Ketsch

Central Kino Der Dokumentarfilm „Der marktgerechte Patient“ wird gezeigt / Fragen werden im Anschluss beantwortet

Fallpauschalen kritisch beleuchtet

Ketsch.Das Central Kino zeigt am Mittwoch, 11. September, um 19.30 Uhr den Film „Der marktgerechte Patient“. Der Film setzt sich kritisch mit den Fallpauschalen und deren Wirkung auf die Versorgung der Patienten in deutschen Krankenhäusern auseinander. Im Anschluss an den Film berichtet Dr. Burkhard Weiß von seinen Erfahrungen als Krankenhausarzt und beantwortet Fragen des Publikums.

„Krank aus der Klinik“ – so oder ähnlich lauten die Titel zahlloser alarmierender Berichte aus deutschen Krankenhäusern. Erstaunlicherweise fehlt dabei aber fast immer der Bezug auf die wesentliche Ursache dieser Zustände: Die seit 2003 verbindliche Vergütung der Krankenhäuser durch sogenannte Fallpauschalen (englisch: DRGs – Diagnosis Related Groups). Nach ihr hat jede diagnostizierbare Krankheit einen fixen Preis, heißt es im Begleittext zu dem Film.

Wer mit möglichst geringen Kosten den Patienten schnell abfertigt, macht Gewinn. Wer sich auf die Patienten einlässt, macht Verluste. Die Einführung der Fallpauschalen war der entscheidende Schritt zur Kommerzialisierung der Krankenhäuser, die bis dahin von den Gedanken der Empathie und Fürsorge getragen wurden.

Enorme Nebenwirkungen

Wirtschaftsberater durchforsten seitdem jede Abteilung und prüfen, ob Vorgänge nicht mit noch weniger Personal bewältigt werden können. Die Frage ist nicht mehr: Was braucht der Patient? Sondern: Was bringt er uns? „Durch die Einführung der sogenannten Fallpauschalen wurde jede Krankheit mit einem fixen Preis versehen. Daraus folgt: Nicht mehr der Patient steht im Mittelpunkt, sondern der Erlös, der sich mit ihm erzielen lässt“, wird sich Filmemacherin Leslie Franke zitiert.

Viele Ärzte und Pfleger können in diesem System nicht mehr arbeiten, ohne selbst krank zu werden. „Wären die DRGs ein Medikament, so müsste man sie mit sofortiger Wirkung vom Markt nehmen. Alle versprochenen Wirkungen sind ausgeblieben und alle Nebenwirkungen eingetreten“, resümiert der Berliner Ärztekammerpräsident Dr. Günther Jonitz für den Begleittext.

„Der marktgerechte Patient“ handelt von den Ursachen und fatalen Folgen der Fallpauschalen. Leslie Franke und Herdolor Lorenz haben sich dazu mit Medizinern, Pflegepersonal und Patienten getroffen, mit Krankenhausmanagern und Gesundheitsaktivisten.

Für menschenwürdige Versorgung

Auf der Basis einer scharfen Ursachenanalyse liefert ihr Film Argumente für alle, die sich für eine menschenwürdige und soziale Gesundheitsversorgung für Patienten und Beschäftigte einsetzen wollen. Dass man versuche, aus kranken Menschen Gewinne zu ziehen, zeige eine Gesellschaft, die völlig den Halt verloren habe. Da sei von Ethik, Moral, Hilfeleistung, Barmherzigkeit überhaupt nichts mehr zu sehen, befand Franke. „Der marktgerechte Patient“ wolle ganz bewusst die Diskussion über die Ausrichtung der Gesundheit am Profit vorantreiben, entsprechende Volksbegehren unterstützen und Bündnisse initiieren. Dazu wurde der Film an einem bundesweiten Aktionstag (8. November 2018) in über 100 Kinos gestartet. zg/mab

Info: Mehr Informationen unter www.der-marktgerechte- patient.org

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