Ketsch

Central Kino Matto Barfuss präsentiert seinen Tierfilm „Maleika“ vor begeistertem Publikum / Viele Gefühle und großartige Naturaufnahmen

Geparden als empathische Wesen

Ketsch.Ausverkauft bis zum letzten Platz – die Sondervorstellung des Tierfilms „Maleika“ im Central Kino war ein derart großer Erfolg, dass am Ende Produzent und Filmemacher Matto Barfuss – bürgerlich Matthias Huber – und seine Begleiterin Martina Jandová (Kamera und Schnitt) die Vorstellung auf dem Fußboden verfolgten, um den Besuchern ausreichend Sitzplätze bieten zu können.

Die emotional erzählte Geschichte der Geparden-Mutter Maleika, die in der afrikanischen Savanne gleich sechs Junge aufzieht, schien den Nerv des Publikums zu treffen: An lustigen Stellen gab es lautes Gelächter, in dramatischen Momenten war aus den Reihen entsetztes Stöhnen zu hören.

Ein Film im Disney-Stil

Genau diese Gefühle wollte Filmemacher und Lebenskünstler Matto Barfuss mit seinem Projekt erreichen – ebenso wie vor Jahren mit seiner Alpenüberquerung ohne Schuhe – die ihm seinen Künstlernamen einbrachte, oder seinen sonstigen Kunstaktionen (wir berichteten). „Ich wollte keine langweilige Dokumentation machen, sondern die Zuschauer emotional begeistern“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Deshalb auch ein Spielfilm im „Disney-Stil“ mit vertonten Gedanken von Maleika und ihren Jungen, dazu Musik und eine spannende Handlung.“

Mit bisweilen spektakulären Bildern aus der afrikanischen Steppe und berührenden Situationen konnte der Film diesem Anspruch tatsächlich gerecht werden. 250 Stunden Rohmaterial produzierte Barfuss mit seinem kleinen Team über insgesamt vier Jahre, regelmäßig flog er nach Botswana, um Maleika von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang zu begleiten.

„Jede einzelne Szene wichtig“

„Am Ende hatte ich eine erste Schnittfassung von mehr als zehn Stunden Länge – und meiner Meinung nach war da wirklich jede einzelne Szene wichtig“, so Matto Barfuss im Gespräch nach der Vorstellung. Am Ende wurden es kinotaugliche 106 Minuten, die die Geparden-Familie in ihrem täglichen Überlebenskampf zeigen.

„Wir mussten uns Maleika zunächst annähern und schauen, wie sie auf uns reagiert“, erzählte Barfuss. Dabei kam ihm seine Erfahrung mit den eleganten Raubkatzen zugute: 1998 lebte der in Sinsheim geborene Barfuss rund 25 Wochen mit einer anderen Geparden-Familie zusammen, näherte sich ihr auf allen Vieren, imitierte die Tiere und wurde schließlich von ihnen „aufgenommen“. Bei Maleika wählte der Filmemacher einen anderen Ansatz: Mehr Distanz, um das Ergebnis nicht zu sehr zu verfälschen.

Wobei Distanz vielleicht das falsche Wort ist. Denn Barfuss ging, seiner grundsätzlichen Linie treu, eine „enge emotionale Beziehung“ zu Maleika und ihren Jungen ein, wie er sagte. „Als eines der Jungtiere eines Tages plötzlich bei einer Flussüberquerung von einem Krokodil gefressen wurde, war das für mich und mein Team ein ganz schlimmer Moment“, erzählte er im Gespräch mit dem Publikum. „Maleika hat uns in diesem Moment angeschaut, als wollte sie sagen: ,Macht doch etwas!’ Da haben wir uns in den Armen gelegen und nur noch geweint.“ Diese Nähe zu den Geparden ist es, die Matto Barfuss antreibt und seine Projekte wie auch seinen Film prägt.

Doch gleichzeitig ist es gerade diese Emotionalität, die auch die größte Schwäche des Films darstellt. Denn Barfuss vermenschlicht die gefilmten Tiere nicht nur bisweilen bis hin zum Kitsch, indem er ihnen allerlei Gefühle und Gedanken in den Mund legt. Er ergreift eben auch einseitig Partei: Bei den Geparden trauert der Film minutenlang um das vom Krokodil gefressene Junge.

Gazellen-Junge als „Snacks“

Bei den übrigen Tieren, die den Geparden als Beute dienen, fehlt diese Empathie hingegen gänzlich: Gazellen-Junge werden dann zu „Snacks“, wie es aus dem Kommentar lapidar zu hören ist, während ihr Todeskampf und die herausquellenden Gedärme regelmäßig in Zeitlupe gezeigt werden. Ein vielleicht nicht ganz unwichtiger Hinweis bei einem Tierfilm, der keinerlei Altersbeschränkung trägt.

Es ist dennoch ein sehenswerter Streifen, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Menschen für die vom Aussterben bedrohten Geparden zu begeistern, sie emotional abzuholen und zu unterhalten. Bei der Sonderveranstaltung jedenfalls konnte sich Matto Barfuss nicht über mangelndes Interesse der Central-Besucher beschweren, viele Fragen wurden nach Filmende in großer Runde gestellt. Und auch seine Bücher und Plakate, deren Erlös für Schutzprojekte in Afrika verwendet wird, fanden bei den begeisterten Besuchern großen Absatz.

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