Ketsch

Neurottschule Bei der offiziellen Vorstellung des Lernbüros mit insgesamt 200 Quadratmetern ist die Lernkultur der Gesamtschule erkennbar / Zwei weitere Einheiten folgen

Djemile ist schon bei Aufgaben in Orange

Ketsch.Neudeutsch würde man das lichtdurchflutete Lernbüro der Neurottschule – der Gemeinschaftsschule mit Lernkultur – spontan „cool“ nennen. Auch die Sechstklässler, die bei der offiziellen Vorstellung des neuen Bereiches dort arbeiten, attestieren: „Das Lernbüro ist klasse, hier ist Ruhe zum Arbeiten, man kann aber auch am Computer recherchieren oder zusammenarbeiten.“ Damit ist fast komplett umrissen, was nach der Entscheidung zum Schuljahr 2016/2017, Gemeinschaftsschule zu werden, in etwa einem halben Jahr Bauzeit entstanden ist.

Auf 200 Quadratmetern mit Akustikdecke sind im Übergangsbereich der beiden Zimmer Steharbeitsplätze mit Computern untergebracht. Ein Bereich dient dem fokussierten Individualarbeiten für Klausurvorbereitungen, Hausaufgaben oder vertiefendem Zusatzmaterial.

Dort fällt ein blaues Seil ins Auge, an dem ein Schild hängt: „Ich brauche Hilfe“. Rumold erklärt: „Die Schüler haben in ihren Materialboxen Klammern, die sie bei Unterstützungsbedarf dort anbringen.“ Im gläsernen Lehrerbüro im Zentrum registriert der „Lernbegleiter“ wo er vorbeischauen soll und arbeitet die Klammern, respektive die Schülerfragen, nacheinander ab.

Lernbegleiter und FSJler

Im gesamten Bereich des Lernbüros sind Lernbegleiter und FSJler unterwegs, auch sie kann man ansprechen. Im Flüsterton dürfen sich die Schüler im zweiten Raum bei Partner- und Gruppenarbeiten unterhalten. Ein großer Stehtisch und Doppelplätze an Schreibtischen ermöglichen das.

Dardan etwa macht seine Mathehausaufgaben lieber alleine, er meint: „Wir haben hier zwei Stunden am Tag Zeit für die Hausarbeiten, für Vorbereitungen auf Tests, das ist klasse, weil ich Zuhause den Lehrer nicht zum Nachfragen dabei habe.“ Was macht er, wenn er mit den Hausaufgaben durch ist? „Es gibt vertiefende oder weiterführende Aufgaben, die wir dann bearbeiten können“, das alles schreibt er in sein Lernbüro-Tagebuch. Damit ist nachvollziehbar, wie er gearbeitet hat, wie effektiv seine Lernweise ist. Im Gespräch mit dem Lerncoach wird auf der Basis das Optimum herausgearbeitet, damit das Lernen Spaß macht und Erfolg bringt. Luca und Jason arbeiten gemeinsam an Bruchrechnungsaufgaben, der eine hilft dem anderen.

Am Stehtisch ist eine Gruppe versammelt, eine Lernbegleiterin ist dabei. Dort werden verschiedene Ansätze eingebracht, die zur Lösung einer Aufgabe beitragen. Es wird leise gesprochen, so ist man aufmerksamer und stört die anderen nicht.

„Kann mich prima konzentrieren“

Das Konzept geht auf, das bestätigt auch Michelle, die gerade für einen Deutschtest übt: „Ich kann mich prima konzentrieren, weil die Trennwände da sind, man ist nicht abgelenkt.“ Djemile und Mirvana unterstreichen das: „Im Klassenzimmer ist es viel lauter, hier im Lernbüro haben wir es schon geschafft nach acht Wochen in der nächsthöheren Einheit zu lernen.“ Das müssen sie erklären. Djemile sagt: „Ich habe mit dem Material in Gelb angefangen, das ist so die kleinste Stufe, jetzt nehmen wir Aufgaben in Orange, das ist mittel-anspruchsvoll.“ Rot steht für das höchste Level.

Eingebunden in ein Großkonzept an Baumaßnahmen ist das Lernbüro mit seinen zwei Bereichen für unterschiedliche Anforderungen der erste große beendete Bauabschnitt, der 300 000 bis 320 000 Euro kostete, wie Bauamtsleiter Hans Keilbach schildert. „Zwei weitere Lernbüroeinheiten folgen in den beiden anderen ‚Türmen‘ des Schulhauses“, erklärt Schulleiter Joachim Rumold beim Rundgang.

Jeweils zwei Jahrgangsstufen teilen sich dann nicht nur den Lernbereich sondern auch die Klassenzimmer im jeweiligen Turm mit eigenem außen liegenden Fluchtwegtreppenhaus.

Aus einem Raum werden zwei

Im Frühjahr werden aus derzeit einem naturwissenschaftlichen Raum zwei gemacht, mit dem Bau der Mensa wird begonnen, das teilt Rumold mit. Interessierte Zuhörer hat der Schulleiter in den vielen Gemeindevertretern, den am Bau Beteiligten und Architekt Simon Fischer sowie Bauamtsleiter Hans Keilbach, die zu Beginn der Lernbüro-Stunden da sind, um sich ein Bild zu machen.

Das Erstaunen darüber, wie aus einer Toilettenanlage und Lagerräumen derart komfortable Lernräume, Raum zum Lernen, geworden ist, wird artikuliert. Man ist sich einig: „Hier ist die Lernkultur der Neurott-Gemeinschaftsschule zu erkennen“.

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