Ketsch

Haus der Begegnung Beim Fastenbrechen Einigkeit festgestellt

Gedichte auf Tellern

Archivartikel

Ketsch.Die drei abrahamitischen Religionen liegen in erstaunlich vielen Feldern nah beieinander. Judentum, Christentum und Islam teilen eigentlich mehr als sie trennt. Diesem Eindruck konnte man sich im Haus der Begegnung beim gemeinsamen Fastenbrechen kaum erwehren. Alle drei Religionen, sagte der evangelische Pfarrer Christian Noeske, kennen die Fastenzeit und verknüpften die gleiche Philosophie damit. Es gehe um eine Ein- und Umkehr hin zu Gott. Das Fasten, so ergänzte der katholische Diakon Heiko Wunderling, „eint uns über alles Trennende hinweg“.

Vor dem Fastenbrechen erläuterten die beiden Geistlichen und die Flüchtlingsbeauftragte Anne Ashour-Leidinger das Fasten. Über die Wochen und Monate eines Jahres, so Wunderling, gerate der Mensch durchaus ab vom Wege Gottes. Und so gehe es beim Fasten um eine Art Wieder-Ausrichtung. In der 40-tägigen Fastenzeit solle der Mensch sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Es seien die hohen christlichen Feste, auf die sich die Menschen mit dem Fasten vorbereiten sollen. Dabei werde das Fasten heute über das kulinarische hinaus auch als Verzicht auf liebgewordene Verhaltensweise verstanden. Die Katholiken sehen die Fastenzeit auch als Zeit der Versöhnung. „Die Fastenzeit ist auch ein Aufruf zum Frieden.“

In der evangelischen Kirche werde das Fasten auch kritisch gesehen, so Noeske. „Wir gehen seit Luther ja davon aus, dass man sich Gott gegenüber nichts verdienen kann.“ Das Heil sei ein Geschenk Gottes. Aber als Instrument der Bewusstseinsmachung sei Fasten auch aus Sicht der evangelischen Kirche geradezu genial. „Fasten kann die Sinne schärfen.“ Eine Sicht, die auch Ashour-Leidinger teilte.

Konzentration auf Gott

Fasten während des Ramadans noch bis Donnerstag, 14. Juni, sei eine der fünf Säulen des Islams. Mit dem Verzicht soll eine Konzentration auf Gott gelingen, ohne jede Art von Einflüssen. Dazu würden von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang nicht nur der Verzicht auf Essen und Trinken, sondern auch Begehren, schlechtes Reden oder jede Art von Gewalt gehören. Ausgenommen vom Fasten seien wie im Christentum Kinder bis zur Pubertät, Alte, Kranke, Reisende, Schwangere oder Menschen, die hart arbeiteten.

Um 21.30 Uhr war es soweit und man durfte sich den kulinarischen Verführungen ergeben. Mit Gedichten auf Tellern lassen sich die Gerichte am besten beschreiben. Wunderbar, so Gabriele Wegmann-Rey. Für sie seien die Menschen hier eine große Bereicherung, die weit über den Tellerrand hinaus gehe. ske

Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker überregional