Ketsch

Genusstage im Elsass

Wir Deutsche gelten ja als „Neidweltmeister“. Und da passe ich bestens ins Geflecht, denn meine Portion trug ich mit ins nahe Elsass, um hier und da vor Neid mit Blässe zu reagieren.

Auf Erkundungstour, ob nun Colmar oder Straßburg schöner ist, ertappte ich mich immer wieder dabei, wie neidisch ich doch auf die französische Verwöhnkultur blicke. „Leben wie Gott in Frankreich“ oder „savoir-vivre“ sagen wir dazu (dabei meinen wir meist die Lebenskunst, die eigentlich „l’art de vivre“ heißt). Der Franzose versteht es, sich bereits auf der Autobahn zu verwöhnen, wo die vielen Peugeots, Renaults und Citroëns bei maximal 130 – eher 110 – Stundenkilometern Gelassenheit demonstrieren.

Zwischen dem Hauch an mehr in Ruhe gelassener Natur mundete Munster-Käse, Wildschweinwurst, Merguez, Wein, Crémant, Croque-Monsieur, Flammkuchen oder Quiche. Voller Neid versuchte ich, bei jedem ach so herrlichen Baguette Fassung zu bewahren. Der Franzose isst gefühlt drei, vier am Tag – wie schafft er es da, sein Gewicht zu halten? Und er hält es, besser als wir Deutschen, wo die Statistik mehr Fettleibige ausweist. Ich bin neidisch.

Die Gelbwesten verstehe ich beim besten Willen nicht. Der Franzose demonstriert halt einfach gern. Oder ist es mehr? An der Tankstelle war der Spaß bei 1,60 Euro pro Liter Gazole vorbei. Von wegen Neid. Ich fuhr genüsslich wieder in deutsche Gefilde zurück.

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