Ketsch

Geschäftsleben Gasthaus „Adler“ kredenzt sieben Gänge bei kulinarischer Herbstweinprobe

Geschmortes Rind trifft einen Tiefroten

Archivartikel

Ketsch.Wenn gleich starke Protagonisten aufeinander treffen, kommt es häufig zu einem Konkurrenzkampf, aus dem nur Verlierer hervorgehen. Wissen die beiden Partner jedoch um ihre Qualität, gehen sie eine perfekte Verbindung ein. So geschehen bei der kulinarischen Herbstweinprobe im Gasthaus „Adler“.

Die Küche von Stecker und Stecker (Chef Ulrich und Schwiegersohn Tobias) und die Weine von Händler Gerhard Brenneis gerieten zu einem vollendeten Genusserlebnis bei perfekten Gastgebern und bescherten einen unvergesslichen Abend in angenehmem Ambiente. Nicht zuletzt dank der zurückhaltenden, aber dennoch sehr herzlichen Persönlichkeit von Chefin Sabine Stecker und ihrem Service-Team.

Wer bei den edlen Tropfen der Weinagentur aus Wachenheim allerdings Pfälzer Erzeugnisse erwartete, durfte sich überraschen lassen – der Besitzer vertreibt italienische Weine von Zonin. Das Unternehmen aus Gambellara in der Provinz Vicenza ist seit sieben Generationen in Familienbesitz und nennt zehn Weingüter in sieben Anbaugebieten vom Piemont bis Sizilien sein Eigen.

Brenneis begleitet und berät die Steckers seit ihrer Selbstständigkeit vor über 25 Jahren, schätzt ihre Kompetenz auch in Sachen Wein. „Viele Zonin-Produkte finden sich im Angebot vom Gasthaus ,Adler’. Aber bei der Vorbesprechung waren wir der Meinung, dass wir an einem Abend wie diesem Erzeugnisse anbieten, die nicht auf der Speisekarte stehen.“ Die Begleiter des Sieben-Gänge-Menüs stammen allesamt aus autochthonen Rebsorten – sie wachsen dort, wo sie auch entstanden sind.

Gerhard Brenneisens Credo lautete: „Die Gäste erwarten einen schönen Abend mit hervorragendem Essen und Trinken, unter Umständen in Gesellschaft von Freunden. Deshalb beschränken sich meine Informationen auf die wesentlichen Fakten. Geschmack ist ohnehin eine sehr individuelle Angelegenheit, aber das entscheidende Kriterium für die Auswahl.“ Er ging immer wieder von Tisch zu Tisch und stand als Ansprechpartner zur Verfügung. Ein Konzept ganz nach dem Geschmack der Gäste – wie die gesamte Menüfolge.

Es wird noch einmal sommerlich

Als Amuse Gueule gab’s einen Prosecco Spumante Brut DOC Tenuta Ca’ Bolani aus dem Friaul. Der Schaumwein hat sich vom Lifestyle-Getränk zu einem Qualitätserzeugnis entwickelt und ist nach wie vor Sinnbild mediterraner Lebensfreude. Ähnlich wie bei Champagner oder Cognac muss jeder Prosecco mittlerweile aus einem bestimmten Anbaugebiet stammen – aus der Provinz Treviso in der Region Venezien.

Danach wurde es noch einmal sommerlich – mit einem 2018er Grillo DOC Feudo Principi di Butera. Er präsentierte sich überraschend frisch und fruchtig für einen sizilianischen Wein, der mit extrem trockenem und heißem Klima zurechtkommen muss und zusammen mit dem wunderbaren Kirschtomaten-Brotsalat mit Thunfisch Urlaubserinnerungen wachküsste.

Beim nächsten Gang war der Herbst auch auf den Tellern eingetroffen. Ein herrlich intensives Wildschweinravioli mit Steinpilzen wurde begleitet von einem 2018er Calasole Vermentino DOC Rocca di Montemassi aus der Küstenregion Maremma in der Toskana. Der Wein findet in der Schwemmlandschaft hervorragende Bedingungen. Die noch junge Weinbauregion, die bis vor 25 Jahren vom Ackerbau geprägt war, ist seit 2003 im Besitz von Zonin.

Zurück ging’s dann auch kulinarisch noch einmal nach Italien mit einem fabelhaft „schlonzigen“ Rotweinrisotto in perfekter Konsistenz und Pulpo, das gemeinsam mit einem 2015er Chianti Classico Riserva DOCG aus Castello di Albolo in der Toskana seinen Geschmack entfaltete. Der Rote lagerte zwei Jahre im Holzfass und reifte weitere zwölf Monate in Flaschen.

Auf das intensive Sorbet vom weißen Pfirsich folgte ein kurzgebratenes und geschmortes Rind und Rosmarinkartoffeln mit knackigem Gemüse, serviert mit tiefrotem Petravia Aglianico IGT, auch „Barolo des Südens“ genannt. Er kommt aus dem apulischen Masseria Altemura. Der 2016er Jahrgang im kommt jetzt auf den Markt und überzeugte durch seinen dichten und kräftigen Auftritt, geprägt von Gerbstoffen und Taninen. Mit seinem optischen und geschmacklichen Auftritt passt er ganz ausgezeichnet zum Herbst.

Als kleines Intermezzo fanden die die Gäste auf dem Teller zunächst einen Gorgonzola mit Birne und schwarzen Nüssen und schließlich –zum Finale – eine geeiste Pistazienschnitte und Zitrusfrüchtesalat. Dazu wurde ein Rosamaro Spumante Brut gereicht, ebenfalls aus Masseria Altemuria. „Ich bin der Meinung, dass Süßwein eher satt macht und ein Spumante zum Schluss nochmal belebt“, lauteten die Schlussworte von Gerhard Brenneis.

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