Ketsch

Hallenbad Wer Eintrittskarten möchte, muss sich mächtig ins Zeug legen und früh aufstehen / Disziplinierte Besucher könnten bald mit mehr Zeitblöcken belohnt werden

„Endlich wieder in Ketsch schwimmen“

Archivartikel

Ketsch.Ja, schwimmen gehen, ist in Zeiten vor SARS-CoV-2 komplizierter geworden. Vor allem das Ergattern der wenigen Eintrittskarten erfordert einigen Einsatz. Wobei Einsatz hier vor allem bedeutet, früh aufstehen. „Ich bin schon um vier oder fünf am Rechner gewesen und habe mir Karten reserviert“, so Herta Halfmann. Auch Ingrid Fein erklärte, dass das Sprichwort, der frühe Vogel fängt den Wurm, den Nagel hier ziemlich genau auf den Kopf treffe. Ihr gelang es diese Woche erstmals, eine Karte zu bekommen, und sie ließ keinen Zweifel daran, dass es ihr ein inneres Fest bedeutet. „Ich freu mich so.“

Die Frau ist in Sachen Marketing für das Hallenbad der Enderlegemeinde unbezahlbar. Aus Karlsruhe kommend ist das Ketscher Hallenbad ihr „Lieblingsbad“. Am Anfang dieser Geschichte stand einstmals ein Mann. Doch diese Geschichte kam im Gegensatz zur Geschichte mit dem Hallenbad mittlerweile an ihr Ende. Dass es jetzt seit März wieder einmal klappt, kommt für sie denn auch einem kleinen Fest nah.

Der Eintritt, das weiß auch der Bäderleiter Armin Luksch, „ist der Flaschenhals“. Ins Hallenbad dürfen pro Zeitschicht, je zweieinhalb Stunden, zwei- bis dreimal am Tag, nur 25 Menschen. Und auch im Bad wirkt vieles anders als sonst. Klebebänder auf dem Boden, abgeklebte Duschen und Umkleidekabinen und vor allem die strikten Abgrenzungen im Wasser verwandeln das Schwimmengehen in ein durchaus komplexes Unterfangen. Auch die Jobbeschreibung für einen Bademeister sieht gerade etwas anders als gewohnt aus.

„Derzeit bin ich vor allem damit beschäftigt, darauf zu achten, dass überall die Abstände eingehalten werden und dass die Schwimmer stets in die richtige Richtung schwimmen.“ Und in den Pausen, zwischen den Zeitblöcken, rennen Luksch und sein Team mit Desinfektionsmittel durchs Bad und bearbeiten die neuralgischen Oberflächen.

Im Kreisverkehr planschen

In den einzelnen Abschnitten im Wasser von Schnellschwimmern über Normalschwimmern bis Nichtschwimmern gilt eine Art Kreisverkehr mit Rechtsschwimmgebot. Und überholt werden darf nur an den jeweiligen Enden. Gerade für Kinder und Jugendliche hätten die Regeln ohne Frage eine spaßbremsende Wirkung. Klar mache das den Job manchmal etwas einfacher. Aber so ein wenig fehlt dem Mann, der seit mittlerweile 28 Jahren den Bäderbetrieb in Ketsch verantwortet, der Trubel schon. So wenig Lachen und Toben gab es in diesem Gemäuer noch nie. „Sind schon komische Zeiten.“ Im März alles zugemacht, dann den ganzen Sommer über ein geschlossenes Freibad. Das sei schon ein ziemlich trauriger Anblick gewesen. Zum Glück befindet sich auf der Gemarkung der Gemeinde noch der Hohwiesensee samt Badeanlage, der das Badevergnügen in diesem sehr speziellen Sommer weiter erlaubte. Bis zu 500, später sogar 550 Besucher, durften die Anlage am Tag besuchen. Dabei machte Luksch fast ausnahmslos gute Erfahrungen. Auch jetzt, unter den doch stark beschränkenden Bedingungen im Hallenbad, würden sich die Menschen sehr diszipliniert verhalten. Wenn es so weiter geht, hofft Luksch, könnten bald mehr Zeitblöcke angeboten werden, sodass mehr Leute das Hallenbad besuchen können. Zuvorderst für Familien mit Kindern ist es gerade eher schwer. Angesichts der starren Regeln könne er da größere Erleichterungen auch nicht wirklich versprechen. In den Normalbetrieb gerät das Bad wohl erst mit einem Impfstoff oder einem wirksamen Medikament. Hoffentlich dauert es bis dahin nicht zu lange. Denn gerade bei Kindern sei es wichtig, dass die ins Wasser kämen und schwimmen lernten. Hier wirke sich das Coronavirus gerade wie ein Brandbeschleuniger aus.

Ausbildung gerät ins Stocken

Schon vor Corona nahm die Zahl der Nichtschwimmer zu. In dem vergangenen halben Jahr dürfte sich diese Entwicklung deutlich verschärft haben. Die Schwimmverbände Baden-Württembergs rechnen mit einem drastischen Rückgang der Vergabe von Schwimmabzeichen. Nach über 25 000 Schwimmabzeichen im vergangenen Jahr rechnen die Verbände nun mit einem Rückgang dieser Zahl um 80 Prozent. Was die Schwimmausbildung angeht, so Ursula Jung, die Vizepräsidentin der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Baden-Württemberg, sei 2020 ein verlorenes Jahr. Und das könne sich in den kommenden Jahren noch verheerend auswirken.

Verloren ist es für die Triathleten, wie Jörg Domhöfer nicht. Aber das Training sei schon schwieriger geworden. „Aber Hauptsache es geht etwas, schlimmer wäre es, wenn das Hallenbad seine Türen gar nicht geöffnet hätte.“ Eine Sicht, die auch Bernd Leibert teilte. Dass mit dem frühen Reservieren sei schon anspruchsvoll, aber das sei nun einmal gerade der Preis, der Corona fordere. Es ist, so Luksch, sicher nicht ideal, aber es ist das Beste was unter den gegebenen Bedingungen gehe.

Die Zeitblöcke für das Ketscher Hallenbad sind dienstags, mittwochs und freitags jeweils 10 bis 12.30 Uhr und 17 bis 19.30 Uhr. Donnerstags geht schwimmen von 7 bis 9.30 Uhr, 10 bis 12.30 Uhr und 17 bis 19.30 Uhr. Und sonntags ist das Hallenbad von 8 bis 10.30 Uhr sowie 11 bis 13.30 Uhr geöffnet.

Info: Die Buchung der Tickets erfolgt unter www.ketsch.de.

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