Ketsch

St. Sebastian Kantorei unter Leitung von Jens Hoffmann und Organist Alexander Levental gefallen am Vorabend zu Dreifaltigkeit

Gesangliche Fülle und Orgel-Poesie

Archivartikel

Ketsch.Am Wochenende nach Pfingsten feiern die christlichen Kirchen den Dreifaltigkeitssonntag und bekennen dabei ihren Glauben an den dreifaltigen Gott – den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Zu diesem Fest fand in der katholischen Kirche St. Sebastian ein Gottesdienst unter Mitwirkung der katholischen Kantorei Brühl/Ketsch statt. Zelebriert wurde er von Pfarrer Erwin Bertsch, der ins Zentrum seiner Predigt die Botschaft des auferstandenen Jesus beim Auftritt in Galiläa stellte: Sucht nicht das Spektakuläre, Sensationelle, sondern geht den Weg, auf dem sich im Alltäglichen der Glaube bewährt.

In der Gestaltung der feierlichen Liturgie entfaltete der gemischte Chor unter der Leitung von Jens Hoffmann eine ganz besondere gesangliche Fülle mit „Jubilate Deo“, „Halleluja“, „Oculi“ oder „Locus iste“ und bot den Besuchern mit der wohlklingenden geistlichen Musik erhebende Augenblicke.

Dem Gottesdienst ging die Orgelsoirée mit Alexander Levental in der Konzertreihe „Auszeit“ voraus. Die Reihe ist ein Angebot der katholischen Seelsorgeeinheit, die Kirchenmusiker Jens Hoffmann ins Leben rief. In dem halbstündigen Orgelrezital wurde die prächtige Weise-Orgel und ihre vielfältigen Klangfarben den Zuhörern nahegebracht.

Levental bestätigt Virtuosität

Die musikalische und technische Leistung Leventals bestätigte den Ruf des Organisten und Komponisten als Virtuose auf diesem Instrument. Er ist Preisträger internationaler Wettbewerbe für Orgel und Komposition mit Diplomabschlüssen am Moskauer und St. Petersburger Konservatorium.

In seinem Vortrag präsentierte er ein abwechslungsreiches Programm voller Querbezüge, indem er geistliche Werke aus dem 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart aussuchte und sie ausgezeichnet auf den Charakter der Weise-Orgel abstimmte.

Mit Johann Sebastian Bachs „Allabreve“ in D-Dur (BWV 589) führte sich der Organist gleich zu Beginn als Klangfarbenkünstler ein. Er ließ eine erstaunliche Vielfalt musikalischer Formen anklingen. Es folgten Choralbearbeitungen des Komponisten Gottfried August Homilius (1714 bis 1785), der nach einer einprägsamen Schlichtheit strebte. Ab 1755 war er Musikdirektor der Dresdner Hauptkirchen. Die beiden Chorälen „Straf mich nicht in deinem Zorn“ und „Schmücke dich o liebe Seele“ ertönten in einem wunderbar farbigen Arrangement, wobei Levental alle Register seines Könnens zog und die Originalität der Musik hervorhob.

Mit Felix Mendelssohn Bartholdy setzte Levental einen Komponisten aufs Programm, der sich um Bach verdient machte: Der junge Mendelssohn war es, der die Bach-Renaissance einleitete. Auch sonst hat Mendelssohn das Musikleben von heute geprägt. Seine beabsichtigte Wirkung mit der Sonate Nr. 5 in D-Dur über den Choral „Dir, Jehova, will ich singen“ erreicht die Zuhörer immer noch. Levental spürte auf der Orgel der Poesie dieser Musik nach.

Das Gegenstück zu Mendelssohns Komposition bildete am Schluss das „Jubilate“ des Hamburger Kirchenmusikers und Komponisten Andreas Willscher. Deutlich arbeitete der Organist das musikalische Motto heraus und verband die Melodie mannigfaltig mit feierlichen und kräftigen Akkorden. Sie passten perfekt als Überleitung zum anschließenden Gottesdienst.

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