Ketsch

Katholisches Pfarrheim Für die Aufführung des Requiems von Karl Jenkins in der Kirche St. Sebastian wird intensiv geprobt / Drei Chöre, Solisten und Instrumentalisten

Ein Stück für viele Klanggewohnheiten

Ketsch.Drei Chöre, der ökumenische Projektchor der Kantorei Brühl-Ketsch, InTakt Brühl und Imbongi Heidelberg, führen gemeinsam mit der Kammerphilharmonie Mannheim am 9. November, dem Schicksalstag der Deutschen, unter der Leitung von Kirchenmusiker Jens Hoffmann das „Requiem“ des britischen Erfolgskomponisten Karl Jenkins auf.

Dafür wurde am vergangenen Wochenende im katholischen Pfarrheim viele Stunden geprobt. „Dieses Werk mit den Chören aufzuführen, ist schon lange in Planung“, gestand Jens Hoffmann im Gespräch mit dieser Zeitung, „wir haben uns dafür entschieden, weil es sowohl für die Chöre als auch für die Zuhörer ein farbenreiches, mitreißendes Stück ist, das alle anspricht, auch solche mit anderen Klanggewohnheiten.“

Auf originelle Weise verbindet der Komponist, der mit seinen Werken „Adiemus“ und „The armed man“ Weltruhm erlangte, die Tonsprache klassischer Musik mit Elementen von Jazz und Weltmusik. Besonders daran ist, sagt Jens Hoffmann, dass Jenkins dem lateinischen Text der Totenmesse fünf japanische Kurzgedichte, Haikus, gegenüberstellt. Es umfasst 13 Sätze, in der japanischen Kultur eine göttliche Zahl.

Traditionelle japanische Flöte

Die Chöre werden von Streichern, Harfe, Flöte, Hörnern und Pauken begleitet. Zu Gehör kommt auch ein ungewöhnliches Instrument, die Shakuhachi, eine traditionelle japanische Flöte. Durch das Projekt kommt es erstmals zu einer Zusammenarbeit mit der Klangfabrik Mannheim, das Hoffmann ganz besonders freut. Die Percussionisten ergänzen mit eigenem Schlagwerk das Orchester, da Jenkins im Requiem ethnische Trommeln sowie besondere Rhythmen einsetzt.

Es ist Samstagvormittag, kurz nach 10 Uhr. Die Stimmung im Pfarrheim ist sehr gut, auch beim Vorsitzenden der Kantorei Kurt Gredel, der die Sängerinnen und Sänger, die an diesem Vormittag zur Probe erschienen sind, begrüßt und bei Jens Hoffmann, der sofort mit den Körper- und Stimmübungen beginnt.

Alle sitzen im Halbkreis um ihren Dirigenten, stehen auf dessen Kommando auf und machen Warm-Up-Übungen, heben die Arme, strecken die Hände, drehen und führen die Schultern zusammen. Dadurch lockern sie sich, können besser atmen und die Stimmen bekommen mehr Weite. Nach den körperlichen Übungen gibt es Stimmübungen: ansteigende „A-a-as“, „U-u-us“ und „E-e-es“, das Trainieren von tiefen und hohen Tonlagen.

Es wippt und summt

„Bitte mit ganz weichen Mundwinkeln“, fordert Jens Hoffmann die Beteiligten auf. So wippt, summt und sucht der Klangkörper seine Resonanz. Nach einem kurzen Einsingen hebt Hoffmann die Arme und gibt das Zeichen zum Einsatz. Zur Klavierbegleitung stimmt der Chor „Lux Aeterna“ an. Zuvor jedoch übte er es in kleinen Gruppen ein, mit Sopran, Alt, Tenor und Bass. Die Sängerinnen und Sänger sind voll bei der Sache und lassen sich nicht entmutigen, wenn für Dirigent Hoffmann die eine oder andere Stelle nicht zu seiner Zufriedenheit klingt.

Jeder Einzelne ist gefragt

„Schöne lange Linien nehmen“, fordert er sie auf, „nach oben gehen“ oder „niemand darf sich zurücklehnen, jeder Einzelne ist gefragt“.

So kommt allmählich der Klangcharakter des Werks zutage, die geprobten Auszüge gewinnen deutlich an Kontur. Mit Prägnanz legt der Dirigent die Bedeutung der einzelnen Töne nahe, damit sie an der richtigen Stelle und mit der richtigen Betonung erklingen.

Passend dazu sagte er: „Wenn jemand das X zu früh macht, hört man es“. Die Passage wird nochmals wiederholt, diesmal zur Zufriedenheit des Dirigenten. „Jetzt hat es geklappt“, lobte er. Im letzten Satz, „In paradisum“, kommt der Sopranstimme eine führende Rolle zu. Stück für Stück wird daran gefeilt, bis es fast schon perfekt klingt. Dieser Schlussgesang, in dem Jenkins einen Vorgeschmack auf die Chöre der Engel gibt, drückt die Hoffnung aus, dass das Leben gelingen möge. Dass die Chöre und das Orchester unter der Leitung von Jens Hoffmann diese Musik mit ihrer Fülle an Farben am Samstag im großen Kirchenraum von St. Sebastian am schönsten wirken lassen werden, daran besteht ebenfalls kein Zweifel.

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