr die gute Stimmung unter den Schachspielern und dass alle „so cool drauf“ seien.

Der Vorsitzende des Schachclubs Andreas Leinenbach freute sich über die gute Entwicklung des Vereins: „Bis vor ein paar Jahren waren wir noch 60 Mitglieder, jetzt gehen wir stramm auf 100 zu. Das ist einfach Wahnsinn. Der Verein wächst in den Himmel.“ Dies führt er besonders auf die gute Jugendarbeit zurück und fügte hinzu: „Im Gegensatz zu anderen Schachvereinen, die leider oft einen Mitgliederschwund zu verzeichnen haben, ist es bei uns das Gegenteil. Wir müssen bald mit der Gemeinde reden, denn wir können, wenn es so weitergeht, keine weiteren Mitglieder mehr aufnehmen, da unsere Vereinsräume im Ferdinand-Schmid-Haus viel zu klein werden. Es kann ja eigentlich nicht sein, dass wir aus Platzgründen nicht weiter wachsen dürfen. Deshalb machen wir schon gar keine Werbung mehr. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich da eine Lösung finden lässt.“

Jugendwartin Annette Schrepp freute sich über das indirekte Lob des Vorsitzenden, „aber ohne ein gutes Team geht gar nichts“. Auf die Frage, was sie anders mache, um erfolgreich zu sein, antwortete sie: „Gute Stimmung ist mir sehr wichtig. Die wirkt dann wohl ansteckend.“ Interessierte könnten ohne Voranmeldung zum Training ins Ferdinand-Schmid-Haus kommen. Jeden Freitag trainieren die Altersgruppen nacheinander: Grundschulkinder und Jüngere ab 18 Uhr, Kinder, die auf weiterführende Schulen gehen, ab 19 Uhr und Erwachsene zusammen mit älteren Jugendlichen ab 20 Uhr.

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