Ketsch

Theater Ein Protagonist nach dem anderen wird in „Und dann gab’s keines mehr“ des Ensembles „Rampenlicht“ Opfer eines Mörders

Dieser Klassiker garantiert Nervenkitzel

Archivartikel

KETSCH.Chapeau für eine klasse Leistung des „Rampenlicht“-Teams, das am Wochenende dreimal in die mysteriöse Welt der britischen Erfolgsautorin Agatha Christie entführte. Drei Stunden Nervenkitzel satt bescherten sie vor dreimal ausverkauftem Haus mit dem Stück „Und dann gab’s keines mehr“.

Gleich vorab: Wer noch nicht da war, kann das Gänsehautstück mit einer Schauspielleistung über das Laienhafte hinaus, in dieser Woche noch viermal erleben. Dass schon bei der Premiere am Freitagabend die Gäste – zugegeben viele Familienmitglieder, Freunde und Bekannte der Rampenlichter sind im Publikum, stehend applaudieren – spricht für sich. Sie hatten die Nackenhaare wohl noch aufrecht stehen, denn bis zum Ende bleibt inhaltlich düster und rätselhaft, wer hinter den perfiden, brutalen Morden steckt.

Der Tod erreicht die Insel

Das Schlussbild lässt entsprechenden Interpretationsspielraum. Deshalb wird an dieser Stelle auch nichts darüber verraten, weitere Gäste sollen noch das ungetrübte Gruselvergnügen eines langen Spannungsbogens erleben können. Die Szene, die im ausgefeilten perfekt arrangierten Bühnenbild, für das Peter Listing und Gunnar Wagner verantwortlich zeichnen, zeigt den Salon eines englischen Landhauses auf einer einsamen Insel weit vor der Küste. Couch, Bar, Kunst an den Wänden, eine Terrasse, die gleichzeitig Eingang ist.

Als erste vor Ort sind die beiden Rogers, das Ehepaar – sie (Janine M- Ruch) Köchin, er (Uwe Lorenz) Butler. Er hebt gerne ein Gläschen, sie ist gefrustet, weil auch die Arbeit des Zimmermädchens an ihr hängen bleibt. Später erfahren wir, dass eine Agentur sie gebucht hat für das seltsam anmutende Wochenende.

Nach und nach treffen die Protagonisten ein: Sir Lawrence Wargrave (Dirk Berger), der pensionierte Richter, der berüchtigt dafür ist, mal schnell die Todesstrafe zu verhängen. Der schwerhörige General Mackenzie (Pert Listing), der um seine Frau trauert und Held des Ersten Weltkriegs ist. Die überaus gläubige die Stricknadeln schwingende Emily Brent (Ilona Fischer-Volk) – eine ältere Frau, moralisch scheinbar unantastbar. Vera Claythorne (Sonja Keller), Sekretärin und Gouvernante. Ein charmanter aber sehr zwielichtiger Glücksritter, Philipp Lombard (Rouven Honnef) und Dr. Armstrong (Jürgen Abel) der sich als trockener Alkoholiker outet. Mit doppelter Identität gesellt sich William Blore (Sven Wolf) hinzu und Lebemann Anthony Marston (Alexander Falco Sturm) hat Luxus im Sinn.

Rechenschaft ist abzulegen

Allem Anschein nach gibt es nichts, was diese Menschen gemeinsam haben – eigentlich. Den geheimnisvollen Schleier lüftete eine Stimme aus dem Off, die die Vergehen der zehn erzählt – gespenstisch und ein aufgedrückter Seelenstrip, der sich in den Mienen der Angesprochenen spiegelt. Jetzt heißt es Rechenschaft ablegen.

Und dann passiert es: Was die Strophen des Abzählreims „Zehn kleine Negerlein“, (aus Rücksichtnahme auf die afroamerikanische Bevölkerung wurde das Stück vor einigen Jahren in „Und dann gab’s keines mehr“ umbenannt) schon vorgeben – einer nach dem anderen stirbt auf nebulöse Art. Der Zuschauer sieht sich in der Position des Beobachters, der nach und nach in die Untiefen der Seelen der Gäste schauen darf, die alle in ungeklärte Mordfälle verwickelt sind.

„Sehr spannend“, „Super gespielt“, „die ,Rampenlichter’ haben es drauf“ und „Die werden immer besser“, waren am Ende als Kommentare aus dem Publikumsraum zu hören. zesa

Info: Weitere Bilder gibt’s unter www.schwetzinger-zeitung.de

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