Ketsch

Breuners Buchtipp „Sal“ von Mick Kitson / Grandios erzählt

Flucht in die Wildnis

Archivartikel

Ketsch.Die Leiterin der Gemeindebücherei, Barbara Breuner, stellt in loser Folge neue Bücher vor und nimmt heute „Sal“ von Mick Kitson aus dem Verlag Kiepenheuer und Witsch unter die Lupe:

„Die Schwestern Sal und Peppa hatten bisher keine schöne Kindheit: Die alkoholsüchtige Mutter vernachlässigt sie und die 13-jährige Sal wurde von Robert, dem Freund der Mutter, über längere Zeit missbraucht. Als dieser droht, sich auch an ihrer kleinen Schwester Peppa zu vergehen, hat Sal endgültig genug. Monatelang plant sie die Flucht aus dem gemeinsamen Haushalt.

Mit den von Robert gestohlenen Kreditkarten beschafft sich Sal nach und nach die Ausrüstung, die die Schwestern zum Überleben in der Wildnis brauchen. Sal denkt wirklich an alles, von wasserfester Kleidung, über stabile Rucksäcke, vom Messer über Stirnlampen, von haltbarer Nahrung bis zum Erste-Hilfe-Set – sie kauft ein, bis es eines Tages so weit ist. Sal und Peppa flüchten in die schottischen Highlands.

Sal hat über Youtube-Videos gelernt, wie man ein Feuer macht, sie weiß, wie man ein Kaninchen abzieht und sich einen geschützten Unterstand baut. Jetzt muss sie zeigen, dass sie sich und ihre kleine Schwester Peppa durchbringen kann.

Als Peppa nach einem Hechtbiss krank wird, lernen die Schwestern Ingrid kennen. Ingrid ist Deutsche und lebt ebenfalls in der Natur. Als ehemalige Ärztin kann sie Peppas Infektion heilen und die beiden Mädchen fassen Vertrauen zu der älteren Frau, die ihnen anfangs wie eine Hexe erscheint. Mit Ingrid wird das Überleben leichter, die Schwestern schließen sich ihr an und bauen eine neue Hütte, genau gegenüber Ingrids.

Sehnsucht nach der Mutter

Die inzwischen kalten Wintertage vergehen mit Jagen und dem täglichen Kampf ums Überleben. Nach und nach erzählt Ingrid von ihrem Leben in der DDR, ihrer Flucht nach London, ihren Erlebnissen zur Hippiezeit und schließlich ihrem Wunsch, in der Natur sesshaft zu werden. Die beiden Schwestern machen sich Gedanken, was aus ihrer Mutter geworden ist. Denn trotz aller Unzuverlässigkeit wächst der Wunsch, auch die Mutter, die mittlerweile in einer Entzugsklinik untergekommen ist, zu sich in die Natur zu holen.

Der erste Roman von Mick Kitson liest sich trotz der dramatischen Ereignisse, die zur Flucht führten, locker. Niemals wird angeklagt, sondern immer nur das Beste aus der jeweiligen Situation geholt. Inmitten der Schönheit der schottischen Landschaft erweist sich der Autor als guter Beobachter und grandioser Erzähler. Man möchte das Buch gar nicht mehr zur Seite legen. Der Roman ganz ohne Kitsch und aufgesetztes Happy End, umrahmt von wunderbaren Naturschilderungen, kann in der Gemeindebücherei ausgeliehen werden.“ zg/mab

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