Ketsch

Flexibel und kurzfristig

Archivartikel

Benjamin Jungbluth hat Verständnis für die Provisorien

Der Aufschrei ist oft laut und energisch: Die Gemeinde tue nichts für die Kinderbetreuung, ewig müssten Eltern nach einem Platz für ihre Jüngsten suchen. Und tatsächlich ist die Lage gerade in Ballungsgebieten schwierig. Schon vor der Geburt werden da potenzielle Kindergärten abgeklappert und Namen auf Wartelisten geschrieben. Doch der einseitige Vorwurf an „die Politik“ ist trotzdem unangebracht.

Noch vor zehn Jahren waren sich Experten und Allgemeinheit sicher, dass Deutschland Einwohner und damit auch Kinder verlieren werde. Die Geburtenzahlen lagen außergewöhnlich niedrig. Dann kam der Umschwung, wohl auch durch die starke Zuwanderung. Gleichzeitig ist es heute allgemein üblich, sein Kind schon früh und lange in eine Betreuung zu geben – vor zehn Jahren sah das noch ganz anders aus. Dabei mögen finanzielle Aspekte eine Rolle spielen, doch durch monetäre Not allein sind die derart gestiegenen Zahlen nicht zu erklären.

Es hat auch ein Bewusstseinswandel stattgefunden, viele Eltern wollen nicht mehr auf ihre Arbeit und ihr bisheriges Leben verzichten – „nur“ weil ein Kind da ist.

Davon kann man halten, was man will – wenn sich die Umstände in so kurzer Zeit derart stark verändern, muss es zwangsläufig zu Problemen kommen. Doch was passiert, wenn sich in zehn Jahren die Lage erneut ändert? Wenn der Zeitgeist und die sich immer im Wandel befindliche Gesellschaft wieder weniger zu betreuende Kinder zur Folge haben? Dann könnte es plötzlich ein Überangebot geben und Kritik daran laut werden. „Die Politik“ muss mit all dem umgehen – stets getrieben und immer einen Schritt hinterher. Flexible und kurzfristige Möglichkeiten sind daher derzeit richtig, auch wenn sie nur Provisorien sein können.

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