Ketsch

Freundeskreis verkleinert

Archivartikel

Wir sind uns einig, dass der Freundeskreis, den man über die sozialen Medien wie Facebook pflegt, mit Freundschaft wenig zu tun hat – echte Freunde kann man meist an einer Hand abzählen. Doch die Maßnahme, die ein Bekannter nun wählte, hätte ich mich dennoch nie getraut: Er bat alle, die sich auch nur im Entferntesten zum Kreis der „Coronaleugner, Verschwörungstheoretiker oder andere dem Hirntot nahe Leute“ zählten und sich in seiner Freundesliste befänden, sich möglichst leise zu ... Es waren drastische Worte.

Ich mochte die Konsequenz, denn er muss sich nun auf seine Posts keine – aus seiner Sicht – dummen Kommentare mehr anhören. Ich überlegte allerdings, ob ich auch gehen müsse, weil ich von Meldungen, wir hätten schon die zweite Corona-Welle aufgrund steigender Zahlen von Neuinfizierten, wenig halte. Für eine zweite Welle fehlen – aus meiner Sicht – beispielsweise steigende Zahlen belegter Intensivbetten, so heftig das klingt. Man will ja einigermaßen kritisch bleiben. Und mit ein wenig Kritik entschied ich mich, in der Freundesliste zu bleiben.

Zumal ich fand, dass man in einer Demokratie auch andere Meinungen zulassen muss. Plötzlich dachte ich, dass ich vielleicht ihn aus meiner Freundesliste verbannen müsste. Doch weit gefehlt: Ich lasse andere Meinungen schon deshalb zu, weil ich viel zu wenig Freunde auf Facebook habe. Ich kann mir eine Verkleinerung meines Bekanntenkreises gar nicht „leisten“.

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