Ketsch

Ortsgestaltung und Betreuung Schwetzinger Straße, Marktplatz und Bahnhofsanlage, Mensa der Neurottschule und Containerhort der Alten Schule werden neu gemacht

Ein „Hoch“ auf die Baustellendichte

Ketsch.Mit etwas Ehrfurcht – oder war es Demut – sollte man dieser Tage die Schwetzinger Straße befahren. Und zwar vom Kreisel bis zur Kreuzung am Rathaus und der Kirche St. Sebastian oder eben in die andere Richtung. Es ist wieder möglich. Daran kann auch die Tatsache nichts ändern, dass der letzte Abschnitt der Schwetzinger Straße, wo beispielsweise die Gehwege noch gemacht werden müssen, nicht gänzlich fertig ist.

Manche Städte oder Gemeinden machen Werbung für sich, indem sie auf ihren Freizeitwert, ihr enormes Angebot für Aktivitäten aller Art verweisen. Andere Orte versuchen von sich zu überzeugen, indem sie, nehmen wir mal, ihre Kneipendichte betonen. Die Enderlegemeinde indes hätte vergangenes Jahr getrost auf seine Baustellendichte eingehen können, um Besonderheiten herauszuheben. Es ist an dieser Stelle nicht ganz ernst gemeint. Denn das abgelaufene Jahr hat das Zeug dazu, als „Jahr der Baustellen“ in die Analen einzugehen.

Vielfach war es den Bürgern – und auch den Geschäftsleuten – nicht mehr zum Lachen zumute, wenn sie in Ketsch versuchten, von A nach B zu kommen – oder Kunden zu sich nach C zu bekommen.

Doch auch die Verwaltung errichtet nicht einfach zum Spaß mal eine Baustelle. Auch sie hat Ärger mit den Baustellen. Die Schwetzinger Straße sollte Anfang des Jahres 2018 bis September des gleichen Jahres fertig werden. Bürgermeister Jürgen Kappenstein offerierte im Gespräch mit unserer Zeitung im Januar ein solches Zeitfenster bis vergangenen Herbst. Letztlich führten viele kleinere Komplikationen, die während der Bauarbeiten immer auftauchen können, dazu, dass Bauamtsleiter Hans Keilbach über das Versprechen der Baufirma dann Ende Oktober berichtete, bis Ende des eben abgelaufenen Jahres die Fahrbahn für den Verkehr wieder frei zu haben.

Leitungen seien in schlechterem Zustand als erwartet zum Vorschein gekommen. Bei der Erneuerung von Wasser, Strom, Internet, teilweise Fernwärme seien dann die unterschiedlichen Gewerke in zeitlicher Abfolge aufeinander angewiesen – Verzögerungen dürften dann kaum überraschen.

Bei allem Ärger über die vielen Baustellen wird leicht vergessen, dass die Neu- oder Umgestaltungen ihren Grund haben. Der Neubau einer Mensa für die Neurottschule ist dem Umstand geschuldet, dass das dort umgesetzte Konzept einer Gemeinschaftsschule eine solche Einrichtung unabdingbar macht. Und auch dort könnte das neue Gebäude in Holzständerkonstruktion schon längst zumindest in groben Zügen stehen – geplant war es so. Aber die Baufirma, die sich darauf spezialisiert hat und solche Bauwerke bundesweit errichtet, lässt auf sich warten.

Kernzeit am Rathaus

Gebaut wird längst auch auf dem Parkplatz des Rathauses. Dort kommt in Containerbauweise der Hort und die Kernzeitbetreuung der Alten Schule erst einmal unter. Betreuung ist ein riesiges Zauberwort in der Enderlegemeinde. Es gibt viele Kinder in Ketsch, aber zu wenig geeigneten Raum, um sie betreuen zu können. Im Interview mit unserer Zeitung noch vor Weihnachten sagte Bürgermeister Jürgen Kappenstein, dass 45 Betreuungsplätze fehlten. Die neue Kindertagesstätte im Neurott wird mit sieben Gruppen geplant. Noch steht kein Stein dieses neuen Kinderhauses, da wird schon nach weiteren Standorten gefahndet. Die Dirtbahn an der Mannheimer Straße kam 2018 in Betracht.

Ketsch kann sich indes glücklich schätzen, dass derzeit genügend Geld im Ortssäckel vorhanden ist. An der finanziellen Ausstattung liegt es nicht, wenn sich Bauvorhaben zeitlich in die Länge ziehen.

Die Baustellen werden dieses Jahr nicht per Knopfdruck aufgelöst. Aber es ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Bürgermeister Jürgen Kappenstein versprach beim provisorischen Weihnachtsmarkt auf dem Gelände der TSG, dass das stimmungsvolle Treiben anno 2019 wieder an gewohnter Stelle stattfindet. Also auf dem Marktplatz, der als gemeindlicher Treffpunkt der Generationen gestaltet werden soll und viel Grün bieten wird. Darauf kann man sich doch mal demütigst freuen, oder war es ehrfürchtig?

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