Ketsch

Eine Branche vor dem Aus

Archivartikel

Normalerweise sorgen die Schausteller und Markthändler für glückliche Gesichter bei kleinen wie großen Besuchern des Backfischfestes: Wohl jeder Ketscher kann sich daran erinnern, als Kind sein Taschengeld für Fahrten im Autoscooter oder für süß-klebrige Leckereien ausgegeben zu haben. Doch die derzeitige Lage setzt der Branche massiv zu: Selbst, wenn in naher Zukunft eine Lösung gefunden werden sollte, werden wohl viele Betriebe das Krisenjahr nicht überleben. Zu groß sind die bereits angerichteten Schäden.

Und die Wut und Verzweiflung der Schausteller ist verständlich: Seit Wochen dürfen Freizeitparks und die stationäre Gastronomie wieder öffnen, auch Shoppingtouren und Urlaubsflüge sind mit Einschränkungen wieder möglich. Gegen Massenanstürme und zu viel Nähe gibt es dort Hygienekonzepte – warum also nicht auch bei Volksfesten? Zumal diese immer unter freiem Himmel, bei Wind und Sonne stattfinden. Im Vergleich zu geschlossenen Räumen und Flugzeugen sind das in jedem Fall hygienischere Bedingungen. Und Volksfeste in Corona-Zeiten hätten auch nichts mit einem wilden Partyabend im überfüllten Festzelt zu tun – dass die Feiern derzeit nicht wie gewohnt stattfinden können, ist allen Beteiligten durchaus klar.

Die bisherigen Lösungsversuche in der Region überzeugen dabei leider nicht. In Heidelberg stehen vereinzelt Buden in der weitläufigen Altstadt – das lockt wohl kaum einen Besucher an. Und eine massiv abgespeckte Version der Mannheimer Mess wird vermutlich auch nicht für ausreichenden Umsatz sorgen können. In kleineren Städten und Gemeinden fehlt ohnehin die Laufkundschaft für solche Konzepte.

Deshalb bleiben wohl nur zwei Auswege: Entweder größere Volksfeste unter den obligatorischen Corona-Bedingungen, also Zugangsbeschränkungen, Abstände und Hygiene – gerade jetzt im Sommer, wenn die Infektionszahlen gering sind. Oder aber eine ausreichende staatliche Unterstützung für die Betroffenen, inklusive der Künstler und Musiker. In jedem Fall muss eine Perspektive her – sonst steht eine ganze Branche vor dem Aus.

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