Ketsch

Kirchenkino Im Central geht es in "24 Wochen" um das Thema Schwangerschaftsabbruch / Hauptfigur erfährt, dass ihr Ungeborenes am Down-Syndrom leidet

Film zeigt Tabu um Abtreibung Behinderter

Archivartikel

Ketsch.Gerade eben war noch alles gut. Astrid Lorenz, die erfolgreiche Kabarettistin, die trotz Mamabauch weiterhin auf den Bühnen gefeiert wird, und Markus, der Partner an ihrer Seite. Fürsorglich, liebevoll - ein Paar aus dem Bilderbuch. Die erste Tochter Nele ist ein Königreich für die beiden, das zweite Kind, das sie erwarten: die Krönung. Für Astrid wird sich die Vorfreude bald ins Gegenteil verkehren, denn die erste Untersuchung zeigt: Ihr Kind wird Trisomie 21 haben - in ihr wächst ein Junge mit Down-Syndrom heran.

Es ist kein leichter Stoff, den Pastoralreferent Matthias Rey, Diakon Heiko Wunderling und Pfarrer Christian Noeske dem Publikum zum Kirchenkino mit "24 Wochen" zumuten - denn Anne Zohra Berracheds Film ist derart brutal ehrlich, dass es stellenweise wehtut. Wird unser Sohn alleine sein Zimmer aufräumen können? Alleine aufs Klo gehen? Das sind die Fragen, die Astrid und Markus für sich zu klären versuchen - und anfangs so willens wie sicher sind: Wir werden das schaffen.

Doch das Loch, in das sie fallen, scheint bodenlos. Als sich das Paar den besten Freunden offenbart, regiert Schweigen. Als der erste Radiosender über ihr Schicksal schreibt, ist Astrid im Tratsch der Öffentlichkeit angekommen, der seinen Schlund aufreißt, ohne irgendetwas begriffen zu haben. Dann machen Spezialisten ihr deutlich, dass ihr Sohn auch noch einen massiven Herzschaden haben wird.

Schmerz frisst sie auf

Ihrem bisherigen Leben entrissen, fressen der Schmerz und die fremden Erwartungen die Künstlerin auf - und als am Ende die eigene Mutter aus dem gemeinsamen Haus auszieht, um den Eklat mit Markus folgen zu lassen, zeichnen Tränen und Wut nur noch das Autogramm unter die Einwilligung für den Spätabbruch der Schwangerschaft. Es ist genau die Frage, die Heiko Wunderling zu Beginn der Veranstaltung stellt: "Wollen, ja, können wir ein Kind mit dieser Diagnose haben?" "Entscheidungen wie diese kann man nur treffen, wenn man sie treffen muss", wird die Hebamme Astrid sagen - und das Dilemma zwischen Pflicht und Schuld so präzise wie schmerzvoll umrissen haben.

Keine Frage: "24 Wochen" ist ein Drama, das den Fokus auf die Betroffenen und ein Tabuthema legt. Wie es wäre, wenn sich Astrid und Markus früher Hilfe geholt und anders entschieden hätten, scheint nur in Ansätzen durch. Wie wichtig dieser filmische Beitrag, den Julia Jentsch und Bjarne Mädel in dokumentarischer Härte bis zur Kaliumchloridspritze ins Herz und der Geburt des toten Kindes ertragen, zeigt die bewegende Diskussion, die sich unter den Gästen entwickelt. Gibt sich Gabriele Wegmann-Rey ganz angefasst von den Erlebnissen des Films, tönt aus anderen Ecken des Saals auch Unverständnis entgegen: "Nur, weil sie eine Behinderung haben, heißt das doch nicht, dass wir diese Kinder nicht zur Welt bringen können. Sie haben auch ein Recht zu leben und sind nicht schlechter als alle anderen", wird es eine Zuschauerin sagen und Unterstützung vom Sonderpädagogen und ersten Sonderschulrektor Schwetzingens, Werner Hippeli, erhalten, der Entwicklungsfähigkeiten und Lebensfreude dieser Kinder in den Vordergrund stellt.

Dass man sich vor vorschnellen Urteilen dennoch verwahren sollte, stellt Diakon Heiko Wunderling in einer sehr persönlichen Geschichte dar. Er selbst habe mit seiner Frau vor der Entscheidung gestanden, ob sie ihre Kinder als Frühchen bekommen möchten. "Das ist eine Situation des absoluten Ausnahmezustands, in der man da steht", lässt Wunderling wissen und wirbt für ein Verständnis, das die Pränatal-Expertin Sabine Wessely vom Sozialdienst Katholischer Frauen in Mannheim deutlich machen wird: "Die Paare müssen eine Entscheidung treffen, mit der sie auf Dauer leben können - und wissen, dass sie doch nicht alleine damit bleiben."

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