Ketsch

Schatzkiste des Heimatmuseums (Teil 1) In einem Butterfass wurde früher frische Molke zu leckerem Brotaufstrich geschlagen

Fürs Frühstück mussten sie früher noch kurbeln

Archivartikel

Ketsch.Ein Frühstück mit frischen Brötchen, Marmelade, Wurst und Käse – und dann keine Butter? Der Fettaufstrich gehört einfach dazu. Während man heute überall in Lebensmittelgeschäften die Butter kaufen kann, stellte man sie früher selbst her. Handgemacht mit Kurbelkraft war sie damals.

Findige Geister haben ein Fass entwickelt, das mit einer Handkurbel angetrieben wird, das war die Zentrifuge, die etwa ab 1877 die Arbeit erleichterte. Das Prinzip des „Butterns“ besteht darin, die Molke mit Kraft vom Rahm zu trennen, was zurückbleibt, ist die reine Butter. Im Fass geschah dies durch stetes auf und ab Stampfen mit einem löchrigen Stößer oder wie bei unserem Exponat, durch das Rühren mit einer flügelartigen Vorrichtung.

Der Rahm wurde nach dem Melken von der abgekühlten Milch abgeschöpft oder mit einer Milchzentrifuge in Aktion von der frischen Milch getrennt. Danach sammelte man ihn in einem irdenen Topf, der den Rahm an einem kühlen Ort frisch gehalten hat. Man nutzte Kellerräume oder Nischen im Mauerwerk dazu, Milch und Rahm sowie die Butter frisch zu halten. Bis zu vier Liter Rahm passten in ein Butterfass. Der Holzdeckel des kleinen Fässchens wurde mit zwei Flügelschrauben fest mit dem Fass verbunden. Oben auf dem Deckel befand sich eine Zahnradumlenkung mit Kurbelantrieb. Bewegte man die Kurbel, drehte sich im Gefäß der mit dem Kurbelantrieb verbundene, quadratische Holzrahmen mit vielen Löchern. Die Löcher sorgten dafür, dass der Rahm in Bewegung geriet und, ähnlich der Technik moderner Quirle, geschlagen wurde.

Zuhause nachmachen

Bei diesem Vorgang, für den die anfangs benannte Zentrifuge eine große Erleichterung darstellte, trennte sich das Milchfett von der Milch und begann zu verklumpen. Nach gut einer halben bis dreiviertel Stunde Leierarbeit hatte sich die Butter derart ausgeflockt und schwamm als Klümpchen in der Molke. Die Mischung wurde durch ein Leintuch gegossen. Die aufgefangene Molke konnte getrunken oder zum Backen verwendet werden. Die Butterflocken presste man zu einem Block oder einer Rolle und wusch dabei die überschüssige Molke mit fließendem Wasser noch aus: Der Brotaufstrich war fertig. Eine für Kinder heute interessante Variante, diesen Prozess nachzuvollziehen, ist, Sahne in ein gut verschließbares Glas zu geben, den Deckel festzudrehen und es danach kräftig auf und ab zu schütteln. Nach kurzer Zeit entsteht dabei ebenfalls Butter vom Feinsten. zesa

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