Ketsch

Kleintierzuchtverein Reporterin schaut Richtern der Kreis-Kaninchenschau über die Schulter

Fester Blick für Fortbestand

Archivartikel

Ketsch.Beherzt greift Patrick Schulz den Zwergwidderhasen im Genick, setzt ihn auf einen erhöhten Tisch. Damit beginnt die Arbeit für den Richter, der nun einen ganz intensiven Blick auf das Tier nimmt. Insgesamt 110 Tiere müssen er und sein Kollege Matthias Frey am Vortag der Kreis-Kaninchenschau begutachten. Ihre Bewertung ist ein Grundstein für die weitere Zucht, für Ausstellungsbesuche der Besitzer und letztlich den Fortbestand der Rasse.

Beide Männer haben eine Ausbildung gemacht, die sie berechtigt, Tiere zu beurteilen – eine wichtige Sache, denn nur, wenn alle Merkmale an den Zuchtexemplaren korrekt zu finden sind, ist der Bestand der Linie und Art gesichert. Die charakteristischen Merkmale für alle Rassen sind unterteilt in: Gewicht, wobei das Idealgewicht maßgebend ist; Körperform (Typ, Bau) im Blick beim Zwergwidder ist etwa die breite Schulterpartie und der kurze gedrungene Körper; Fellhaar, beim Zwergwidder kurz und dicht, dabei fein strukturiert; Kopfbildung, der ist bei dieser Rasse kurz und kräftig mit breiter Schnauzpartie; Behang, beim Zwergwidder lautet die Ideal-Beschreibung: „Der Behang der Zwergwidder wird u-förmig nach unten – mit der Öffnung zum Kopf – getragen.

Er sollte eine gut ausgeprägte Krone (Wulste der Ohrenansätze) haben. Der Behang wird quer über den Kopf von einer Ohrenspitze zur anderen gemessen und hat dann eine Ideallänge von 22 bis 28 Zentimeter. Er sollte nicht faltig sein“; Farbe, detailliert beschrieben für jede Farbe, wobei bei Zwergwiddern auch die Unterfarbe – oft ist blau gefordert – entscheidend ist.

Besonderes Augenmerk verdient auch der Pflegezustand: Ausschlaggebend ist hier die Sorgsamkeit, mit der der Züchter seine Tiere pflegt. Geschnittene Krallen, saubere Läufe und ein filzfreies Fell sind dabei Mindestanforderungen der Pflege.

Nahe 100 Punkten ist „vorzüglich“

Gut drei Minuten brauchen die Richter jeweils pro Tier, um alle Anforderungen geprüft zu haben. Mit den Fingern wird das Fellhaar gespreizt, bis auf die Haut das Farbspiel begutachtet. Immer wieder setzt der Richter das Tier erneut behutsam auf den Tisch, schaut, wie sich der Körperbau zeigt, fühlt entlang der Rückenlinie. Nuancen sind manchmal der Grund für die differenzierte Bewertung: „Wir haben eine Skala bis 100 Punkte, die aber eigentlich nie erreicht werden“, schildert Schulz. Höchstwerte von 97 und mehr Punkten stehen für das Prädikat „vorzüglich“, die beste Bewertung. Auf einer anonymisierten Bewertungskarte, die lediglich eine Ziffer trägt, die den Tieren und damit dem Züchter zugeordnet sind, werden alle Merkmale beschrieben und mit den Ziffern der Bewertung versehen, daraus ergibt sich die Gesamtsumme von bis zu 100 Punkten.

„Sind wir uns mal unklar mit einer Beurteilung, schaut der zweite Prüfer noch mal das Tier an, dann wird gemeinsam über die Punktezahl entschieden“, erklärt Patrick Schulz, dass das auch zum Tragen kommt, wenn ein Tier aus der Zuchtschau ausgeschlossen werden muss.

Dafür sprechen grobe Zucht- oder Pflegefehler – beide Richter müssen ihre Entscheidung schriftlich niederlegen und unterzeichnen. Die Beurteilung sammeln der Ketscher Vereinschef Marco Sturm, Bernd Kolb (Kreisverbandsvorsitzender der Kleintierzüchter Schwetzingen), Peter Schmidt und Kerstin Singer vom KTZV C 102 Ketsch. Alle Daten werden erfasst. Aus den Fakten entsteht der Ausstellungskatalog, der begehrt ist unter Züchtern, zeigt er doch genau den Stand der eigenen und der „Konkurrenz“-Zuchten. Zugleich hilft das Heft, einen passenden Zuchtpartner zu finden, damit die Rassemerkmale über Generationen erhalten bleiben. Gibt es auch immer einmal wieder neue Rassen? „Ja, sicher, aber immer, wenn eine neue Rasse kommt, bedeutet das, dass eine alte ausgestorben ist“, ist Patrick Schulz nicht wirklich begeistert.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional