Ketsch

Gesittetes Gemüse

Archivartikel

Halloween ist eine gänzlich unnütze Erfindung – jedenfalls in Deutschland, wohin es aus den USA exportiert wurde. Diese marktgetriebene Veranstaltung braucht wirklich kein Mensch – da wird man ja mal seine Meinung sagen dürfen. Doch mit eigenen Kindern, die mit dem eingepflanzten Brauchtum aufwachsen, wird es schwieriger: Will man ihnen den Spaß, den sie zweifelsohne haben, versagen? Mit einem klaren Jein hängt man zwischen Süßem und Saurem fest.

Also muss Corona wieder herhalten – was anderes gibt es ja dieser Tage nicht mehr. Und da ist festzuhalten, dass eine Wanderschaft von Haus zu Haus verkleidet in wilden Horden kaum ratsam ist.

Angebracht erscheint schon eher so etwas wie ein gesitteter Kürbis – vielleicht mit handzahmer Fratze. Also ein Verhalten, bei dem Halloween-Deliquent und aufgesuchter Haushalt ein kongeniales Paar bilden. Wo Süßigkeiten bereitstehen, die nur noch eingesammelt werden müssen, lässt es sich recht kontaktfrei halloweenieren. Auch die Darreichungsform vermittelt über ein Körbchen, das an einer Schnur nach dem Klingeln beispielsweise aus dem ersten Stock heruntergelassen wird, erscheint praktikabel. Und die Eltern, die sich sonst auch um jede Kleinigkeit in der Schule kümmern, könnten ja auch dafür Sorge tragen, dass es zu keiner Hordenbildung beim Nachwuchs kommt.

Solange nicht klar ist, wie prächtig das funktioniert, kann man sich den Hokaido auch anderweitig gönnen: im Teller weder süß noch sauer als leckeres Süppchen vom Kürbis – nicht jeder braucht schließlich Halloween dazu.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional