Ketsch

St. Sebastian Organist Alexander Albrecht spielt in der Konzertreihe "Auszeit" Werke von Frescobaldi, Grigny, Buxtehude und Bach / Prächtige Wirkung im Kirchenraum

Er lässt bunte Klangfarben aufleuchten

Ketsch.Mit der halbstündigen Orgelsoirée direkt vor dem Gottesdienst eröffnete der junge Organist Alexander Albrecht die zweite Saison der Konzertreihe "Auszeit", die von der Seelsorgeeinheit Brühl/Ketsch angeboten wird. Damit sollen die von Michael Weise 1971 erbaute Orgel und ihre vielfältigen Klangfarben einem breiten Publikum nähergebracht werden. In seinem Rezital präsentierte Albrecht vor einer überschaubaren Anzahl von Zuhörern ein schlüssiges Programm, voller Querbezüge, das einen Bogen spannte vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, von Italien und Frankreich nach Norddeutschland.

An den Anfang stellte Albrecht die "Toccata prima" des frühbarocken Italieners Girolamo Frescobaldi (1583 bis 1643). Die Farben dieser fast 400 Jahre alten Musik spielte Albrecht an der Weise-Orgel mit aller Lust heraus, so dass sie in dem großzügigen Kirchenraum eine prächtige Wirkung entfaltete. Dabei schien sehr deutlich die frühbarocke Klangrede, eine zeittypische Phrasierung und Artikulation, durch.

Das verwundert insofern nicht, als der 22-jährige Alexander Albrecht bereits im Kindesalter musikalische Früherziehung und Orgelunterricht genoss, unter anderen bei Wolf-Rüdiger Spieler, Johannes Quack und Johannes Geffert. Kirchenmusik studierte er an der Hochschule für Kirchenmusik Heidelberg, wo er in Orgelliteratur, im Liturgischen Orgelspiel und in Chorleitung von Carsten Wiebusch, Carsten Klomp und Bernd Stegmann Unterricht erhielt.

Anschließend erklang vom französischen Barockmeister Nicolas de Grigny (1672 bis 1703) der Hymnus "Ave Maris Stella". An diese Tradition knüpfte Alexander Albrecht mit Johann Sebastian Bachs (1685 bis 1750) "Präludium und Fuge", BWV 548, an.

Anregende Spannung

Denn Bach kannte Grigny sehr gut, er hatte dessen Werke aus der Notensammlung seines Bruders abgeschrieben und viele Anregungen von ihm genommen. Davor jedoch brachte der Organist einige Choralvorspiele von Dietrich Buxtehude (1637 bis 1707) zu Gehör.

Auf diese Weise entstand eine anregende Spannung zwischen den avancierten Klängen des französischen Zeitgenossen und der opulenten Tonsprache des barocken Meisters. Buxtehude ist einer der wichtigsten Vertreter der sogenannten norddeutschen Orgelschule, der den Übergang vom Früh- und Hochbarock, zwischen Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach darstellt. Bach lernte Buxtehude, der Organist an der Lübecker Marienkirche war, schon als 15-Jähriger während seiner Schulausbildung kennen und schätzen.

Zeugnis von hoher Kunst

Andererseits beeinflusste Frescobaldi von Italien aus den norddeutschen Komponisten Buxtehude mit dessen neuen Art, in der Musik menschliche Gefühle auszudrücken. Das wurde in den Choralvorspielen "Ach Gott und Herr" und "Ach Herr, mich armer Sünder" ganz besonders deutlich. Sie zeugen sowohl von der hohen Kunst des Komponisten als auch von der des Organisten. Alexander Albrecht ließ die verschiedenen Klangfarben der Kompositionen aufleuchten, in denen wenig vom nüchternen Norden, eher die südländische Wärme zu spüren war, zart und zu Herzen gehend.

Schließlich brachte Albrecht Bachs "Präludium und Fuge in e-Moll", BWV 548, mit ausgereiftem Spiel zur Geltung. Beeindruckend war die Souveränität, mit der er die komplexe Textur Bachs gestaltete, so dass die Zuhörer von der Farbigkeit und dem dynamischen Potenzial des Orgelspiels sehr berührt waren. Dafür gab es am Ende herzlichen Applaus.

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