Ketsch

Central Kino Sun-Day-Movies-Gäste widmen sich der außergewöhnlichen Geschichte von Abbas Albunni / Raquel Rempp ermuntert, sich nicht abwimmeln zu lassen

Familie könnte bald zusammen sein

Archivartikel

Ketsch.Die Freundschaft und ihre ganz individuellen Ausprägungen standen im Fokus der letzten Sun Day Movies-Aktion vor der Sanierung im Central Kino. Für über 70 Zuschauer gab es vor dem Film „Ferdinand – Geht stierisch ab!“, in dem es um die große Freundschaft eines kleinen Mädchens mit einem Stier geht, die Geschichte von Raquel Rempp und dem syrischen Jungen Abbas Albunni. Dies ist eine Geschichte um Engagement, Hartnäckigkeit, Menschlichkeit und Freundschaft, die die erwachsene Frau und den damals 16 Jahre alten Jugendlichen verbindet.

„Ich konnte einfach nicht anders, als zu helfen“, sagt Rempp auf die Frage von Moderatorin Janine M. Ruch, was sie dazu bewegt habe, den Jungen aus dem Kriegsgebiet herauszuholen. Abbas‘ Geschichte macht betroffen, rückt den Krieg in Syrien, der seit Jahren tobt, in den Fokus: In Damaskus, unweit seines Elternhauses, explodierte eine Bombe. Deren Splitter bohrten sich in den Körper des Jungen, das Rückenmark ist beschädigt, Abbas gelähmt.

Die Nachricht davon und, dass es Abbas immer schlechter geht, er offene Wunden hat und eine Blutvergiftung droht, erreicht seinen Cousin Jaafar Marahli in Mannheim. Er macht sich auf die Suche nach Hilfe und erreicht über Bekannte die Schwetzinger Stadträtin, die alle Hebel in Bewegung setzt, wie sie erzählt. „Es gingen sehr viele Spenden auf dem extra eingerichteten Konto ein“, dankt sie den Beteiligten.

Parallel zur Bewältigung der Probleme, den Jungen aus dem Krisengebiet herauszubringen, ging sie in Deutschland auf die Suche nach einem Krankenhaus, das die Operation übernehmen würde. „Eine Million und mehr Schritte waren notwendig“, schildert sie die Erleichterung, als sich die Klinik in Karlsbad-Langensteinbach bereiterklärte zu operieren. Die Kosten: 100 000 Euro, die Ärzte verzichteten auf ihr Honorar. Abbas wiegt zu diesem Zeitpunkt 35 Kilogramm, hat Schmerzen und muss zweimal bei der zuständigen Stelle vorstellig werden, damit er letztendlich mit seinem Vater ausreisen darf.

Von da an ging es nur noch bergauf. Abbas ist heute 19 Jahre alt, sitzt fidel im Rollstuhl, wünscht sich eine Welt ohne Krieg, eine gute Arbeit für sich und, dass seine Familie bald nach Deutschland kommen kann. Sein Vater ist hier bei ihm, die Mutter und zwei jüngere Schwestern noch in Syrien. Auch hier signalisiert Raquel Rempp, dass Bewegung in die Sache gekommen ist und man hofft, bis Ende des Jahres die Familie zusammenführen zu können. Zu Abbas und seinem Vater ist eine sehr enge Verbindung entstanden.

„Es gibt immer einen Weg“

Warum sie sich engagierte? „Jeder Mensch ist kostbar, jeder, der gerettet werden kann, ist kostbar, es kommt so viel Dank zurück, ich kann nur jedem empfehlen: Wenn ihr etwas angeht, lasst euch nicht abwimmeln, es gibt immer einen Weg.“

Janine M. Ruch wies auf die längere Pause der sonntäglichen Filmaktion mit Integrationsabsicht hin, denn das Kino wird nach fünf Jahren Kinoverein und 60 Jahren Lichtspielhaus, die in diesem Jahr gefeiert werden, aufgehübscht (siehe Infokasten). Am ersten Sonntag im August geht es mit Sun Day Movies weiter.

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